Prozess gegen rechte Terrorgruppe: „Stimmung reinbringen“

Das Geständnis des Hauptangeklagten erhellt das Vorgehen der Terrorgruppe Freital. Sie soll Anschläge auf Asylbewerberheime verübt haben.

Der Angeklagte Patrick F. (2.v.r.) kommt am 21.03.2017 in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Dresden (Sachsen) zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal.

Patrick F. – hier zu Prozessbeginn am 24. März – möchte unerkannt bleiben Foto: dpa

DRESDEN taz | Am 15.Verhandlungstag gegen die Terrorgruppe Freital ist die Vernehmung des geständigen Patrick F. am Dienstag in Dresden fortgesetzt worden. In der Hauptverhandlung gegen die achtköpfige Gruppe vor dem sächsischen Oberlandesgericht hatte sich F. in der vorigen Woche überraschend geäußert. Er schilderte die Rollenverteilung bei der Vorbereitung von Anschlägen und technische Details.

Der 26-jährige Lagerarbeiter gilt in den Augen der Bundesanwaltschaft neben Timo S. als einer der beiden Rädelsführer der Gruppe. Seine Aussagebereitschaft ist möglicherweise auf die Einlassungen des jüngsten Angeklagten, des 19-jährigen Justin S., Anfang April zurückzuführen. Er wolle „die Last nicht länger mit sich herumtragen“, sagte er in der vorigen Woche. Alle anderen Angeklagten, darunter einer junge Frau, schweigen bislang zu den Vorwürfen der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

Patrick F. war bei den Protesten gegen das geplante Asylbewerberheim im ehemaligen Hotel Leonardo im Sommer 2015 mit späteren Gruppenmitgliedern bekannt geworden. „Hier bist du bei den Richtigen“, habe er spontan gedacht. „Die wollen bisschen Dampf ablassen und Stimmung reinbringen. Ich wollte dazugehören“, bekannte er bei der Befragung am Dienstag.

Gesellenstück: Autobombe

Zuvor hatte er bereits gestanden, mit der Sprengung des Privatwagens des Freitaler Linken-Stadtrates Michael Richter quasi seinen Einstand gegeben zu haben. F. füllte eine Flasche mit Schwarzpulver und Kieselsteinen und führte eine Zündschnur ein.

Patrick F. galt als der Sprengmeister der Gruppe. Organisierte Fahrten zur Beschaffung illegaler Böller in Tschechien habe es aber nur zweimal gegeben. Sonst seien die verwendeten Sprengsätze entweder individuell gekauft oder selbst gebastelt worden. Damit hatte F. zwei Anschläge auf ein Asylbewerberheim verübt. Einen „Denkzettel“ gegen vermutete Drogendealer habe er erteilen wollen.

An der Verwüstung des Linken-Parteibüros in Freital und einem Anschlag auf ein alternatives Wohnprojekt in Dresden sei er aber nicht beteiligt.

Das Wort „Kanaken“ sei ihm rausgerutscht

Als die Richter F. nach seiner Gesinnung befragten und ihm seine Chat-Kommunikation mit der Gruppe vorhielten, brachten sie ihn in Verlegenheit. Richter Jürgen Scheuring zitierte aus Chat-Dokumenten, in denen Ausländer als „fehlerhafte biologische Einheiten, die vernichtet werden müssen“ bezeichnet wurden. „Wichtig ist, dass der Nazi-Terror weitergeht“, heißt es an anderer Stelle bei der Diskussion über einen neuen Anschlag.

F. bekannte sich zwar zu einer rechtsradikalen Haltung, will aber nicht als nationalsozialistisch gelten. Derartiges Gedankengut sieht er eher beim Mitangeklagten Timo S.. Bezeichnungen wie „Kanaken“ seien ihm „leider einmal herausgerutscht“.

Patrick F. sprach mit klarer Stimme, konzentriert und sachlich und hinsichtlich seiner Einstellungen wie ein Beobachter über sich selbst. Die Vernehmung zeigte, dass die Gruppe nicht durchweg geschlossen und straff organisiert handelte. Nebenbei erhellten die Einlassungen des geständigen Angeklagen, dass hinter den bundesweit bekannt gewordenen Krawallen um die Asylbewerber-Erstaufnahme in Heidenau Ende August 2015 sehr wohl organisierte Nazi-Gruppen steckten. Patrick F. war an den Ausschreitungen beteiligt.

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Rechtsextreme Terroranschläge haben Tradition in Deutschland.

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■ Am 19. Februar 2020 erschoss ein Mann in Hanau in Shisha-Bars neun Menschen und dann seine Mutter und sich selbst. Er hinterließ rassistische Pamphlete.

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