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Plutonium-Experiment in USAVom Sprengkopf zum Reaktorbrennstoff

Die US-Regierung will Plutonium aus dem Kalten Krieg für Mini-AKWs recyclen – und riskiert so Jahrzehnte der Politik gegen Verbreitung von Kernwaffen.

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Die US-Regierung treibt einen umstrittenen Plan voran, privaten Firmen überschüssiges waffenfähiges Plutonium aus dem Kalten Krieg anzubieten, um daraus Brennstoff für Reaktoren der nächsten Generation herzustellen. Das Energieministerium hat nun fünf Unternehmen für weitere Verhandlungen ausgewählt.

Befürworter erklären, mit dem Vorhaben könnten die USA ihre Abhängigkeit von anderen Ländern reduzieren – rund 90 Prozent des in Atomkraftwerken in den USA verwendeten Urans kommen aus dem Ausland. Kritiker halten dagegen, dass das Sicherheitsrisiko zu hoch sei und die internationalen Bemühungen zur Nonproliferation – zur Nichtverbreitung von Atomwaffen –untergraben werden könnten.

Die USA setzen schon länger auf den Ausbau der Atomenergie und hoffen vor allem auf neue Reaktorkonzepte wie sogenannte Mini-AKWs, also modulare Reaktoren. Zuletzt hat Präsident Donald Trump mehrere Durchführungsverordnungen erlassen, die die Genehmigungsverfahren für Reaktoren verkürzen, die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Atomkraftwerke vorantreiben und eine bessere Versorgung mit Kernbrennstoffen sichern sollen.

Das waffenfähige Plutonium aus dem Kalten Krieg könnte als Brennstoff für solche Reaktoren dienen. Jacob DeWitte von der kalifornischen Firma Oklo, einem Entwickler von Mini-Reaktoren, betont: Der Mangel an radioaktivem Brennstoff ist eines der größten Probleme für diese neuen Atomkraftwerke. „Dieses Programm eröffnet einen Weg, vorhandenes überschüssiges Material als Übergangsbrennstoff für eine neue Reaktorgeneration zu nutzen. Material, das eigentlich zur Entsorgung vorgesehen war, kann stattdessen in Brennstoff umgewandelt werden“, sagte er.

Sicherheitsfragen ungeklärt

Auch das im vergangenen Jahr gestartete Programm für die kommerzielle Nutzung von waffenfähigem Plutonium ist das Ergebnis einer Verordnung von Trump. Das Energieministerium hatte Firmen aufgefordert, sich zu melden, wenn sie Interesse daran hätten, Plutonium zu recyclen, aufzubereiten und daraus atomare Brennstoffe herzustellen.

Konkrete Risiken: mehr waffenfähiges Material im Umlauf, ein Anreiz für andere Staaten, entsprechende Technologien zu entwickeln, neue radioaktive Abfallströme

Der Vorstoß hatte umgehend Kritik geerntet. Mehrere demokratische Abgeordnete erklärten in einem Schreiben an das Ministerium, das Programm werfe ernsthafte Sicherheitsfragen auf, besonders in Bezug auf die ungewollte Verbreitung von Waffen. Die USA hätten jahrzehntelang die kommerzielle Nutzung von Plutonium vermieden, weil Staaten mit AKWs nicht in der Lage sein sollten, Plutonium aus abgebrannten Brennelementen zu extrahieren – und es so für den Bau von Waffen verwendbar zu machen. Der US-Plan würde diese erfolgreiche Nichtverbreitungspolitik umkehren.

Auch Ernest Moniz, Ex-Energieminister und Co-Vorsitzender der unabhängigen Sicherheitsorganisation Nuclear Threat Initiative, warnte vor konkreten Risiken: mehr waffenfähiges Material im Umlauf, ein Anreiz für andere Staaten, entsprechende Technologien zu entwickeln, neue radioaktive Abfallströme und höhere Kosten für die Atomenergie.

Fehlendes Endlager

Neben Oklo wählte das Ministerium auch Exodys Energy, Shine Technologies, Standard Nuclear und Flibe Energy für die weiteren Verhandlungen aus. Sollte sich das Ministerium mit ihnen einigen, wäre es der erste bekannte Fall, dass die US-Regierung waffenfähiges Plutonium für private Unternehmen zugänglich machen würde.

Das Energieministerium verfügt über mehr als 50 Tonnen an überschüssigem Plutonium aus früheren Atomwaffenprogrammen. Berichten zufolge sind fast die Hälfte davon, knapp 20 Tonnen, für das Projekt vorgesehen.

Die US-Regierung will so auch das Entsorgungsproblem lösen. Denn das Land hat lediglich ein Endlager für militärische Transuran-Abfälle in New Mexico. Bevor waffenfähiges Plutonium dort eingelagert werden könnte, müsste es verdünnt und in eine zulässige Abfallform überführt werden. Ob das technisch möglich ist, ist umstritten. Auch politisch und sicherheitstechnisch gibt es Bedenken, weil das Endlager für einen anderen Abfalltyp ausgelegt ist und 2014 bei einem Zwischenfall bereits Americium und Plutonium freigesetzt wurden.

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