Schulen in Coronazeiten: Kinder kehren zurück

Für viele Grund­schü­le­r:in­nen startete am Montag wieder der Präsenzunterricht. Doch angesichts des Inzidenzwerts gibt es Zweifel, ob das gut geht.

Ein Kind rennt nach dem Unterricht über den Flur seiner Grundschule

Endlich wieder in die Schule Foto: Peter Kneffel/dpa

BERLIN taz | 7.50 Uhr Unterrichtsbeginn – der Schultag begann für viele Berliner Grund­schü­le­r:in­nen am Montag so brutal früh wie lange nicht mehr. Seit drei Monaten sind die Schulen bundesweit geschlossen. Diese Woche öffnen die meisten Bundesländer ihre Grundschulen und Kitas wieder ein Stück weit. Lediglich in Hamburg und Sachsen-Anhalt bleiben die Einrichtungen noch länger geschlossen. In Mecklenburg-Vorpommern sollen Schulen ab Mittwoch öffnen, sofern die Sieben-Tage-Inzidenz im jeweiligen Kreis unter 50 liegt.

Kaum ein anderes Bundesland orientiert sich jedoch an festen Inzidenzwerten. Lediglich Bayern und Sachsen-Anhalt haben feste Obergrenzen von 100 beziehungsweise 200 für geöffnete Schulen festgelegt.

Die Ausbreitung der mutierten Viren und die wieder steigenden Infektionszahlen zwingen die Länder jedoch zur Vorsicht oder gar zum Rückzug. Thüringen zog am Freitag die Notbremse – in Kreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen bleiben Schulen und Kitas weiterhin zu. Auch in Schleswig-Holstein galt am Montag in einigen Kreisen und Städten weiterhin das Fernunterrichtsgebot.

Viele Bundesländer setzen auf geteilte Klassen und Wechselunterricht. In Berlin etwa gehen zunächst nur Erst- bis Drittklässler für lediglich drei Stunden zur Schule. In vielen Bundesländern müssen Schü­le­r:in­nen Masken tragen, ob medizinisch oder aus Stoff, im Unterricht oder in der Pause, ist von Land zu Land unterschiedlich. Einheitliche Hygienepläne – Fehlanzeige, und das, obwohl Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) kürzlich eine von medizinischen Fachgesellschaften erarbeitete Leitlinie zum Unterricht unter Coronabedingung vorgestellt hatte.

Auch Schnelltests für Schü­le­r:in­nen gibt es derzeit kaum. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, plädierte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag aber dafür, dass weitere Lockerungsschritte mit umfangreichen Tests abgesichert werden müssten. Das beträfe auch Schulen. Doch bislang hat lediglich das Saarland angekündigt, auch Schü­le­r:in­nen in großem Stil testen zu wollen. Am Montag passierte aber noch nichts.

Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, kritisierte diese Verlautbarungen. „Ankündigungen reichen nicht aus, es braucht auch eine Strategie, die Tests durchzuführen.“ Tepe sagte der taz, es werde eine enorme logistische Herausforderung, 11 Millionen Schü­le­r:in­nen und 3,5 Millionen Kitakinder regelmäßig zu testen.

Die GEW-Vorsitzende Tepe nannte es richtig, dass die Schulen zunächst erst einmal nur im Wechselmodell starteten. „Wünschenswert wäre natürlich gewesen, wenn Leh­re­r:in­nen und Er­zie­he­r:in­nen zuvor geimpft worden wären.“

Aus einigen Bundesländern hatte es harsche Kritik an den Schulöffnungen gegeben, die Thüringer GEW erklärte, dass sich in einer Umfrage über 90 Prozent der Kol­le­g:in­nen nicht ausreichend vor dem Virus geschützt fühlten.

Die Praxis in Sachsen, wo die Grundschulen bereits seit vergangener Woche geöffnet sind, zeigt, dass diese Sorgen berechtigt sind. An ihrer Schule seien die Klassen mit 24 Kindern gut gefüllt, berichtet eine Lehrerin der taz. Im Unterricht gelte keine Maskenpflicht. Bereits am ersten Schultag sei ein Kind positiv getestet worden, welches in der Woche zuvor auch in der Notbetreuung war. Weil der Test aber länger als 48 Stunden nach dem letzten Kontakt mit anderen Kindern erfolgte, wurde kein Kind in Quarantäne geschickt. „Das ist wie eine Bombe, die irgendwann hochgeht“, so die Frau, die anonym bleiben will.

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