Reaktionen auf Laura Dahlmeiers Tod: Sie hatte doch immer einen Plan B
Biathlon-Kolleginnen und prominente Bergsteiger trauern um die Olympiasiegerin Laura Dahlmeier. Sie war im Karakorum-Gebirge bei einem Steinschlag umgekommen.
Ihre Kollegen und Kolleginnen aus Biathlon und Bergsteigen nehmen Abschied von Laura Dahlmeier. Die zweifache Olympiasiegerin war vor wenigen Tagen beim Bergsteigen im pakistanischen Karakorum-Gebirge tödlich verunglückt.
Miriam Neureuther, Ex-Weltklasse-Biathletin, die wie Dahlmeier aus Garmisch-Partenkirchen stammt und mit ihr schon in der Jugend trainierte, nennt sie eine „außergewöhnliche Sportlerin, die es so sicher kein zweites Mal auf dieser Welt geben wird“. Olympiasiegerin Magdalena Neuner lobte Dahlmeier als „großes Vorbild in der Hinsicht, dass sie ihr Leben gelebt hat und sich überhaupt nicht von anderen Leuten beeinflussen ließ“.
Im Vorwort von Dahlmeiers Autobiografie hatte der mit ihr befreundete Extremkletterer Thomas Huber geschrieben, sie sei ein echter „Stone Monkey“, eine, die für die Berge lebe: „wild, unangepasst und auch ein wenig rebellisch, auf jeden Fall selbstbewusst mit voller Hingabe ihren eigenen Weg gehend“. Zugleich sei Dahlmeier eine gewesen, die stets „zum richtigen Zeitpunkt“ abgestiegen sei.
Reinhold Messner
Ähnlich schreibt das Fachmagazin alpin.de über Dahlmeier, „die immer einen Plan B in der Tasche hatte und konsequent umgekehrt ist, wenn sie sich nicht gut fühlte“.
Thomas Huber, der gerade an einer Expedition in Pakistan teilnimmt, hatte sich sofort dem Rettungsteam angeschlossen, das Dahlmeier bergen wollte, als sie mit ihrer Seilpartnerin am 28. Juli im Abstieg vom 6.096 Meter hohen Laila Peak in etwa 5.700 Meter Höhe von einem Steinschlag getroffen wurde.
Die Bedeutung des Klimawandels
Der Extremkletterer Stefan Glowacz, auch er stammt aus Garmisch-Partenkirchen, sagte: „Steinschlag ist für uns die absolute Pest. Da haben wir den größten Respekt vor.“ Das sei eine Gefahr, die in Zeiten des Klimawandels anwachse.
Ähnlich äußerte sich Reinhold Messner. Der Ex-Extremalpinist sagte: „Wir beobachten, dass die Felsberge bis auf 2.000 Meter herunter aufgrund der globalen Erwärmung lockerer werden.“ Dann können Steine abfallen, eine Rettung sei kaum mehr möglich.
Dass Dahlmeier schriftlich verfügt hatte, nicht auf jeden Fall gerettet oder geborgen zu werden, begrüßt Messner. „Es ist der Beweis dafür, dass sie das, was sie getan hat, auch geistig durchschaut hat“, so Messner. Er nannte die Ex-Weltklasse-Biathletin „eine große Bergsteigerin, eine ausdauernde, bescheidene Partnerin. Und sie gehörte zu den besten Bergsteigerinnen weltweit.“
Eine Bergung ist noch möglich
Ob Dahlmeiers Leiche in den pakistanischen Bergen bleibt oder geborgen wird, war bis zum Donnerstagnachmittag unklar. Vom Alpine Club of Pakistan war zu hören, eine Bergung werde erwogen, wenn die Witterung es erlaube.
Das wäre durchaus in Dahlmeiers Sinn, wie ihr Management klarstellte: „Es war ihr Wunsch, ihren Körper in diesem Fall auf dem Berg zurückzulassen.“ Dieser Fall heißt: Wenn eine Bergung mit Gefahren für die Rettungsteams verbunden wäre.
Nachdem sie sich bereits als 25-Jährige vom Biathlonbetrieb verabschiedet hatte, war Dahlmeier Bergführerin geworden – eine sehr anspruchsvolle und intensive Ausbildung. Schon während ihrer Leistungssportzeit war sie gerne in die Berge gegangen. Neben ihrem Studium hatte sie für verschiedene Bergschulen in Garmisch-Partenkirchen als Freiberuflerin gearbeitet.
„Mein großer Vorteil ist natürlich, dass ich für meinen Lebensunterhalt nicht aufs Führen angewiesen bin“, sagte sie in einem ihrer letzten Interviews. Vom Medienrummel wollte sie sich fernhalten – „sonst könnte ich gleich ein Meet & Greet veranstalten“.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert