piwik no script img

Proteste in IranÜber 1.200 Menschen verhaftet

Das Regime verhaftet, tötet und verletzte Protestierende. Angesichts des gewaltsamen Vorgehens bestellt die Bundes­regierung Irans Botschafter ein.

afp/dpa/taz | In Iran wurden seit Beginn der Proteste nach Behördenangaben mittlerweile mehr als 1.200 Menschen festgenommen. „Bei den Unruhen in den vergangenen Tagen wurden in Masandaran 450 Randalierer festgenommen“, erklärte der Generalstaatsanwalt der nordiranischen Provinz laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna am Montag. Am Samstag hatten iranische Behörden bereits fast 740 Festnahmen gemeldet. In Masandaran hätten „Randalierer“ „Regierungsgebäude angegriffen und öffentliches Eigentum beschädigt“. Örtlichen Medienberichten zufolge skandierten sie Parolen gegen das Regime.

Auch in der südlichen Provinz Hormosgan wurden über 80 Menschen festgenommen, wie die Nachrichtenagentur Fars berichtete, außerdem Dutzende in den Städten Sandschan im Nordwesten, Kerman im Südosten und Karadsch, westlich von Teheran.

Laut des Journalistenkollektivs IranWire soll in der Stadt Rasht im Nordiran außerdem eine feministische Aktivistin festgenommen worden sein. Sie werde an einem unbekannten Ort festgehalten, auch ein Haftbefehl sei nicht vorgelegt worden.

Der Leiter der iranischen Justizbehörde hatte am Sonntag ein „entschlossenes Vorgehen ohne Nachsicht“ gegen die Protestierenden gefordert.

Mindestens 40 Menschen wurden getötet

Durch die anhaltende Unterbrechung des Internets in Iran ist die Verbreitung von Informationen über die Proteste im Land stark beeinträchtigt, unabhängige Bestätigungen schwer zu bekommen. Augenzeugen berichteten aber der Nachrichtenagentur dpa, dass auch in der Nacht zum Montag in der Hauptstadt Teheran gegen die iranische Führung protestiert wurde. Augenzeugen berichteten weiter, dass die Polizei Hauptstraßen blockiert habe, auch seien Schüsse zu hören gewesen.

Einer nicht näher erläuterten offiziellen Bilanz iranischer Behörden zufolge sind seit Beginn der Proteste über 40 Menschen getötet worden, darunter Demonstranten und Sicherheitskräfte. Die in Oslo ansässige Zivilorganisation Iran Human Rights berichtet von mindestens 57 getöteten Demonstranten.

Angesichts des gewaltsamen Vorgehens gegen die Protestteilnehmer in Iran hat die Bundesregierung am Montagnachmittag den iranischen Botschafter einbestellt.

Auslöser der Proteste, die sich gegen den Zwangshidschab sowie das gesamte Regime richten, war der Tod der 22-jährigen kurdischen Iranerin Mahsa „Zhina“ Amini. Sie starb wohl an einer Hirnblutung, nachdem sie bei einer Kontrolle der Kleiderordnung von der Moralpolizei verprügelt wurde.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Machtkampf!



    Man sollte sich nichts vormachen, das geht in Richtung Machtkampf in welchem die Mullahs alle Register ziehen um ihre Macht zu erhalte.



    Ja klar es ist gut das die Deutsche Aussenministerin den Botschafter einbestellt hat, Fakt aber ist auch dass ausser bloßen Worten das Volk vor allem in der Lage sein sollte den Machtkampf zu bestehen. Dazu gehören leider, neben einer Führung, auch Waffen, soll der berechtigte Aufstand sich nicht im Blutbad zu Gunsten der Mullhas enden.



    Es wird höchste Zeit die Bevölkerung des Iran hier aktiv zu unterstützen, bevor die Hisbolla das im Auftrag der Mullhas tut und die Menschenrechte im Blut erstickt werden.