Rücktritt von Hamdok: Alles oder nichts

Die sudanesische Demokratiebewegung hat den Rücktritt Hamdoks mitzuverantworten. Jetzt droht eine Eskalation, bei der nur eine Seite gewinnen kann.

Drei Frauen rufen ihren Protest aus, eine schwingt eine Fahne

Frauen protestieren gegen den Militärcoup im Oktober in Khartoum Foto: Marwan Ali/ap

Im Sudan hat der zivile Premierminister Abdalla Hamdok das Handtuch geworfen. Er habe sein Bestes versucht, das Land davor zu bewahren, in ein Desaster zu schlittern, meinte er und forderte einen neuen Fahrplan für den Übergang seines Landes zu einer Demokratie. Doch der ist gegenwärtig nicht in Sicht.

In einem Übergangsabkommen hatten sich das Militär und Zivilisten nach dem Sturz des Diktators Omar al-Bashir 2019 darauf geeinigt, die Macht bis Ende dieses Jahres zu teilen, bevor es dann demokratische Wahlen geben sollte. Die Männer mit den Waffen hätten in einem einzigartigen Experiment in der arabischen Welt erstmals freiwillig die Macht abgegeben. Es klang zu schön, um wahr zu sein. Spätestens mit dem Militärputsch im Oktober war diese Vision von der Realität eingeholt worden.

Und auch wenn Hamdok damals nach kurzem Hausarrest noch einmal in das Amt des Ministerpräsidenten zurückkehrte, blieb er doch eine Marionette des Militärs. Das ist der Grund, warum die hartnäckige Demokratiebewegung im Sudan seit Wochen auf die Straße ging, um nicht nur den Rückzug der Militärs in die Kasernen zu fordern, sondern auch den Rücktritt des Zivilisten Hamdok. Dass der Premier dem nun Folge leistete, verschärft die politische Krise im Sudan.

Ohne den zivilen Puffer Hamdok sind die Fronten zwischen Demokratie-Protestbewegung und den Militärs an der Macht nun ungeschönt deutlich. Die Militärs hatten gehofft, dass ihr Deal mit dem machtlosen Hamdok als ziviles Gesicht die Protestbewegung befriedet und die eigene Macht legitimiert. Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Mit dem Machtteilungsabkommen zwischen Militärs und Zivilisten in Scherben, droht nun eine Eskalation.

Und die kann eigentlich nur noch eine Seite gewinnen, entweder die Militärs oder die Demokratiebewegung. Dabei geht es um viel. Denn wenn sich das Militär durchsetzt und die Demokratiebewegung scheitert, dann hat das eine negative Vorbildwirkung, die weit über die Grenzen des Sudan wirken wird.

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Karim El-Gawhary arbeitet seit über drei Jahrzehnten als Nahost-Korrespondent der taz mit Sitz in Kairo und bereist von dort regelmäßig die gesamte Arabische Welt. Daneben leitet er seit 2004 das ORF-Fernseh- und Radiostudio in Kairo. 2011 erhielt er den Concordia-Journalistenpreis für seine Berichterstattung über die Revolutionen in Tunesien und Ägypten, 2013 wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Journalisten des Jahres gewählt. 2018 erhielt er den österreichischen Axel-Corti-Preis für Erwachensenenbildung: Er hat fünf Bücher beim Verlag Kremayr&Scheriau veröffentlicht. Alltag auf Arabisch (Wien 2008) Tagebuch der Arabischen Revolution (Wien 2011) Frauenpower auf Arabisch (Wien 2013) Auf der Flucht (Wien 2015) Repression und Rebellion (Wien 2020)

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