Satirischer Brandbrief an Julia Klöckner: Nius empört – Faktentreue ist da doch verpönt
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verglich die taz mit „Nius“. Unser Autor schreibt ihr einen fiktiven Brief aus Sicht des rechtspopulistischen Mediums.
F rau Bundestagspräsidentin Julia Klöckner MdB Platz der Republik 1 11011 Berlin
Sehr geehrte Frau Bundestagspräsidentin,
mit großem Erstaunen und einigem Befremden haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie uns am vergangenen Sonntag beim Sommerempfang der CDU Koblenz in einem Atemzug mit der sogenannten tageszeitung genannt haben. Laut uns vorliegender Berichterstattung führten Sie unter anderem aus: „Die taz kennen sie alle. Die vertritt das sehr linke Spektrum.“ Nius sei ein Medium „genau auf der anderen Seite. Aber in den Methoden sind sich beide nicht so sehr unähnlich, in ihren Vorgehensweisen.“
Diesen Vergleich weisen wir mit dem Ausdruck größtmöglicher Abscheu und Empörung zurück. Schließlich tritt die taz für all das ein, wofür Nius gerade nicht steht. Nämlich für Faktentreue, saubere Recherche und die Einhaltung journalistischer Standards. Die sind bei uns nicht nur verpönt, sondern gefährlich für unser Geschäftsmodell. Schließlich soll unser Förderer und Mehrheitsgesellschafter Herr Gotthardt nicht noch mehr seiner sauer verdienten Millionen in unseren Laden stecken müssen.
Dass Sie sich die Dreistigkeit erlauben, uns als „Gegenüber“ eines immer wieder gemäßigten und liberalen Stimmen Raum gebenden Mediums zu bezeichnen, macht selbst unseren Chefredakteur Julian Reichelt sprachlos.
Wir verorten dies als Respektlosigkeit. Die taz ist offen für andere Meinungen, tritt für die Interessen von Minderheiten oder benachteiligten Menschen ein und unterwirft sich auch noch dem Pressekodex. Diese linksversifften Woken korrigieren sogar ganz transparent Fehler ihrer Berichterstattung! Das soll „nicht so sehr unähnlich“ zu unseren Vorgehensweisen sein? Glauben Sie im Ernst, wir würden uns auch nur ansatzweise an die Spruchpraxis des deutschen Presserats halten?
Für Ihre nächste Rede empfehlen wir Ihnen, lieber zu thematisieren, wie die Bundesregierung die Transparenz zu NGO-Finanzierungen vor Gericht systematisch blockiert. Es ist und bleibt ein Skandal, dass in Deutschland noch immer Projekte zur demokratischen Teilhabe gefördert werden. Vor allem, wenn wie unser Chefredakteur in den USA recherchiert hat, selbst linke Konzerne wie Apple der Hyperpolitisierung abschwören und einfach wieder Telefone statt Propaganda machen!
Aber mal was anderes: Herr Gotthardt hat ja neulich seine Anteile an unserem Wiener Schwesterportal Exxpress erhöht. Es bekommt in Österreich dieses Jahr rund 40.000 Euro Medienförderung für Qualitätsjournalismus. Lässt sich so was nicht auch für Nius in Deutschland machen?
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Nius-Team
PS: „Ich bin gespannt, wo sich dieser Brief wiederfindet und verbreitet und ob er beantwortet wird“, sagt die Mitbewohnerin.
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