Rechte Gewalt in Brandenburg: Mann bei Angriff auf Flüchtlingsunterkunft verletzt
Junge Männer haben in Stahnsdorf ein Flüchtlingsheim angegriffen. Sie sollen „Heil Hitler“ gerufen haben, bei ihnen soll ein Messer gefunden worden sein.
Die Staatsanwaltschaft Potsdam bestätigte den Vorfall am Dienstagmorgen auf taz-Anfrage. Demnach ermittelt die Behörde gegen drei Tatverdächtige unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung.
Wie eine Anwohnerin der taz berichtet, sei eine Gruppe von sechs oder sieben Personen gegen 0.45 Uhr in der Nacht zu Samstag durch die Stahnsdorfer Straße in der Nähe der Unterkunft gelaufen und habe lautstark rechte Parolen skandiert, unter anderem „Heil Hitler“.
Wenig später attackierte mutmaßlich dieselbe Gruppe das Geflüchtetenwohnheim. Die Angreifer hätten zunächst versucht, durch eine gesicherte Brandschutztür am Hintereingang ins Gebäude zu gelangen, erzählen Zeug*innen. Als ihnen dies nicht gelang, hätten sie das Fenster eines Badezimmers mit einer Flasche eingeworfen.
Großeinsatz der Polizei
Die hinzugerufene Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort. Es seien Spürhunde und auch ein Helikopter eingesetzt worden, sagt die Anwohnerin.
Wenig später wurden in der Nähe der Unterkunft drei Tatverdächtige festgenommen. Bei einem der Männer sei ein Messer gefunden worden, berichtet der Tagesspiegel unter Berufung auf Polizeikreise. Die Festgenommenen seien bislang nicht im Bereich Rechtsextremismus polizeilich in Erscheinung getreten, heißt es.
Weitere Auskünfte wollte die Staatsanwaltschaft am Dienstag nicht erteilen. Die Behörde verwies auf die laufenden Ermittlungen.
Die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Stahnsdorf besteht aus zwei Übergangswohnheimen, die rund 300 Menschen Platz bieten. Stahnsdorf liegt an der südlichen Berliner Stadtgrenze im Brandenburger Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Bürgermeister: „Koordiniertes Vorgehen“
Der Bürgermeister der Gemeinde, Bernd Albers, sagte am Dienstag, er verurteile „den gewalttätigen Übergriff auf die Stahnsdorfer Gemeinschaftsunterkünfte auf das Schärfste“. Der Vorfall vermittele ein Bild von Stahnsdorf, das mit der Weltoffenheit der Stahnsdorfer nicht in Einklang zu bringen sei. „Gewalt gegen die Schwächsten der Gesellschaft ist besonders niederträchtig und feige“, so Albers von der Wählergruppe „Bürger für Bürger“ weiter.
Unterdessen kam es am Wochenende in Brandenburg nicht nur in Stahnsdorf zu einem mutmaßlich rechtsextrem motivierten Vorfall. In Dahlwitz-Hoppegarten und in Ahrensfelde ermittelt der polizeiliche Staatsschutz nach Hakenkreuz-Schmierereien. Auch in Fredersdorf-Vogelsdorf führt der Staatsschutz die Ermittlungen, nachdem eine Gruppe zu dem Lied „L'amour toujours“ volksverhetzende Parolen gerufen haben soll.
Zudem hatte es in den letzten Wochen zwei weitere Vorfälle im südbrandenburgischen Senftenberg gegeben: einen Angriff auf den alternativen Jugendclub Jamm sowie die Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf eine Geflüchtetenunterkunft.
Stahnsdorfs Bürgermeister Albers vermutet vor diesem Hintergrund „ein überregional koordiniertes Vorgehen“: „Solche und andere Einschüchterungsversuche durch rechte Gruppierungen gehören strengstens verfolgt“, forderte er am Dienstag.
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