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Real Madrid vor Duell gegen BayernDonuts nach dem Training

Trainer Arbeloa leidet unter den Launen und Strukturproblemen des Kaders von Real Madrid. Doch sein Umgang mit den Stars verbessert die Stimmung.

Real-Trainer Álvaro Arbeloa weiß seine Stars zu motivieren Foto: Jose Breton/ap

Schon nach wenigen Spielen im Amt verblüffte Álvaro Arbeloa mit einem Ausflug in die Fantasywelt. „Ich bin nicht Gandalf der Weiße“, proklamierte Real Madrids neuer Trainer im Februar nach einem schwerfälligen Sieg mit Elfmetertor in der zehnten Minute der Nachspielzeit gegen Rayo Vallecano. Dabei kann niemand bezweifeln, dass es weißer kaum geht als im Herzen des 43-jährigen Ex-Verteidigers, einem lebenslangen und bedingungslosen Verehrer seines Klubs. Aber hexen wie der Zauberer aus dem Herrn der Ringe, das kann halt auch der Nachfolger von Xabi Alonso nicht.

Vor dem Champions-League-Klassiker gegen Bayern München heute und am nächsten Mittwoch leidet Arbeloa wie sein entlassener Vorgänger unter den Launen und Strukturproblemen des königlichen Kaders. Mal animieren sich die Stars um Kylian Mbappé, Vinícius Júnior oder Jude Bellingham; mal lassen sie sich gehen. Mal setzen sie zeitgenössische Konzepte wie Pressing um und halten defensiv halbwegs die richtigen Abstände; mal scheinen sie sich als elf Inseln über den Platz zu versprengen. Mal lässt sich das Fehlen eines echten Spielgestalters im Mittelfeld durch dynamische Konter kompensieren; mal enthüllt Real ein fußballerisches Nichts.

Die Bilanz ist entsprechend wechselhaft. Aus dem Pokal schied Arbeloas Combo gleich zum Dienstantritt bei Zweitligist Albacete aus, in der Liga wurden aus vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Barcelona bei Amtsübernahme sieben Punkte; am Samstag gab es eine 1:2-Niederlage bei Abstiegskandidat RCD Mallorca. In der Champions League aber überzeugte Madrid zuletzt durch ein klares Weiterkommen gegen Manchester City. Und die Champions League ist schließlich der Wettbewerb, in dem ein Real-Trainer den magischen Stab zu schwingen hat.

Wenn es zunächst im Madrider Bernabéu zum 29. Match beider Klubs kommt – keine Europapokalbegegnung gab es öfters –, ist die Frage, wie entscheidend Balance, Form und Spielkultur sein werden: in dieser Hinsicht wären die Bayern klarer Favorit. Und welche Rolle die Emotionen spielen werden, die Psychologie, der Mythos: da weiß man im Bernabéu nämlich nie, da gilt die eherne Gewissheit, die Arbeloa vor Manchester verkündete: „Real Madrid ist immer Favorit. Egal unter welchen Umständen und gegen welchen Gegner: Wir fühlen uns niemals niemandem unterlegen.“

Mehr Helden, weniger Methodik

15 Titel im wichtigsten Europacup bürgen für ein Selbstverständnis, gegen das nicht mal mehr das bajuwarische „Mia san mia“ anzukommen scheint. Dass bisweilen in Deutschland immer noch das Wort von der „bestia negra“ strapaziert wird – unter dem Begriff firmierten die Bayern einst mal als Angstgegner Reals – ist schon fast süß. Die letzten vier Duelle (2014, 2017, 2018 und 2024) gewann allesamt Real. Die „schwarze Bestie“ wurde zum possierlichen Haustier domestiziert, obwohl Madrid auch in jenen Jahren nicht immer rundweg überzeugend auftrat.

Arbeloa war Jugendspieler im Klub, später treuer Fußsoldat unter Trainern wie seinem Vorbild José Mourinho und zuletzt Coach der zweiten Mannschaft. Er weiß um die Identität eines Vereins, bei dem es um Helden geht, und um die Eigenheiten einer Kabine, die methodische Ansätze wie den seines Freundes Xabi Alonso reflexhaft abstößt. Alonso versuchte insbesondere den Brasilianer Vinícius zu bändigen und verlor ihn darüber – der offene Aufstand des Flügelstürmers gegen seine häufigen Auswechslungen leitete das Ende des Leverkusener Erfolgstrainers ein.

Es war insofern symbolisch, als Arbeloa gleich an seinem ersten Arbeitstag das Loblied auf Vinícius sang – und es hat sich gelohnt, denn „Vini“, unter Alonso zwischendurch 16 Spiele in Serie ohne Torerfolg, hat seit dem Trainerrevirement elf Treffer erzielt und ist mit seinen unvorhersehbaren Dribblings wieder Reals gefährlichster Angreifer. Auch Federico Valverde, Madrids wichtigster Mittelfeldmann, war unter Alonso unzufrieden und ist wieder die omnipräsente Allzweckwaffe vergangener Triumphe. Im Verbund erledigte das Duo auch Manchester; dass die damals verletzten Mbappé und Bellingham nun wieder zur Verfügung stehen, gefällt nicht allen Beobachtern. Real war diese Saison stärker, wenn sich die Galáctico-Quote in Grenzen hielt.

Arbeloa baut dann Jugendspieler von unten ein und auch die Mittelschicht wie Antonio Rüdiger wird bei ihm nicht vergessen. Nachdem der umstrittene DFB-Verteidiger im Match gegen Getafe mal wieder durch ein böses Foul auffällig wurde, verteilte Arbeloa umso bedingungslosere Streicheleinheiten: „Ich würde mir von Rüdiger ein Denkmal im Garten aufstellen, er ist ein Vorbild für alle Jugendlichen.“

Zuckerbrot, ganz wörtlich: Mittelfeldmann Eduardo Camavinga verriet kürzlich, dass Arbeloa die Spieler nach dem Training bisweilen mit Donuts, Oreo oder Spekulatius beschenke. Nicht gerade die empfohlene Nahrung für Sportler, wohl aber für Superstars, findet Camavinga: „Diesen Typ Spieler muss man nur glücklich machen. Wenn du glücklich bist, machen deine Füße, was sie wollen.“

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