Schulen und Kitas während Corona : Nicht zu ersetzen
Schulen und Kitas müssen offenbleiben. Präsenzunterricht ist wichtig, um die Chancenungleichheit in der Bildung nicht weiter wachsen zu lassen.
W arum müssen Museen und Theater schließen, während Schulen und Kitas weiter geöffnet bleiben? Bei den einen wird penibel auf Abstand und Hygiene geachtet, bei Letzteren drängen sich über 20 Kinder auf 30 schlecht gelüfteten Quadratmetern. Die Frage ist also berechtigt. Und dennoch ist die Antwort klar: Schulen und Kitas müssen geöffnet bleiben. Sie zu schließen sollte das letzte Mittel im Kampf gegen die unkontrollierte Ausbreitung der Pandemie sein.
Das ist epidemiologisch gesehen nicht schlüssig: Ein Lockdown der Schulen könnte dabei helfen, Kontakte zu kappen und Infektionsketten zu unterbrechen. Auch wirtschaftliche Erwägungen sollten nicht die entscheidenden sein, obwohl die Aussicht auf geschlossene Bildungseinrichtungen bei erwerbstätigen Eltern und den Arbeitgeber:innen sofort zu Schnappatmung führen dürfte.
Nein, Schulen und Kitas müssen wegen der Kinder offenbleiben. Kinder haben ein Recht auf Bildung. Geschlossene Bildungseinrichtungen beschneiden dieses Recht. Selbst dort, wo beim ersten Lockdown digitales Lernen halbwegs funktionierte, bezahlten die Kinder einen Preis: Die Lehrer:innen konzentrierten sich während der ersten Coronawelle auf die Kernfächer, andere Fächer wurden gar nicht oder nur kursorisch unterrichtet.
Die Chancenungleichheit ist gewachsen: Wer zu Hause kein Laptop und kein eigenes Zimmer hat und dessen Eltern nicht als Hilfslehrer einsprangen, ist aus den Osterferien mit Lernlücken zurückgekehrt. Auch das soziale Lernen, Austausch und Begegnung kamen während des Lockdowns zum Erliegen.
Die Forderung diverser Lehrerverbände, jetzt die Klassen zu teilen und auf Schichtunterricht umzustellen, ist vor allem Klientelpolitik. Aber wenn man nicht das Personal verdoppelt, was unrealistisch ist, bedeutet das für Schüler:innen einen halbierten Präsenzunterricht. Und damit eben nur ein geteiltes Recht auf Bildung. Präsenzunterricht, das zeigte der erste Lockdown, ist nicht zu ersetzen. Deshalb muss die Politik alles dafür tun, um die Schulen offen halten zu können. Die Frage ist dabei, ob sie dies wirklich tut.
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