Saisonstart in der WNBA: Praktikum auf großer Bühne
Nachdem Jungstar Frieda Bühner von Portland angeheuert wurde, spielen nun fünf deutsche Frauen in der US-Liga. Eine davon will unbedingt den Titel.
„In welche Kamera muss ich schauen?“ Frieda Bühner wirkte noch etwas unbeholfen, als sie das erste Mal vor die versammelte Presse in Portland trat. Wenig verwunderlich, denn die vergangenen drei Wochen müssen für die 21-jährige Basketballerin aus Osnabrück wie ein Wirbelwind an ihr vorbeigegangen sein.
Erst die Nacht des Drafts, als der heißersehnte Anruf aus Portland kam. Dann der Abschied aus Madrid, wo Bühner die vergangenen zwei Jahre verbrachte. Und nun bereits das erste Training mit ihrem neuen Team. „Es war immer mein Traum, in der WNBA zu spielen“, so Bühner gegenüber den heimischen Medien dort. „Diese Chance zu erhalten, ist großartig.“
Bühner ist mittlerweile eine von fünf deutschen Spielerinnen in der WNBA – ein Rekord, seitdem Marlies Askamp als erste Deutsche Ende der 1990er in die USA ging. Die junge Nationalspielerin unterschrieb bei Portland Fire einen sogenannten Development-Vertrag. Das bedeutet, sie trainiert und lebt mit dem Team, darf aber höchstens in zwölf Spielen zum Einsatz kommen. Salopp ausgedrückt ein Schnupper-Praktikum für die deutsche Nachwuchshoffnung, nur halt in der besten Liga der Welt.
Satou Sabally hat das alles bereits hinter sich. Seit ihrer ersten WNBA-Saison 2020 entwickelte sich die Berlinerin zu einer der besten Spielerinnen der Welt. Im vergangenen Jahr stand sie mit Phoenix kurz vor dem Titelgewinn, doch eine Gehirnerschütterung in den Final-Playoffs machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Nun schlägt Sabally ein neues Kapitel auf, zur neuen Saison zieht es sie nach New York.
Eine Entscheidung, die nicht nur sportliche Gründe hatte. „Phoenix war sehr weit weg von zu Hause“, so Sabally bei ihrer Vorstellungs-PK über den großen Zeitunterschied zu Berlin. „Außerdem liebe ich New York so sehr, dass ich mein Privatleben und meine Karriere etwas mehr miteinander verbinden wollte, als ich es bisher in meiner Laufbahn getan habe.“ Die Nationalspielerin ist in New York geboren, zog aber im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie nach Berlin.
Satou Sabally
Sehnsucht nach dem Ring
Mit ihrem neuen Team will Sabally endlich den heißersehnten Titel. Und die Chancen stehen gut, konnte der Klub doch seine besten Spielerinnen halten. Dafür nahm die dreifache Allstar-Spielerin auch ein im Vergleich zu ihren Kolleginnen niedrigeres Gehalt in Kauf. „Ich weiß, dass ich ein Superstar sein und mich in einem anderen Team profilieren könnte. Aber was ich wirklich will, ist einen Meistertitel zu gewinnen. Ich will diesen Ring“, so Sabally selbstbewusst.
Dabei war deutlich mehr drin als die 1,6 Millionen US-Dollar, die sie in den nächsten zwei Jahren in New York verdienen wird. Denn die WNBA startet mit einem Rekord-Tarifvertrag in ihre 30. Saison. Nach harten Verhandlungen zwischen Liga und Spielerinnengewerkschaft wurde die Gehaltsobergrenze von 1,5 auf sieben Millionen US-Dollar pro Team angehoben, die Gehälter stiegen um ein Vielfaches – maximal können Spielerinnen nun bis zu 1,4 Millionen US-Dollar in einer Saison verdienen.
Mit dem Titelgewinn würde Sabally in die Fußstapfen von zwei anderen deutschen Nationalspielerinnen treten. Leonie Fiebich und Saballys Schwester Nyara holten 2024 den Titel – ebenfalls mit New York Liberty. Der Traum, gemeinsam in einem Team zu spielen, platzte jedoch für die Schwestern vorerst. Nyara wurde Anfang April nach Toronto getauscht, wo sie unter anderem von Bundestrainer Olaf Lange trainiert wird.
Fiebich dagegen bleibt in New York. Allerdings steht die 26-Jährige derzeit noch in Spanien auf dem Platz, wo sie mit Valencia um die Meisterschaft kämpft. Erst danach steigt Fiebich in die WNBA-Saison ein. Sabally freut sich schon darauf. „Sie ist jemand, die das Spiel entscheidend prägt und auch beim Liberty-Basketball eine führende Rolle einnimmt“, so Sabally über ihre Kollegin, die sich in den vergangenen zwei Jahren als Leistungsträgerin etablierte. „Ich möchte diese Zeit auch nutzen, um unsere Chemie für die bevorstehende Weltmeisterschaft in Berlin zu stärken.“
Sabally und Fiebich sind übrigens nicht das einzige deutsche Duo innerhalb eines Teams in der WNBA. Frieda Bühner wurde in Portland unlängst von Luisa Geiselsöder in Empfang genommen. Und die legte im ersten Testspiel direkt einmal 15 Punkte auf, womit sie die beste Spielerin des Teams war. Die deutschen Fans können sich also auf eine spannende WNBA-Saison freuen.
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