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Rauchverbot in GroßbritannienGift oder Glamour?

Ella Rendtorff
Kolumne
von Ella Rendtorff

Zigaretten kaufen verboten: In Großbritannien will ein neues Gesetz die junge Generation rauchfrei machen. Steht die Kippe am Kipppunkt?

H ast du mal Feuer? Eine ganze Generation wird das in Großbritannien zukünftig nur noch hinter vorgehaltener Hand fragen. Wer früher Zigarettenschachteln unter dem Bett versteckt hat, kennt die Strategien der Verbotsumgehung. Im Vereinigten Königreich werden sie fortan auf die Probe gestellt: Ein neues Gesetz verbietet die Beschaffung jeglicher Tabakprodukte für alle, die ab 2009 geboren sind – ein Leben lang.

Eine weise Entscheidung, auch wenn der Vorwurf der Altersdiskriminierung mit im Raum steht. So schielt man auf das Verbot mit gemischten Gefühlen, wie zu Beginn des Jahres auf den Teil des Freundeskreises, der den „Dry January“ nüchtern durchzieht und der Rest daraufhin erst recht eine Flasche Sekt aufmacht. Während die Gen Z allerdings ohnehin weniger trinkt, sind Zigaretten zumindest in Deutschland bei jungen Menschen en vogue – trotz massiver Schäden für Gesundheit und Umwelt. Brauchen wir also auch ein Verbot gegen das umstrittene wie schillernde Ritual, mal eben eine zu rauchen?

Das Rauchen ist so alt wie die Menschheit selbst. Was als zeremonielle Praxis an den Lagerfeuern der Jäger und Sammler begann, eignete sich die europäische Kulturelite im 16. Jahrhundert als Statussymbol an: Zwischen den Zähnen adliger Herren qualmten hölzerne Pfeifen. So wie das Rauchen dem wohlhabenden Teil der Bevölkerung vorbehalten war, galt es lange auch als Domäne des Männlichen.

Noch weit ins 20. Jahrhundert hinein assoziierte man rauchende Männer mit Intellekt und Autorität, erinnert sei hier an Helmut Schmidt, der Zigaretten gewissermaßen zu seinem Markenzeichen machte. Gleichzeitig galten Frauen, die rauchten, als geheimnisvoll und lasziv. Die Zigarette gehörte bei Filmikonen wie Audrey Hepburn oder Marlene Dietrich zur Pose: Je länger und dünner sie war, desto erotischer mutete sie an.

Geist der Emanzipation

Einst despektierlich zum „Nuttenstängel“ abgewertet, blitzen die silberblauen und lilafarbenen Packungen mit Slimzigaretten im Berlin der Gegenwart zunehmend aus den Handtaschen junger Frauen. Als Hommage an die Eleganz und Verwegenheit rauchender Vorgängerinnen und als Aneignung des männlichen Blicks. Denn gerade in der Jugendkultur umweht die Zigarette neben Giftstoffen eben noch immer der Geist der Emanzipation.

In einer Zeit, in der beige gekleidete „Clean Girls“ auf Social Media erklären, wie sie vor sieben Uhr morgens ihren Matcha anrühren, fühlt es sich vielleicht gerade heute wieder provokant an, eine Zigarette anzuzünden. Objektiv betrachtet ist das natürlich schlecht, und ein Gesetz wie in Großbritannien ist eine konsequente Maßnahme. Wäre da nicht der immerwährende Reiz des Verbotenen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ella Rendtorff

Ella Rendtorff

Geboren 2000 in München, hat Literatur und Politik in Berlin (BA) und zuletzt Kulturjournalismus (MA) in München studiert. Schreibt vorzugsweise über Theater, Fotografie, Lyrik und Subkultur. Blättert an Wochenenden gerne durch Magazinstrecken.
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