Rechtsaußen in der Werteunion: Vizechef war Neonazi

Seit dem Wochenende ist Klaus Dageförde neuer Vizevorsitzender der Werteunion. In den 1980ern war er in der rechtsextremen Szene aktiv.

Ein Infostand der Werteunion

Ein Infostand der Werteunion steht auf einem Wahlkampftermin der CDU-Fraktion Hoppegarten Foto: Patrick Pleul/picture alliance

BERLIN taz | Seit Tagen steht die Werteunion wegen ihres neuen Bundesvorsitzenden, dem Ökonomen und Fondsmanager Max Otte in der Kritik. Otte war Kuratoriumsvorsitzender der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung und gilt als AfD-nah, er verfügt über gute Kontakte in die radikal rechte Partei. Seine Wahl wird entsprechend als weiterer Öffnungsschritt des Vereins in Richtung AfD gesehen – und damit zu radikal Rechten. Ein Stellvertreter Ottes aber hat noch eine ganz andere Geschichte.

Klaus Dageförde, der am vergangenen Wochenende zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Werteunion gewählt wurde, war in den 1980er Jahren Neonazi. Das geht aus einer Anklageschrift der Stuttgarter Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 1990 hervor, die der taz in Auszügen vorliegt. Archiviert hat sie das Apabiz, das Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum in Berlin.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wirft Dageförde darin vor, als „Rädelsführer“ eine verbotene Organisation fortgeführt zu haben, insgesamt waren 21 Personen angeklagt. Bei der Organisation handelt es sich um die von Michael Kühnen gegründete Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die sich als Fortführung von NSDAP und SA verstand. Ende 1983 wurde sie von dem damaligen CSU-Innenminister Friedrich Zimmermann verboten und aufgelöst.

Laut Anklage soll Dageförde seit 1985 Mitglied der „Bewegung“ gewesen sein, dann „Kameradschaftsführer Bamberg“ und „Beauftragter für den Gau Bayern“. Der Prozess begann im Februar 1991 und platzte im Mai 1994 nach 124 Verhandlungstagen.

Otte erkennt kein Problem

Dageförde gibt zu, in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen zu sein. „Ich streite nicht ab, dass ich mich in den 80er-Jahren zwei oder drei Jahre lang in dieser rechten Szene bewegt habe“, sagte er der taz. Auch räumte er ein, in die Szene eingebunden gewesen zu sein, aber: „Kameradschaftsführer in Bamberg war ich nicht.“

Danach habe er jeglichen Kontakt zu diesen rechten Organisationen abgebrochen. „Das Verfahren wurde eingestellt, ich habe damit seit 30 Jahren nichts mehr zu tun“, so Dageförde weiter. Der taz liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass dies nicht stimmt. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft teilte auf Anfrage mit, zu einzelnen Verfahrensbeteiligten äußere sie sich grundsätzlich nicht. Dageförde sagte, er sei 2004 in die CDU eingetreten.

Nach Angaben von Werteunionchef Otte hat Dageförde bei der Versammlung des Vereins am Wochenende seine Neonazivergangenheit angesprochen. „Herr Dageförde hat in seiner Bewerbungsrede gesagt, dass er vor vielen Jahren kurz in der rechten Szene unterwegs war, dass er aber seit 30 Jahren clean ist und nichts mehr mit der rechten Szene und rechtsextremem Gedankengut zu tun hat“, sagte Otte der taz. „Das reicht mir.“

Die Werteunion ist keine Parteiorganisation der CDU, sondern ein Verein, in dem sich vor allem Mitglieder vom rechten Rand der Union organisieren. Sie hat etwa 4.000 Mitglieder, Aushängeschild ist der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der in Südthüringen für den Bundestag kandidiert.

Maaßen hatte nach der Wahl des neuen Bundesvorstands verkündet, er verfolge die Entwicklung der Werteunion „mit Sorge“ und lasse seine Mitgliedschaft ruhen. Ähnlich äußerte sich Ottes Vorgänger an der Spitze der Werteunion, Alexander Mitsch.

CDU-Chef Laschet hatte sich schon zu Wochenbeginn als für die Werteunion nicht zuständig erklärt. Der Verein gehöre nicht zur Unionsfamilie, deshalb werde es auch kein Gespräch mit Otte geben.

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