Schulstart nach den Sommerferien: Es geht wieder los

In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern beginnt diese Woche das neue Schuljahr mit Unterricht im Regelbetrieb. Kann das gut gehen?

SchülerInnen melden sich

Frisch eingeschult und motiviert: Schüler:innen der Grundschule Lankow in Mecklenburg-Vorpommern Foto: Jens Büttner/ dpa

BERLIN taz | So viel bundesweite Aufmerksamkeit ist Bettina Martin nicht gewohnt. Die ganze Woche über hat die Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern die Fragen der überregionalen Medien beantwortet: Ob Schüler:innen im neuen Schuljahr Maske tragen müssen. Wie ihre Teststrategie für Urlaubsrückkehrer und Lehrkräfte aussieht. Und ob – falls die zweite Corona-Welle tatsächlich kommt – die Internetverbindung auf dem Land gut genug ist für ein erneutes Homeschooling.

Auf den ersten Blick mag das Interesse am dünn besiedelten Nordosten überraschen: In „Meck-Pomm“ gibt es gerade mal 563 Schulen, gut 150.000 Schüler:innen werden hier unterrichtet – das sind nur etwas über 1 Prozent der gesamtdeutschen Schülerschaft. Doch für Politiker:innen, Virolog:innen und Eltern in ganz Deutschland ist mitunter entscheidend, was dort in den kommenden Wochen passiert.

„Wir sind halt die Ersten“, sagt Martin am Telefon und lacht. „Die anderen Länder beobachten uns sehr genau.“ Diesen Montag startet in Mecklenburg-Vorpommern das neue Schuljahr, so früh wie in keinem anderen Bundesland. Geht es nach der SPD-Politikerin, soll an den Schulen nun endlich Normalität einkehren. „Wir haben schrittweise alle gesellschaftlichen Bereiche wieder geöffnet. Auch den Tourismus haben wir wieder zugelassen“, sagt Martin. „Nun stellen wir die Schüler und Eltern in den Mittelpunkt.“ In keinem Bundesland seien die Infektionszahlen niedriger. Vor den Sommerferien musste nach Kenntnis ihres Ministeriums nur eine Schule vorübergehend geschlossen werden.

Für das neue Schuljahr bedeutet das: ein gelockertes Hygienekonzept. Die Schülerinnen und Schüler haben wieder Unterricht in regulärer Klassenstärke und in allen Fächern, selbst Sport und Musik sind unter Auflagen erlaubt. Einen Mund-Nasen-Schutz muss in der Schule niemand tragen, in den Klassenzimmern ist die Abstandsregel aufgehoben. „Die Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf Bildung“, sagt Martin. Sie sei froh, dass dieses Recht wieder eingelöst werden könne.

Flächendeckende Schulschließungen nur im Notfall

So ähnlich wie Schwerin stellen sich auch die anderen Landesregierungen den Schulstart vor. Bei Martins 15 Amtskolleg:innen ist die Erleichterung zu spüren, nach den Erfahrungen im Homeschooling und im Schichtbetrieb endlich wieder zum Regelunterricht zurückzukehren: „Eltern sind auf einen zuverlässigen Schulbetrieb angewiesen“, sagte die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, Karin Prien (CDU), das sei wesentlich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ihr sächsischer Amtskollege Christian Piwarz (ebenfalls CDU) stellte schon vor Wochen klar, dass der Pflichtunterricht im kommenden Schuljahr „höchste Priorität“ habe. Das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe dürfe nicht leichtfertig unter die Räder geraten.

Und Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) freute sich kurz vor dem Schulstart am Donnerstag auf einen „Unterricht mit allem Drum und Dran“. Einer, der dem Schulalltag vor Corona insgesamt schon „sehr nahe“ kommen würde. Auch wenn sich die Regeln von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, in einem sind sich die Kultusminister:innen einig: Flächendeckende Schulschließungen soll es nur im Notfall geben. „Wir wollen möglichst nicht in den Lockdown zurück“, sagt Bettina Martin gegenüber der taz. Ausschließen will ihn aber niemand mehr.

Das Robert-Koch-Institut jedenfalls hält eine zweite Welle angesichts der steigenden Corona-Infektionen für möglich – auch wegen der Urlauber:innen, die sich möglicherweise im Ausland mit Sars-CoV-2 angesteckt haben und deren Kinder das Virus vielleicht in die Schulen tragen könnten. Mehrere Bundesländer haben auf taz-Anfrage angekündigt, keine Nachsicht mit Familien zu zeigen, die den Urlaub in ein Risikogebiet ohne die 14-tägige Quarantänezeit planen – und ihre Kinder dann zum Schulbeginn zu Hause lassen. Der Verstoß werde wie Schulschwänzen geahndet, auch Bußgelder drohten, hieß es etwa aus Hamburg. Problematisch wird es nur, wenn die Urlauber die Quarantänepflicht ignorieren, denn überprüft wird das nicht. In dem Fall könnten die ersten beiden Schulwochen schon frühe Schulschließungen nach sich ziehen.

Vor allem Lehrkräfte und Eltern sorgen sich, dass der Regelunterricht ohne Abstandsregeln im Unterricht möglicherweise zu früh kommt. Lehrerverbände warnen schon seit Monaten, der Wunsch nach Normalität dürfe nicht zulasten des Gesundheitsschutzes gehen. Auch fehlt es an vielen Schulen im Land an ausreichend Toiletten, um die Hygienepläne aus den Ministerien zu erfüllen. Im Netz häufen sich unter dem Hashtag #BildungAberSicher Kommentare, die die Schulöffnungen in der geplanten Form als verantwortungslos bezeichnen.

Regelmäßige Coronatests sind Teil der Strategie

Tatsächlich befinden sich die Kultusminister:innen in einer Zwickmühle: Schon im Juni haben sie verkündet, nach den Sommerferien zum Regelunterricht zurückzukehren. Mitte Juli erklärten sie dann die Abstandsregeln im Unterricht für überflüssig. Wie eine Umfrage der taz unter den 16 Ländern zeigt, hat sich daran auch durch das höhere Infektionsgeschehen nichts geändert. Die Länder haben mehrere Szenarien vorbereitet, abhängig vom Infektionsgeschehen. Überall gilt aber: Außerhalb der Klassenzimmer soll der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Die Schulen sollen verhindern, dass sich bestimmte Gruppen – in der Regel Klassen oder ganze Jahrgangsstufen – durchmischen. In Berlin, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz müssen Schüler:innen im Schulgebäude neuerdings einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Auch regelmäßige Coronatests sind Bestandteil der Strategie, zum Teil dürfen sich Lehrkräfte mehrfach testen lassen, auch ohne Symp­tome. Hamburg, Bremen und Thüringen stellt ihnen darüber hinaus auch FFP2-Schutzmasken zur Verfügung. Vom uneingeschränkten Regelbetrieb spricht niemand mehr. Allein deshalb, weil der Krankheitsstand an einigen Schulen seit Corona stark angestiegen ist und die Personalsituation verschärft. In NRW etwa hat er sich auf derzeit 15 Prozent verdoppelt. Die neue Zauberformel lautet: Regelunterricht unter Pandemiebedingungen. Doch kann der wirklich klappen?

Die Mecklenburger Lehrerin Martina Frey ist da skeptisch. Die 53-Jährige unterrichtete bis zu den Sommerferien an der Fritz-Reuter-Grundschule in Ludwigslust. Den heutigen Schulstart verpasst Frey zwar, weil sie sich gerade in einem Sabbatical befindet, dennoch fragt sie sich, ob die Vorgaben aus dem Kultusministerium in Schwerin – dem Ressort von Ministerin Martin – den Praxistest bestehen. Zwar verzeichnete das Bundesland in den vergangenen Wochen geringe Infektionszahlen, was den Unterricht in voller Klassenstärke und ohne Abstandsregeln möglich erscheinen ließ. „Aber aktuell meldet der Landkreis neue Fälle“, sagt sie.

Der Schulstart Mit Ausnahme Bayerns und Baden-Württembergs haben die Bundesländer unterschiedliche Ferientermine. Für das neue Schuljahr heißt das: Am heutigen Montag startet Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland den Schulbetrieb, am Donnerstag folgt Hamburg, die Woche darauf geht es in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein los. Schlusslichter sind Anfang September Bayern und Baden-Württemberg.

Die Regeln Alle Länder gehen zum jetzigen Zeitpunkt von einem eingeschränkten Regelunterricht aus. So sollen die Abstandsregeln im Unterricht wegfallen, außerhalb des Klassenraums aber bestehen bleiben. Fest definierte Gruppen – in der Regel Klassen bzw. Jahrgangsstufen – sollen sich so nicht untereinander mischen. In manchen Bundesländern müssen die Schüler:innen im Schulhaus Maske tragen. (rpa)

„Das Grundgefühl ist Unsicherheit.“ Vor allem, weil die Regeln einige Fragen offen lassen: Das Ministerium hat empfohlen, Singen und Sport ins Freien zu verlagern – doch wie soll das im Winter klappen? Als „absurd“ bezeichnet Frey die Umsetzung der Nachmittagsbetreuung, zumindest an der Fritz-Reuter-Grundschule. „Da gibt es nur einen großen Raum für alle Kinder“, berichtet Frey. „Kaum vorstellbar, dass sich die Klassenstufen da nicht mischen.“

Viel weniger Schüler:innen als erwartet hatten Covid-19

Doch möglicherweise wäre das weniger fatal als angenommen. Zumindest legt eine Studie von der TU Dresden und dem Dresdner Universitätsklinikum nahe, dass Schulen bei der Verbreitung des Virus eine untergeordnete Rolle spielen könnten. Schon im Mai, als Sachsen als erstes Bundesland zum Regelunterricht zurückkehrte, nahmen die Forscher:innen erste Proben. Ihr Zwischenergebnis nach mehr als 2.000 getesteten Personen an 13 Schulen: Der Immunisierungsgrad ist deutlich geringer als angenommen. Oder mit anderen Worten: Viel weniger Schüler:innen als erwartet hatten das Virus. „Die Schulen haben sich auch im Regelbetrieb nicht zu Hotspots entwickelt“, sagt der Co-Leiter der Studie, Jakob Armann, zur taz.

Ob das auch im Herbst so bleibt, wenn das Lüften der Räume schwieriger wird und vermeht Atemwegsinfektionen auftretenund die Grippesaison beginnt? „Schwer zu sagen“, sagt Infektiologe Armann. Durchlüften sei auf jeden Fall sehr sinnvoll. Unter welchen Bedingungen jedoch ein Durchlüften alle 45 Minuten ausreicht, um Ansteckungen zu vermeiden, und wann die Infektionsgefahr steigt, sei nicht genügend erforscht.

Womit Armann aber stark rechnet: Dass wegen der saisonalen Grippewelle Verteilungen von Atemwegsinfektionen im Herbst deutlich mehr Schulkinder vorsorglich krank geschrieben werden dürften, wegen deraufgrund klinisch von ähnlichen Symptome zu Covid-19 nicht zu unterscheidbaren Symptomen. Bis dahin wäre es ratsam, schnelle und umfangreiche Testskapazitäten für die Schulen und Kindergärten vorzubereiten. Andernfalls drohen wieder mehrwöchige Homeschooling-Phasenwird ein Regelbetrieb in den Schulen schwer umsetzbar sein.

Insgesamt besser auf den Lockdown vorbereitet

Um dieses Mal dafür besser gerüstet zu sein, haben die Bundesländer in den letzten Monaten digitale Geräte angeschafft, Serverkapazitäten ausgebaut und Lehrkräfte für den Fernunterricht fortgebildet. Die Hamburger Schulbehörde beispielsweise hat in den Sommerferien nach eigenen Angaben knapp 39.000 zusätzliche Laptops und Tablets verteilt. Somit steht einem Viertel der Hamburger Schülerschaft ein Leihgerät zur Verfügung.

Bettina Martin, Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern

„Die Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf Bildung“

Schulleiterin Yvonne Dannenberg hat die neuen Geräte bereits erhalten. Besonders glücklich ist sie damit aber nicht, erzählt sie. Und das liegt an ihrer Schülerschaft an der Ganztagsschule Vizelinstraße. „Einige der Familien, gerade die eher bildungsfernen und mit knappen Budget, haben zu Hause kein Internet“, sagt Dannenberg. „Da hilft das Gerät wenig.“ Insgesamt fühlt sie sich aber besser auf einen Lockdown vorbereitet.

Auch Mecklenburg-Vorpommern hat sich auf einen erneuten Lockdown vorbereitet. Bildungsministerin Bettina Martin hat die Schulen an die interaktive Lernplattform „itslearning“ angebunden, auf die viele digital erfahrene Lehrkräfte schwören. Auch sollen demnächst digitale Leihgeräte für Schüler:innen angeschafft werden. Und auch der Netzausbau auf dem Land, verspricht Martin, werde sich bald verbessern.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. In den vergangenen Monaten beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Ab wann Spiele wieder vor Publikum stattfinden, ist noch nicht klar.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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