Reisebeschränkungen in der EU: Alarm ohne Plan

Die EU warnt vor steigenden Coronazahlen. Doch eine gemeinsame Strategie bei Reisebeschränkungen fehlt. Jedes Land macht seins. Fünf Beispiele.

Ein Junge macht einen Salto am Mondello Strand

Salto immortale: In Italien sind Strände, wie Mondello, trotz Corona voll. Vor allem mit Italienern Foto: Guglielmo Mangiapane/reuters

BRÜSSEL taz | Europa droht eine neue Coronakrise. Nach Spanien und Frankreich verzeichnet nun auch Deutschland einen massiven Anstieg der Neuinfektionen. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter am Donnerstag 1.707 neue Ansteckungen, den höchsten Wert seit Ende April. Auch in anderen EU-Ländern gehen die Zahlen steil nach oben.

In Berlin und Brüssel schrillen nun die Alarmglocken, dabei hat es an Warnungen nicht gefehlt. Schon am 10. August hat die europäische Präventionsbehörde ECDC vor einer zweiten Welle gewarnt und entschiedenes Gegensteuern gefordert. Die Gefahr einer „Eskalation“ sei „sehr hoch“, wenn keine geeigneten Maßnahmen eingeleitet würden, so die EU-Experten.

Doch von einer entschlossenen und koordinierten Reaktion kann keine Rede sein. Jedes EU-Land macht, was es will. Auch Deutschland kümmert sich nicht um Abstimmung. Obwohl Berlin seit dem 1. Juli den EU-Vorsitz innehat, wurden Reisewarnungen im nationalen Alleingang erlassen. Zuletzt traf es Spanien und Kroatien; das Auswärtige Amt rät von Urlaubsreisen in diese Länder ab.

Dabei gehören Reisewarnungen nicht zum Arsenal der Waffen, die die EU-Experten empfehlen. Viel wichtiger seien Coronatests und die Nachverfolgung von Kontakten, heißt es bei der ECDC. Doch es sind nur Empfehlungen, keine verbindlichen Regeln. Die EU ist machtlos – wieder einmal.

Die Gesundheitspolitik sei eine nationale Kompetenz, über Reisewarnungen werde in den Hauptstädten entschieden, erklärt die EU-Kommission der taz. Man sei zwar in ständigem Kontakt, könne aber nicht eingreifen. Dabei hatte Kommis­sions­präsidentin Ursula von der Leyen etwas anderes versprochen.

Bereits im Mai stimmte sie die Bürger*innen auf die Urlaubssaison ein. Eine eigens aufgesetzte Website „Re­open EU“ suggerierte eine schrittweise Öffnung der Grenzen und die Rücknahme der Beschränkungen.

Doch davon ist nicht viel übrig. „Die Kommission hat es nicht geschafft, einheitliche Kriterien zu entwickeln“, kritisiert der CSU-­Europaabgeordnete Markus Ferber. „Sie hat sich sehr weit rausgehängt und nichts gemacht.“

Im Herbst könnte es deshalb sogar wieder zu Grenzschließungen kommen, fürchtet die grüne Europaabgeordnete Anna Cavazzini. „Könnten wir diese ganzen Einzelaktionen bitte europäisch koordinieren?“, fragt sie. Von der Antwort hängt viel ab – auch für Deutschland. Eric Bonse, Brüssel

Schwedisches „Hemester“

STOCKHOLM taz | Einerseits ist es ganz einfach. Wenn es nach ihrer Regierung geht, dürfen die SchwedInnen in diesem Sommer überall hinreisen. Und niemand muss nach der Rückkehr in Quarantäne oder einen Coronatest machen. Zwar gibt es Reisewarnungen, derzeit beispielsweise für Großbritannien oder die baltischen Staaten. Allerdings nicht wegen der dortigen Coronasi­tua­tion, sondern weil diese Länder Quarantäne-, Ein- oder Aus­reise­bestimmungen haben, die „sicheres und freies Reisen nicht vorhersehbar“ machen.

Andererseits war es in diesem Sommer nahezu unmöglich für schwedische TouristInnen, einen Auslandsurlaub auch nur zu planen. Nimmt man allein die Nachbarländer, so hatte Finnland ganz dicht gemacht, es sei denn, man besitzt dort ein Ferienhaus.

Ab kommenden Montag hat Helsinki nun Ausnahmen für den „kleinen Grenzverkehr“ in Nordschweden angekündigt: AnwohnerInnen dürfen dann zum Einkaufen oder für andere Alltagsangelegenheiten die Grenze queren. Norwegen öffnet und schließt ständig die Grenze für quarantänefreie Einreise, je nachdem, ob die aktuellen Infektionszahlen in der Herkunftsregion der Reisenden über oder unter 20 Neuinfektionen pro 100.000 liegen.

Dänemark hatte bis zum 1. August eine ähnlich chaotische und unvorhersehbare Regelung. Nun ist die Grenze zwar ganz offen, aber die Tourismusbranche klagt: Die Schweden kommen nicht!

Dänemarks Grenze für Schweden war erst zu, dann auf, dann zu. Nun ist sie wieder ganz offen, aber die Tourismusbranche klagt: Die Schweden kommen nicht!

Kein Wunder. Angesichts dieses „Än si än så, än hit än dit“, wie „Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln“ auf Schwedisch heißt, entschlossen sich die meisten SchwedInnen gleich für ein „Hemester“, einen Heimaturlaub. Zum Glück spielt das Wetter mit. 45.000 Menschen drängten sich am Wochenende bei Temperaturen um die 30 Grad allein am Strand des westschwedischen Tylösand. Reinhard Wolff, Stockholm

UK: Ab in den Süden – nach Cornwall

LONDON taz | Großbritannien erwägt eine Quarantäne für Einreisende, wenn in ihrem Herkunftsland über 20 von 100.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind. So sind auch hier Spanien, Belgien Frankreich und die Niederlande auf der Liste der Staaten, für die 14 Tage Selbstisolation notwendig sind.

Auch können Bri­t*in­nen nicht ohne Weiteres über den Ärmelkanal, höchstens nach Irland. Wer weiter weg will, kann in „sichere“ Länder wie etwa Österreich, Zypern, Griechenland, Finnland oder die Slowakei fliegen. Auch Reisen in die meisten Karibikstaaten, Vietnam, Malaysia oder die Seychellen sind möglich. Kroa­tien, die Türkei, Dänemark, die Schweiz und Griechenland nähern sich derzeit dem britischen Grenzwert für eine Quarantäne, wohingegen für Portugal die Auflage bald entfallen könnte.

Brit*innen besuchen deshalb die südlichsten Teile der eigenen Insel, etwa Devon und Cornwall, aber auch London, der Lake Distrikt und Schottland sind populär. Als Spanien und Frankreich auf die Quarantäneliste gesetzt wurden, stiegen die Buchungen innerhalb des Landes immens.

Awaze, einer der größten Vermittler von Urlaubsunterkünften, hatte bald von fast 20.000 Angeboten, weniger als 60 übrig, meist unerschwingliche Luxusschuppen. Für viele bedeutete das am Ende Urlaub zu Hause bei wechselhaften und teils nassen Wettervorhersagen. Daniel Zylbersztajn, London

Belgien und die „zweite Welle“

BRÜSSEL taz | Den Belgiern ist der Spaß an der Urlaubssaison gründlich vergangen. Erst durften sie nicht nach Griechenland, Malta oder Finnland reisen, weil diese Länder sich vor Coronaviren aus Antwerpen oder Brüssel fürchten. Dann verhängte die belgische Regierung auch noch Reisewarnungen für die Schweiz und Teile von Frankreich, ohne ihre Landsleute vorzuwarnen. Dies führte zu Ärger bei allen Beteiligten – bei den belgischen Touristen ebenso wie bei ihren Gastländern.

Rund eine Woche vor dem Ende der Sommerferien am 1. September hat sich die Lage nicht entspannt, im Gegenteil. Nun steht auch noch Deutschland auf der Warnliste des Außenministeriums. Zwar sind Reisen noch nicht verboten – doch auch das ist nicht mehr auszuschließen.

Ein Paar mit Hunden und Masken auf einer Strandpromenade

Promenadenmischung mit Masken: UrlauberInnen im belgischen Sint-Idesbald Foto: Yves Herman/Reuters

Denn Belgien hat die „zweite Welle“ nicht im Griff, nach Antwerpen meldet nun auch Brüssel einen steilen Anstieg der Infektionszahlen. Die Regierung versucht zwar, mit rigoroser Maskenpflicht und einer Einschränkung der Sozialkontakte – maximal fünf pro Person – gegenzusteuern. Doch bisher zeichnet sich keine Entwarnung ab.

Premierministerin Sophie Wilmès berief am Donnerstag sogar ihren Krisenstab ein. Neue Maßnahmen wurden zwar nicht beschlossen, aber auch die erhoffte Lockerung ist nicht in Sicht. Wenn sich die Coronakrise weiter zuspitzt, könnte dies auch zum Problem für die EU-Kommission und das Europaparlament werden. Beide haben ihren Sitz in Brüssel, vor allem die Europaabgeordneten sind viel auf Reisen.

Was passiert, wenn andere EU-Länder die Region Brüssel auf ihre Warnliste setzen, weiß niemand. „Wir stehen zu Brüssel, ein Umzug kommt nicht infrage“, erklärte eine Sprecherin der EU-Kommission auf Nachfrage der taz. Es klang wie das Pfeifen im dunklen Wald. Eric Bonse, Brüssel

Italiener*innen unter sich

ROM taz | In diesem Sommer bleiben die Italiener*innen im Urlaub weitgehend unter sich, an den heimischen Stränden oder in den Bergen des Apennin und der Alpen. Die Reiselust ins Ausland ist ihnen gründlich vergangen: Nur um die 7 Prozent statt der im Vorjahr gemeldeten 32 Prozent haben Reiseziele jenseits der Grenzen gewählt.

Die Wahl leuchtet ein. Italien liegt – mit hier schon als alarmierend empfundenen gut 600 Neuinfektionen zum Beispiel am letzten Mittwoch – beim Infektionsgeschehen weit hinten in Europa. Reisen dürften die Bürger*innen des Landes ohne weitere Einschränkungen, vorneweg einer 14-tägigen Quarantäne nach der Rückkehr, sowieso nur in die Schengenstaaten und nach Großbritannien.

Seit letzter Woche schnurrt die Zahl der Staaten aber weiter zusammen: Wer aus Griechenland, Spanien, Malta und Kroatien zurückkommt, muss einen Pflichtabstrich vornehmen lassen, direkt am Flughafen oder bei der heimischen Gesundheitsbehörde; die Kosten trägt der Staat.

So sind die Strände von Nord bis Süd zwar wie im August üblich überfüllt, doch der Anteil der Ausländer*innen ist geschrumpft. Die Buchungszahlen liegen bei einem Viertel gegenüber 2019. Schlimmer noch: Reisende aus den USA, Russland, China oder Japan fehlen komplett – sie aber sind diejenigen, die traditionell am meisten Geld ausgeben. Vor allem in Florenz oder Venedig fällt ihre Abwesenheit schmerzlich auf, und in Rom etwa sind 80 Prozent der Hotels weiter zugesperrt, zugleich klagen die geöffneten Häuser über eine miserable Auslastung. Michael Braun, Rom

Kroatien: Vom Musterland auf die rote Liste

SPLIT taz | Die Zeiten sind jetzt vorbei, in denen sich Kroatien als coronasicheres Land präsentieren durfte. Bei 1.653 Tests, die am Mittwoch vorgenommen wurden, waren 219 positiv. Im Land gibt es jetzt insgesamt 1.520 aktive Fälle, von denen 122 in den Krankenhäusern behandelt werden. 168 Menschen sind bisher im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Slowenien und Österreich haben Kroatien jetzt auf die rote Liste gesetzt.

Kroatiens Ruf als sichereres Reiseland hat deshalb zwar etwas gelitten. Doch ist es dem Land wegen seiner günstigen Lage gelungen, Touristen aus Deutschland, Polen, Ungarn und der Schweiz anzulocken. Kroatien ist per Auto gut erreichbar und verfügt über viele Ferienwohnungen.

Das haben die Kroaten aus dem Norden in diesem Jahr selbst bemerkt, und viele sind im Land geblieben. Natürlich kennt man sich aus, die Mittelschicht aus Zagreb kennt die schönsten Spots auf den Inseln, irgendein Verwandter hat ja irgendwo ein Boot, jeder einen Geheimtipp.

Dagegen sind Auslandsreisen wie nach Italien, dem eigentlich beliebten Nachbarland, wie auch nach Mitteleuropa oder Reisen nach Übersee dieses Jahr beträchtlich eingeschränkt.

So kann der Tourismusminister zufrieden sein. Hotels, Ferienwohnungen und Restaurants machen ihr Geschäft. Die Auslastung beträgt immerhin 70 Prozent des Rekordjahrs 2019. Kroatiens Tourismusindustrie ist bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Doch die Entwicklung der letzten Tage gibt zu denken. Vor allem in den großen Städten, aber auch an der dalmatinischen Küste häufen sich jetzt die Ansteckungen.

Schuld daran ist der legere Umgang mit Coronapartys, Familienfesten und einer Jugendkultur, in der die Auflagen wie Mundschutz und Abstand halten umgangen werden. Zwar herrscht in öffentlichen Gebäuden Maskenpflicht, doch viele Touristen fühlen sich auf öffentlichen Plätzen und in den Cafés, die in den engen Gassen der Spliter Altstadt gelegen sind, offenbar so sicher, dass sie alle Regeln zu vergessen scheinen.

Einen Lichtblick für Spätbucher bilden die Inseln in der Adria. Hier ist die Ansteckungsrate bisher sehr gering geblieben. Erich Rathfelder, Split

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. In den vergangenen Monaten beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Ab wann Spiele wieder vor Publikum stattfinden, ist noch nicht klar.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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