Rassistische Polizeigewalt in den USA: Täschchen statt Reform
In Minnesota kommt es bei Kontrollen immer wieder zu tödlichen Polizeischüssen. Ein neuer Vorschlag aus dem Innenministerium sorgt für Kritik.
Immer wieder sterben bei Verkehrskontrollen in den USA Menschen durch Polizeischüsse. Überproportional viele Schwarze und Persons of Color kommen dabei infolge rassistischer Polizeistrukturen ums Leben. Um solche Vorfälle zu reduzieren, setzt das Innenministerium des Staates Minnesota jetzt auf Plastikbeutel – und erntet dafür viel Kritik.
Eine Pressemitteilung des Ministeriums empfiehlt Autofahrer*innen, ihren Führerschein, den Fahrzeugschein und ihre Versicherungskarte in eine durchsichtige Plastiktasche zu stecken und diese gut sichtbar am Armaturenbrett zu befestigen. So sollen bei Verkehrskontrollen verdächtige Griffe ins Handschuhfach oder in Taschen – und damit tödliche Schüsse – vermieden werden.
„Die Polizist*innen der Minnesota State Patrol und anderer Einrichtungen werden die Taschen bei lokalen Veranstaltungen und anderen Gelegenheiten verteilen“, schrieb das Innenministerium auf Twitter zu einem Foto, das eine transparente Plastiktasche mit staatlichem Logo und den drei Dokumenten zeigt, die hineingehörten.
Empfohlener externer Inhalt
Our troopers, along with several law enforcement agencies across the state, want to make it easier for drivers to store the information and for law enforcement to see when motorists are reaching for documents. pic.twitter.com/ZiCF4Ifzac
— MnDPS_DPS (@MnDPS_DPS) September 16, 2021
Nach anfänglicher Kritik an den Täschchen sagte ein Sprecher des Ministeriums dem Magazin Newsweek, dass die Idee zu den gut sichtbaren Beuteln von Valerie Castile stamme, deren Sohn Philando Castile im Juli 2016 bei einer Verkehrskontrolle durch die Polizei Minnesota erschossen worden war.
Harsche Kritik
Ein Beamter hatte den 32-Jährigen angehalten und nach seinen Papieren gefragt. Als Castile nach seinem Geldbeutel griff, erschoss ihn der Polizist – vor den Augen seiner Partnerin und der 4-jährigen Tochter. Seitdem verloren auch weitere ihr Leben bei Verkehrskontrollen durch die Polizei Minnesota, darunter der Afroamerikaner Daunte Wright im April 2021.
„Wir hoffen, dass diese Taschen solche Vorfälle reduzieren helfen, und wenn es nur einer weniger ist“, so der Ministeriumssprecher. In den sozialen Medien aber gab es harsche Kritik an dem Vorschlag.
„Liebes Minnesota, damit könnt ihr nicht so gut angeben, wie ihr denkt. Cops sollten nicht eine Dokumententasche sehen müssen, um nicht zu schießen“, kommentierte die größte Schwarze Bürgerrechtsorganisation der Vereinigten Staaten, die NAACP.
Die Aktivistin Brittany Packnett Cunningham twitterte in Reaktion auf den Vorschlag aus dem Innenministerium: „Amerika: Wo die Polizei dir ein Täschchen gibt, anstatt dich nicht zu töten.“
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert