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Ressourcenhunger von KIAuf Kosten der Umwelt

Europa will beim Ausbau von Rechenzentren aufholen. Kritiker befürchten, dass dabei Klima- und Effizienzziele in den Hintergrund geraten.

Mehr Rechenzentren braucht Europa – diese Losung hat die EU-Kommission vor wenigen Wochen ausgegeben. Hintergrund ist nicht nur das Ziel, Behörden und Unternehmen in Europa unabhängiger von den großen US-Technologiekonzernen zu machen. Sondern auch, dass die EU-Länder bei einer der gerade als Zukunftstechnologie bezeichneten Entwicklung aufholen sollen: Künstlicher Intelligenz.

Doch KI braucht Rechenkapazitäten, und zwar viel. Erst für das Training der Modelle, später für die Anwendung. Einer Anfang Juni veröffentlichten UN-Untersuchung zufolge machten Training und Einsatz von KI-Modellen und -Anwendungen im vergangenen Jahr 20 Prozent der Last von Rechenzentren aus. Bis zum Jahr 2040 soll dieser Anteil auf 40 Prozent steigen. Dann würde der auf KI zurückgehende Stromverbrauch laut der Untersuchung auf 374 Terawattstunden steigen.

Ein EU-Vertreter bezifferte die hiesigen Rechenzentrumskapazitäten jüngst auf rund ein Drittel derer in den USA. Bis 2035 werde der Bedarf in Europa auf etwa 60 Gigawatt steigen. Nach aktuellem Planungsstand könnten jedoch nur Kapazitäten von 42 Gigawatt aufgebaut werden.

Daher sollen unter anderem Genehmigungsverfahren beschleunigt werden – was Befürchtungen nährt, dass damit Umweltstandards sinken könnten. Deutschland schlägt diesen Weg gerade ein: Mit dem Energieeffizienzgesetz, das zuletzt Anfang Juni Thema im Kabinett war. Greenpeace kritisierte in seiner Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf unter anderem, dass die Anforderungen an Rechenzentren abgeschwächt würden, verbindliche Vorgaben zur Nutzung von Abwärme wegfielen und Betreiber Energie- und Umweltdaten teilweise nicht mehr offenlegen müssen.

Die NGO Algorithmwatch will mit einer Petition gegensteuern. Die Organisation und die bislang rund 150.000 Un­ter­zeich­ne­r:in­nen fordern unter anderem, dass Betreiber von Rechenzentren den Energie- und Wasserverbrauch veröffentlichen müssen und das nicht als Geschäftsgeheimnis verbergen dürfen. Darüber hinaus dürften neue Rechenzentren nur dann genehmigt werden, wenn sie immer mit zusätzlicher erneuerbarer Energie betrieben werden.

Laut dem Umweltinstitut München, das gemeinsam mit Algorithmwatch ein Gutachten zu den geplanten Änderungen des Energieeffizienzgesetzes in Auftrag gegeben hat, könnten allein die in Deutschland bis 2030 geplanten Rechenzentren über sechs Millionen Haushalte klimaneutral mit Wärme versorgen. Die Bundesregierung vergibt seit rund zehn Jahren das bekannte Umweltsiegel „Blauer Engel“ auch an Rechenzentren. Bislang wurden damit ausgezeichnet: fünf.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Beitrags hieß es, das Münchner Ökoinstitut sei der Auftraggeber des Gutachtens. Ein solches gibt es nicht, es ist das Umweltinstitut München.

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