Rechtsstreit am Gorki Theater Berlin: Aufklärung geht anders

Der Intendantin Shermin Langhoff wird Machtmissbrauch vorgeworfen. Ein Fall vor dem Bühnenschiedsgericht endete mit einem Vergleich.

Man sieht den Giebel eines klasszistischen Gebäudes, davor eine Büste

Das Maxim Gorki Theater in Berlin in seiner klassischen Hülle Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild

Das Maxim Gorki Theater in Berlin muss sich mit Vorwürfen gegen die Intendantin Shermin Langhoff auseinandersetzen. Mitarbeitende haben ihr Machtmissbrauch und Mobbing vorgeworfen, der Spiegel berichtete letzte Woche darüber. Eine Dramaturgin hatte geklagt, gegen die Nicht-Verlängerung ihres befristeten Vertrags in der Elternzeit, und vermutete einen Zusammenhang mit ihrer Kritik am Führungsstil der Intendantin. Am Mittwoch einigten sich am Bühnenschiedsgericht Berlin die Anwälte beider Parteien auf einen Vergleich: Der Vertrag von Johanna Höhmann wird ab Juni beendet, im Gegenzug erhält sie eine Abfindung von 15.000 Euro.

Der Vergleich wurde geschlossen, bevor es vor dem Bühnenschiedsgericht, einer Institution der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, zu einer Verhandlung gekommen ist. Somit hat keine gerichtliche Aufarbeitung der Vorwürfe stattgefunden.

Ende April war es am Bühnenschiedsgericht Berlin schon einmal zu einem Vergleich gekommen zwischen dem Staatsballett Berlin und der Tänzerin Chloé Lopez Gomez. Auch sie hatte wegen einem nicht verlängerten Vertrag geklagt und Vorwürfe wegen rassistischer Beleidigungen erhoben. In ihrem Fall enthielt der Vergleich ebenfalls eine Summe von 16.000 Euro, die ihr gezahlt werden und ihr Vertrag wurde um ein Jahr verlängert. Zuvor hatte das Staatsballett zu ihren Vorwürfen Stellung bezogen, Aufklärung versprochen und einen „diversitätsorientierten Strukturwandel“ angekündigt. Zum Vergleich zwischen dem Staatsballett und der Tänzerin gab das Haus eine Pressemitteilung unter der Überschrift „Es ist ein Weckruf“ heraus.

Keine Diskussion?

Solche Signale fehlen bisher aus dem Maxim Gorki Theater. Bisher gibt es keine Stellungnahme aus dem Haus, weder zu dem konkreten Fall der Dramaturgin, noch zu den weiteren Vorwürfen. Teil des vereinbarten Vergleichs am Bühnenschiedsgericht ist eine Stillschweigeklausel.

Zu den Kri­ti­ke­r:in­nen des Arbeitsklimas am Maxim Gorki Theater, und generell an den Strukturen des Theatersystems, gehört die Schauspielerin und Autorin Mateja Meded, die in mehreren Produktionen des Gorki Theaters gespielt hat. Sie hat es, so beschreibt sie in einem Gespräch mit dem WDR 5, zu ihrem Lebensprojekt gemacht, in die Systeme reinzugehen und Druck aufzubauen, um Veränderungen zu erreichen. Auch ihre Kritik zielt auf die Intransparenz vieler Entscheidungsprozesse an den Theatern. Da hilft das bisherige Schweigen des Gorki Theaters nicht, Skepsis abzubauen.

Und der Kultursenat Berlin, Dienstherr von Shermin Langhoff? Er wusste seit 2019 von den Beschwerden mehrerer Beschäftigter und hatte einen Mediationsprozess in Gang gesetzt. Im Ergebnis sei es zu „organisatorischen Strukturveränderungen“ im Gorki Theater gekommen, teilt ein Sprecher der Senatskulturverwaltung mit. Langhoffs Vertrag habe man Ende 2020 um weitere drei Jahre bis 2026 verlängert, um damit dieser „über Berlin hinaus anerkannten künstlerischen Arbeit am Gorki Theater eine verlässliche Planungsperspektive gegeben.“

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