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Schleswig-Holsteins WaldstrategieAntistressplan für den Wald

Schleswig-Holstein will seine Forste und Wälder nachhaltig umbauen: Mit der neuen Waldstrategie sollen sie klimaresilienter und artenreicher werden.

Jörn Winter steht im Wald zwischen Eichen, Fichten und Buchen. Zu Füßen des Revierförsters dieses Teils der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten sprießen Schösslinge aus dem Moos. Eine Eiche ist dabei, auch eine kleine Douglasie. Winter nickt: Die App auf seinem Tablet zeigt, dass diese Arten zu dem Standort passen, auch dann noch, wenn die Region durch den Klimawandel heißer und trockener wird.

In diesem Wald nahe Emkendorf ist also alles klar – aber wie sieht es insgesamt in Schleswig-Holstein aus? Mit einer Waldstrategie entwirft Forstministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) einen Weg in die Zukunft. Der Waldbesitzerverband lobt das Konzept, Umweltverbände sind skeptischer.

Lebensraum für Tiere, Erholungsort für Menschen, Klimaschützer und Holzlieferant: „Der Wald ist für so vieles wichtig“, sagte Schmachtenberg bei der Vorstellung ihrer Strategie im Landesforst. Schleswig-Holstein ist das waldärmste Bundesland, nur 182.500 Hektar oder 11,5 Prozent der Landesfläche sind mit Bäumen bedeckt. Zwölf Prozent sollen es werden, lautet ein Ziel der Waldstrategie. Dazu will das Ministerium unter anderem darauf drängen, dass Ausgleichsflächen für andere Baumaßnahmen aufgeforstet werden.

Auch Gespräche mit Wald- und Landbesitzenden sollen geführt und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Bis wann das Zwölfprozentziel erreicht werden soll, bleibt allerdings offen.

Mischwälder sind stabiler als Monokulturen

Ein weiteres Ziel ist, die Wälder fit für den Klimawandel zu machen. Schleswig-Holstein stehe da deutlich besser da als andere Teile Deutschlands, sagte Schmachtenberg. Unter anderem, weil die meisten Wälder im Land bereits Mischwälder aus Laub- und Nadelbäumen sind – diese Form gilt als stabiler als Monokulturen – und weil es im Norden mehr Wasser gibt als im Süden oder Osten. In einigen Teilen Deutschlands, etwa in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, wachse in Zukunft vielleicht gar kein Wald mehr, sagte Chris Freise, Direktor der Landesforsten Schleswig-Holstein. Aber auch im Norden müsse etwas passieren.

Gerade in den landeseigenen und kommunalen Wäldern ist in den vergangenen Jahren schon einiges umgesetzt worden. Fünf Prozent aller Waldflächen sind komplett der Natur überlassen, hier bleibt etwa Totholz liegen, das vielen Arten Lebensraum bietet. Auch Waldpädagogik und Informationen seien wichtig, um Menschen zu überzeugen, auf den Wegen zu bleiben und Schutzräume zu achten.

Etwas mehr als die Hälfte aller Waldflächen ist aber in privater Hand. Für diese Privatleute biete die Strategie eine „Handreichung und ein Angebot“, sagte Schmachtenberg. Bereits im Vorfeld sei das Papier mit allen Beteiligten besprochen worden.

„Das war eine schwere Geburt“, sagt Hans-Caspar Graf zu Rantzau, über die Entstehungsgeschichte der Waldstrategie. Aber mit dem Ergebnis ist der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes in Schleswig-Holstein insgesamt zufrieden.

Wenn ich ein Baum wäre, würde ich im Norden leben wollen

Chris Freise, Direktor der Landesforsten Schleswig-Holstein

Vor allem geht es um einen Punkt: Die Waldstrategie erlaubt, nicht nur heute im Land heimische Arten zu pflanzen, sondern auch Bäume aus Asien oder Nordamerika. „Die Standort-heimischen Arten sind nicht mehr das Optimum“, sagt Rantzau. „Wir brauchen Arten, die sich auch in 100 Jahren wohlfühlen.“

Und überhaupt ließe sich über den Begriff „heimisch“ streiten, so Rantzau weiter. Schließlich sei auch die Buche, früher der bestimmende Baum im Norden, vor einigen Tausend Jahren eingewandert. Und Douglasien, die heute vor allem im Westen Nordamerikas vorkommt, lasse sich in alten Sedimenten nachweisen.

Waldbesitzer wünschen sich Gentechnik

Widerspruch gibt es von den Umweltverbänden. Fritz Heydemann, Waldexperte des Naturschutzbundes Nabu, hält es für „untragbar“, Baumarten aus anderen Kontinenten anzupflanzen. So hoffen viele Waldbesitzende, die schnell wachsende Douglasie könnte mittelfristig die Fichten ersetzen. „Mit der Hoffnung kann man reinfallen“, sagt Heydemann. Durch Gewächse, die nicht ins hiesige Ökosystem passen, würden die Wälder eher noch mehr gestresst. Auch neue und für heimische Arten bedrohliche Viren oder Pilze könnten dann auftreten.

Der Waldbesitzerverband wünscht sich gegen solche Schädlinge den Einsatz von Gentechnik, um „alle Mittel, die es technisch gibt, auch auszuschöpfen“. Heydemann sieht das anders: „Bei den langen Erbfolgen von Bäumen hilft Gentechnik gar nichts. Woher wollen wir denn wissen, welche Krankheiten in 100 Jahren auftauchen?“ Wichtiger, um Wälder klimaresistent zu machen, sei Wasser. „Immer gibt es in einigen Wäldern Entwässerungssysteme und Gräben. Die müssen dringend zurückgebaut werden.“

Solche Ratschläge können Waldbesitzende bei Seminaren und Fortbildungen erhalten, die vom Land gefördert werden. Zwar werden für die Waldstrategie keine Extramittel im Haushalt locker gemacht. Aber der Topf für den Küstenschutz, der vom Bund finanziert wird, enthält auch Mittel für den Waldumbau. Nahe der waldarmen Küsten seien die Bedingungen eigentlich sehr gut, sagt Landesforstdirektor Freise: „Wenn ich ein Baum wäre, würde ich im Norden leben wollen.“

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