Schule unter Pandemie-Bedingungen: Wegen Corona keine Noten?

Die Arbeitsgemeinschaft Bildung der Hamburger SPD regt an, die Halbjahreszeugnisse auszusetzen. Das Hamburger Schulgesetz biete Spielraum dafür.

Ein Schüler liest sein Zeugnis

Statt Halbjahrszeugnissen kann es auch Lernentwicklungsgespräche geben Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

HAMBURG taz | In der Debatte um Schule während der Coronapandemie hat sich jetzt auch die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) der Hamburger SPD zu Wort gemeldet. Mit Verweis auf die UNO, die jetzt weltweit dazu aufgerufen habe, Kindern – wenn es irgendwie geht – Präsenzunterricht zu ermöglichen, „unterstützt die AfB die Strategie der Schulbehörde“, heißt es in ihrer Pressemitteilung. Gleichwohl schlägt die Fachgruppe ganz pragmatisch vor, Schulen sollten jetzt auf Halbjahreszeugnisse verzichten.

„Wir wissen, dass es da an den Schulen ein Problem gibt“, sagt die frühere Lehrerin und heutige AfB-Vorsitzende Dora Heyenn. Viele Schulen seien in einer „Drucksituation“, weil für die Halbjahreszeugnisse Arbeiten geschrieben werden müssen. Auch seien im ersten Halbjahr während der monatelangen Schließung in vielen Fächern große Lücken entstanden. Deshalb appelliere die AfB an die Schulen und die Behörde, den Spielraum zu nutzen, den der Paragraf 44, Absatz 4, des Hamburger Schulgesetzes bietet.

Dieser Passus war eines der Ergebnisse der parteiübergreifenden Verhandlungen von SPD, CDU, Grünen und der Linken mit der Volksinitiative „Wir wollen lernen“ zur Umsetzung des Schul-Volksentscheids von 2010, an denen auch Heyenn als damalige Fraktionschefin der Linken beteiligt war. Der Paragraf ermächtigt den Senat, per Verordnung in den Jahrgängen fünf, sieben, acht und neun der Gymnasien und fünf bis acht der Stadtteilschulen auf Zeugnisse zum Schulhalbjahr zu verzichten. Die Jahrgänge vier und sechs waren davon ausgenommen, weil hier über die weiterführende Schule entschieden wird.

In der Tat hört man auch Eltern über die enge Taktung der Klausuren stöhnen, die Lehrer ihre Kinder schreiben lassen, damit sie im Januar alle ihre schriftlichen Noten zusammen haben. Denn sollten Schulen wieder schließen, würde das schwierig.

Halbjahreszeugnis verzichtbar

Wäre der AfB-Vorschlag eine Option? Schulbehördensprecher Peter Albrecht äußert sich dazu nicht. „Der Senat sieht in ständiger Praxis davon ab, parteipolitische Vorschläge zu kommentieren“, sagt er. „So halten wir es auch hier.“

Ein Blick in die „Ausbildungs- und Prüfungsordnung“, die die Notengebung regelt, zeigt, dass 2011 der damalige SPD-Senat den Schulen diesen Spielraum größtenteils eingeräumt hat. So heißt es unter Paragraf 9, Absatz 2, für die Jahrgänge fünf, sieben und acht könne auf ein Halbjahreszeugnis verzichtet werden. Ersatzweise gebe es ein „Lernentwicklungsgespräch“. Entscheiden kann dies einfach die Lehrerkonferenz. „Da wäre doch ein guter Weg für Eltern, Lehrkräfte und Kinder, die entstandene Drucksituation zu mildern“, sagt Heyenn.

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