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Roter Teppich für den „Tatort“Kniefall für Corinna Harfouch

Mit viel Trara geht die Premiere des neuen RBB-„Tatort“ im Delphi Filmpalast über die Bühne. Es ist der letzte Fall für Kommissarin Bonard.

Posen für die Fotografenschar: Corinna Harfouch und Mark Waschke bei der Preview des RBB-Krimis „Tatort: Gefahrengebiet“ Foto: Jens Kalaene/dpa

Wie die Motten das Licht umflattern die Au­to­gramm­jä­ge­r:in­nen die Schauspieler:innen. Jasmin Tabatabai ist an diesem Mittwochabend gegen 19 Uhr eine der ersten im noch fast leeren Foyer des Delphi Filmpalastes – und muss leider passen. Sie spielt im Berliner „Tatort“ die Staatsanwältin und ist deshalb zur Premiere des neuesten Krimis der Reihe gekommen, hat aber keine Autogrammkarten dabei. „Ich bin da sehr schlecht drin“, sagt sie entschuldigend zu einer Autogrammjägerin. „Kommste wieder mit raus?“, fragt deren Kompagnon, den nächsten Promis auflauern.

Andere sind besser vorbereitet, einer holt eine feste Schreibunterlage hervor, hat Filzstift und ein Bild der Schauspielerin Anne Ratte-Polle dabei. Doch eigentlich warten hier alle auf die Stars.

Die Fans tauschen Informationen aus: Mark Waschke (er spielt Kommissar Robert Karow) wurde noch nicht im sich füllenden Foyer gesichtet. „Die machen draußen Interviews“, raunt jemand, dabei soll doch gleich der Fotocall starten. Dafür steht ein Podest bereit. Ein Dutzend Zettel auf dem Boden markiert, wer wo stehen darf. Das gibt später ein halbstündiges Blitzlichtgewitter.

Doch da ist er endlich. Schnell bildet sich ein Pulk um den Schauspieler. Der hat gut gelaunt lockere Sprüche auf Lager: „Das bin doch nicht ich!“, ruft Waschke auf ein Foto verweisend – und unterschreibt eine Autogrammkarte nach der anderen. Wo sind die wohl her, kann man die heutzutage noch irgendwo kaufen? „Die hab ich mir selbst ausgedruckt“, gibt der Mann auf Nachfrage preis und muss weiter.

Eine freundlich lächelnde Diva

Denn dann kommt sie endlich, wie eine freundlich lächelnde Diva. Corinna Harfouch betritt als Letzte das nun aus allen Nähten platzende Foyer des Traditionskinos an der Kantstraße. Der Pulk von Au­to­gramm­jä­ge­r:in­nen um sie herum ist der größte an diesem Abend. Das dauert. Der Zeitplan gerät in Gefahr, eigentlich soll der neue Berliner „Tatort“ um 20.15 Uhr starten, so wie im Fernsehen eben auch.

Doch bis dahin werden ungezählte Fotos gemacht. Mal mit, mal ohne Drehbuchautorin und Regisseurin Mira Thiel. Mal muss der ganze Cast ran, mal nur die beiden Stars. Beide müssen natürlich auch Solo vor die Kameras. Waschke ist der geborene Poser und probiert ständig neue Gesten. Harfouch geht dezenter vor und ist doch unglaublich präsent. In ihrer Rolle als Susanne Bonard ermittelt sie jetzt ein sechstes und damit letztes Mal – das macht diesen sehenswerten „Tatort“ besonders.

Und endlich, leicht verspätet, Vorhang auf. „Auf großer Leinwand ist das ein außergewöhnliches Erlebnis“, stimmen die Sitznachbarn zu. RBB-Kinofachmann Knut Elstermann moderiert den Abend und weist darauf hin, der digitalen Öffentlichkeit bitte bloß nichts vom neuen Krimi zu verraten, läuft „Gefahrengebiet“ doch erst am 1. Februar in der ARD und danach in der Mediathek.

Ein wohlfeiler Wunsch haben doch Programmzeitschriften den Streifen schon vor Wochen im ARD-Presseportal gesehen und ihre Rezension längst veröffentlicht. In der TV Spielfilm etwa ist der „Tatort“ der Tipp des Tages: „In ihrem letzten gemeinsamen Fall kämpfen die Kommissare Bonard und Karow mit inneren Dämonen.“

Ein Krimi in der Welt der Prepper

Das trifft es gut. Der Krimi taucht ab, so viel darf verraten werden, in die Welt der Survivalisten und Prepper. Auch wird ein Wolf gesichtet, es gibt einen toten Obdachlosen. Und während sich Bonard tatsächlich in die „Wildnis“ rund um den Teufelsberg schlägt, geht Karow Abgründen (und seinem erotischen Verlangen) in der Innenstadt nach. Das Duo ermittelt also einsam, um sich am Ende doch noch in den Armen zu liegen.

Nach dem Abspann, nach wohlwollendem, langem Applaus, kommen die Protagonisten nach und nach auf die Bühne – ein toller Moment. Knut Elstermann stellt mal kluge, mitunter seltsame Fragen. Corinna Harfouch erzählt zum Beispiel, wie sie in Vorbereitung des Filmdrehs gelernt hat, im Wald Feuer zu machen – ganz ohne Feuerzeug.

Mark Waschke nutzt das Podium, um sich mit einer emotionalen wie intelligenten Rede von seiner Filmpartnerin zu verabschieden. Wie rührend. Und auch von anderen wird die grandiose Schauspielerin mit Lob überschüttet. Die Geehrte verbeugt sich galant. Es gibt Blumen und viel Applaus – was für ein Abschied von der Karriere als TV-Kommissarin. Aber, auch das wird öfter betont, wir können sie ja weiter sehen. Nur eben nicht mehr im „Tatort“, aber regelmäßig auf der Bühne des Deutschen Theaters und ab und an im Theater Strahl.

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