Senat beschließt Konzept: Olympia goes Tempelhofer Feld
Nach den Vorstellungen der Landesregierung würden die Olympischen Spiele auf dem Ex-Flughafengelände eröffnet. In der Waldbühne gäbe es Boxen.
Lange hat sich der Berliner Senat vorwerfen lassen müssen, er habe gar keinen genauen Plan für die von ihm betriebene Olympiabewerbung. Das ist seit Dienstag anders. Da hat die schwarz-rote Landesregierung ein konkretes Konzept beschlossen und vorgestellt, das sämtliche Sportstätten aufführt – und davon ausgeht, dass die Zugfahrt von den Segelwettbewerben vor Rostock-Warnemünde nach Berlin nur 80 Minuten dauert, halb so lang wie heute im besten Fall.
Das sei „eine enorme Chance für ganz Ostdeutschland“, sagte in der Pressekonferenz Regierungschef Kai Wegner (CDU). Von einer Chance spricht er, von einem Versprechen, dass alle Berlinerinnen und Berlin etwas davon hätten, wenn die Spiele 2036, 2040 oder 2044 in die Stadt kämen. „Diese Spiele werden Investitionen ermöglichen, die ohne die Spiele nicht möglich wären“, sagt er – und sieht in der halbierten Zugfahrtzeit von und nach Rostock ein Beispiel genau dafür.
Da soll es quasi nur Beiwerk sein, dass dank einer zügigeren Verbindung die tagsüber an der Ostsee siegreichen Segler abends am Brandenburger Tor Bronze, Silber und Gold umgehängt bekommen können – so wie alle Medaillengewinner der Spiele. Der Paris Platz auf der Ostseite des Tores soll zur „Medal Plaza“ werden und generell zum zentralen Treffpunkt der Großveranstaltung. Geplant ist auch eine zeitweilige Brücke über das Tor nördlich der Quadriga. Was der Denkmalschutz zu der Idee sagt, blieb am Dienstag allerdings offen.
Zuständig für diese Art von Rahmenprogramm ist die Kulturprojekte Berlin GmbH, die schon bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 am Brandenburger Tor ein 23 Meter hohes Fußballtor errichten ließ. Ihr Chef Moritz van Dülmen will Berlin mit vielfach in der Stadt auftauchenden Ringen in den olympischen Farben einstimmen, etwa an den „Molecule Men“ an der Elsenbrücke.
Nur eine ganz neu zu bauende Sportstätte
Mit einem Dach, aber ohne Seitenwände soll das Sommerbad am Olympiastadion für die Schwimmwettbewerbe tauglich werden. Laut Senat gibt es nur eine Wettkampfstätte, die komplett neu wäre: die von Basketball-Bundesligist Alba geplante Halle in Adlershof mit 15.000 Plätzen, die zur Saison 2031/32 fertig sein soll. Wegner ließ die nonchalant außen vor, als er sagte: „Wir könnten quasi morgen die Spiele ausrichten.“
Was dann neben der Halle auch noch fehlen würde: das Olympische Dorf, die Sportlerunterkunft. Das soll auf einem Bahngelände zwischen den S-Bahnhöfen Grunewald und Westkreuz entstehen, kaum drei Kilometer Luftlinie vom Olympiastadion entfernt. Es soll nach den Spielen als „Stadteingang West“ nach kurzem Umbau rund 5.000 Berliner mit Wohnungen versorgen.
Einbeziehen wollen die Planer auch den Ex-Flughafen Tempelhof. Davor soll es „3x3“-Basketball geben, in den Hangars mit ihren hohen Decken wären die Kletterwettbewerbe zu sehen. Das Tempelhofer Feld selbst würde zum Schauplatz der Eröffnungsveranstaltung. Das wäre für Kultur-Chef van Dülmen mit Blick auf die Nazi-Spiele von 1936 ein passenderer Ort als das damals dafür genutzte Olympiastadion. Auch auf dem Feld kann er sich spielerische Elemente vorstellen, etwa einen goldgelben, oben abgeflachten Kegel mit Sitzplätzen.
Pläne für eine Randbebauung des Tempelhofer Felds seien dadurch aber „nicht vom Tisch“, sagte Regierungschef Wegner auf Nachfrage. In der sonst für Konzerte genutzten Waldbühne sind Boxen und Taekwondo geplant – dort erlebte schon der erste deutsche Schwergewichtsboxweltmeister Max Schmeling 1948 seinen letzten Kampf.
Nun ist das Abgeordnetenhaus dran
Binnen vier Wochen muss nach dem Senat auch das Abgeordnetenhaus dem Konzept zustimmen, wenn das Projekt eine Chance haben soll: Denn bis zum 4. Juni sind die fertigen Konzepte beim Deutschen Olympischen Sportbund einzureichen. Dessen Mitglieder haben dann noch gut dreieinhalb Monate Zeit, sich damit zu befassen: Am 26. September – sechs Tage nach der Abgeordnetenhauswahl – sollen sie entscheiden, wer für Deutschland ins Olympiarennen geht: Berlin, München, Hamburg oder die Rhein-Ruhr-Region.
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