Proteste in Venezuela: 2.000 Festnahmen, 20 Tote
Tausende Menschen demonstrieren gegen den Wahlbetrug von Präsident Maduro. Oppositionsführerin María Corina Machado ruft dazu auf, nicht nachzulassen.

Sie rief die Menschen auf, nicht nachzulassen in ihrem Kampf um die Anerkennung des Sieges der Opposition. Laut der Opposition kamen bei den gewaltsamen Zusammenstößen seit der Wahl mindestens 20 Menschen ums Leben. Maduro verschärfte seine Drohungen. Er wirft der Opposition einen versuchten Staatsstreich und Terrorismus vor. Es werde keine Vergebung geben, kündigte er an. „Wir haben 2.000 Festgenommene und wir schicken sie in die Hochsicherheitsgefängnisse Tocorón und Tocuyito“, sagte Staatschef Nicolás Maduro vor seinen Anhängern. „Dieses Mal wird kein Pardon gegeben.“
In den vergangenen Tagen war es zu teils gewaltsamen Protesten infolge der umstrittenen Wahl gekommen. Die Organisation Foro Penal hatte elf Tote bei Protesten am Montag und Dienstag gemeldet. Machado sprach von mindestens 20 Toten. Offiziellen Angaben zufolge gab mehr als 1.200 Festnahmen. Auch Anhänger der sozialistischen Regierung gingen auf die Straße, um Maduro im Machtkampf mit der Opposition den Rücken zu stärken. Die regierungstreue Wahlbehörde hatte den seit 2013 regierenden Sozialisten offiziell zum Wahlsieger erklärt. Allerdings veröffentlichte sie bislang nicht die aufgeschlüsselten Resultate der einzelnen Stimmbezirke.
Immer mehr Länder erkennen Oppositionskandidaten González als Wahlsieger an
Die Opposition wirft der Regierung Wahlfälschung vor und reklamiert den Sieg für ihren Kandidaten Edmundo González Urrutia. Nach eigenen Angaben verfügen die Regierungsgegner über die detaillierten Ergebnislisten aus mehr als 80 Prozent der Stimmbezirke. Demnach soll González 67 Prozent der Stimmen erhalten haben und Maduro nur 30 Prozent.
Die USA und ein halbes Dutzend lateinamerikanischer Länder haben Oppositionskandidat González bereits als Sieger anerkannt. Die Europäische Union, die Organisation Amerikanischer Staaten und zahlreiche Staaten in der Region haben zumindest deutliche Zweifel am offiziellen Wahlergebnis angemeldet.
Schon Maduros Wiederwahl 2018 hatten viele Länder nicht anerkannt. Der damalige Parlamentspräsident Juan Guaidó erklärte sich zum Interimspräsidenten. Die USA, Deutschland und andere Länder erkannten ihn an, er konnte sich aber im Land nicht durchsetzen – vor allem, weil das Militär hinter Maduro stand. Auch jetzt versicherten die Streitkräfte ihm wieder ihre Loyalität.
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