Raubtier in Nordhorn: Ein Wolf im Garten?

Mitten am Tag soll ein Wolf durch eine niedersächsische Siedlung gelaufen sein. Niemand kam zu Schaden, trotzdem ist die Aufregung groß.

Ein Wolf hinter einem Zaun

War der Besucher wirklich ein Wolf? Dazu müssen erst Proben ausgewertet werden (Symbolfoto) Foto: Michael Schöne/imago

GÖTTINGEN taz | Aufregung im niedersächsischen Nordhorn. Ein leibhaftiger Wolf laufe durch die Kleinstadt nahe der niederländischen Grenze, berichteten Einwohner:innen am Dienstagnachmittag der Polizei. Die umgehend eingeleitete Verfolgung des Tieres bleibt ergebnislos.

Die erste Meldung kommt aus der Straße Die Gräfte. Heiko Nolders hat gerade seinen Hund in den Garten gelassen, als er von dort lautes Gebell hört. „Mein Hund stand am Zaun und kläffte“, berichtet Nolders später der Lokalzeitung. Bei genauerem Hinsehen habe er auf der anderen Seite einen Wolf entdeckt.

Daraufhin habe er seinen Hund ins Haus gebracht. Als er wiederkam, setzte der Wolf gerade über den Gartenzaun, verschwand aber auf heftiges Anrufen. Das Tier habe nicht aggressiv gewirkt, „es war vielleicht etwas nervös, mehr aber nicht“. Fotos hat Nolders vor lauter Aufregung zwar nicht machen können, er ist sich aber sicher, dass es ein Wolf war. Im Garten fotografiert er die Pfotenabdrücke.

Nachdem sich mehr Anwohner:innen mit ähnlichen Anrufen melden, rückt die Polizei aus. Die Beamten ziehen den Wolfsberater Gerd Hopmann sowie Mitarbeiter des Veterinäramtes zur Unterstützung hinzu und folgen dem Tier, das sich auf der Flucht in einem weiteren Garten verirrt und beim Sprung über einen Holzzaun möglicherweise verletzt.

Nicht der erste Wolf, der sich Menschen nähert

Hopmann kann neben Speichel und Haaren auch etwas Blut sichern. Gleichzeitig warnt die Polizei die Bevölkerung vor dem verletzten Tier, das gefährlich werden könne. Es solle keinesfalls eingefangen, bedrängt oder fotografiert werde. Gegen 17 Uhr verlieren die Verfolger den vermeintlichen Wolf aus den Augen.

Aber war der Besucher wirklich ein Wolf? Das lässt sich erst sicher nach Auswertung der Proben beantworten, die Hopmann an das Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz nach Hannover geschickt hat. Auszuschließen ist es aber nicht: Auf dem nahen Schießplatz Nordhorn Range ist ein Wolfsrudel ansässig – eines von mittlerweile 35, die in Niedersachsen in freier Wildbahn leben.

Der Nordhorner Wolf wäre auch nicht der erste, der sich menschlichen Siedlungen nähert. 2015 sorgte ein anderes Exemplar für Ärger, das in der Nähe eines Waldkindergartens im Kreis Vechta beobachtet worden war. Im April 2016 erlegte ein Jäger südlich von Lüneburg den Wolfrüden MI6. Dieser hatte einen Hund angegriffen und wenig Scheu vor Menschen gezeigt. Die erste und bislang einzige legale Tötung eines Wolfes in dem Bundesland sorgte damals für großes öffentliches Aufsehen.

Ein weiterer Wolf wurde am vergangenen Wochenende in Lauenbrück im Kreis Rotenburg/Wümme beobachtet. „Er ist über die Wiesen hinter unserem Haus gerannt“, sagte eine Einwohnerin der taz. Ein aus einem Auto aufgenommenes Video, das zurzeit in den sozialen Netzwerken kursiert, zeigt ein verschreckt wirkendes Tier, das ein Wolf sein könnte, beim Überqueren einer Lauenbrücker Straße. Möglich, dass es durch eine gleichzeitig stattfindende Drückjagd in den umgebenden Wäldern aus seinem Versteck getrieben wurde, wie in dem Dorf gemutmaßt wird.

Übergriffe von Wölfen auf Menschen sind allerdings sehr selten. In der Regel interessieren sich die Beutegreifer eher für Wild – oder auch Nutztiere wie Schafe. Sie sind deshalb vor allem bei Tierhalter:innen und Schäfer:innen nicht gern gesehen. In der Vergangenheit gab es nur wenige Fälle, in denen gesunde Wölfe einen Menschen angegriffen oder gar getötet haben. Bei den ganz wenigen dokumentierten Wolfsattacken auf Menschen waren die Tiere quasi oder tatsächlich angefüttert worden, sie wurden direkt provoziert oder hatten Tollwut.

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