Protest gegen „Remigrations“-Banner: Pleite für Sellners Netzwerk im Hamburger Stadtpark
Die rechtsextreme Kampagne „Save Europe Act Now“ wollte in Hamburg ein riesiges Banner entrollen. Über Tausend Menschen verhinderten die Aktion.
Foto: Marcus Golejewski/dpa
S ymbolträchtige Bilder wollte die rechtsextreme Kampagne „Save Europe Act Now“ am Sonntag im Hamburger Stadtpark produzieren. Am Planetarium wollte sie ein Banner platzieren: Zwanzig mal zwanzig Meter groß, 400 Quadratmeter. Darauf wollte das Netzwerk um Martin Sellner einmal mehr für die „Remigration“ werben. Der Turm des Planetariums, der als ein Wahrzeichen der Hansestadt gilt, sollte für die Inszenierung als Kulisse dienen.
Doch die Aktion misslang. Schon vor dem geplanten Beginn um 13 Uhr spazierten über 1.000 Gegendemonstrant*innen um die abgesperrte Rasenfläche. Das Hamburger Bündnis gegen Rechts hatte zu einem „antifaschistischen Sonntagsspaziergang“ im Stadtpark aufgerufen.
Auf Transparenten war unter anderem „AfD wählen ist so 1933“ und „Fuck AfD“ zu lesen. Die Polizei forderte die Demonstrierenden auf, die nicht angemeldete Versammlung zu verlassen. Es kam zu Gerangel. Schulter an Schulter gingen die Gegendemonstrant*innen dennoch rund um die Absperrungen spazieren, schließlich wurde die Versammlung angemeldet.
Die bis zu 40 Teilnehmer*innen der rechtsextremen Aktion betraten den Rasen nicht. Stattdessen streamten die rechten Influencer*innen „Außendienstlerin“ (Mary Joanna Esch) und „Weichreite“ (Sebastian Weber) vom abgesperrten Areal. Sie provozierten gezielt Gegendemonstrierende, um Bilder von Eskalationen liefern zu können.
Dies ist seit Längerem die Strategie rechtsextremer Influencer*innen bei antifaschistischem Protest. Die Inszenierung: Sie seien diskussionsbereit, die Antifaschist*innen aber nicht. Diese seien die wahren „Antidemokraten“ und „Faschisten“.
Nach ihren Streams wurden beide von der Polizei vom Gelände gebracht. Zuvor hatten die Gegendemonstrant*innen ihnen zugerufen: „Geht nach Hause“. Bis Montagnachmittag wurde Eschs Stream 57.000-mal aufgerufen. In Kommentaren werden die rechten Streamer*innen gefeiert: „Ihr beide seid mutig, offen und ehrlich.“
Die rechtsextremen Aktivist*innen wurden von der Polizei derweil in den Stadtteil Langenhorn begleitet, um 15 Uhr erreichten sie den Langenhorner Markt.
Verantwortlich für die gescheiterte Kundgebung im Hamburger Stadtpark ist Jan Hoyer. Er ist einer der Sprecher der Kampagne „Save Europe Act Now“ ist. Der Norderstedter ist regelmäßig bei der AfD Schleswig-Holstein und der AfD-Jugend aktiv. In einem Video der Aktion auf Instagram, wo er sich als „stolz deutsch“ bezeichnet, sind knapp 20 Aktive zu sehen. Darunter räumt „jan.offiziell“ ein, dass die „European Street Tour“ in Hamburg unter „denkbar schwierigen Bedingungen“ stattgefunden habe. 1.651 Herzchen finden sich unter dem Clip.
Rechtsextreme Kampagne will Bilder aus vielen Städten
Das erste Treffen des europaweiten Netzwerks „Save Europe Act Now“ fand im Jahr 2025 in Italien statt. Die Kampagne bezeichnet sich als „patriotische europäische Bürgerinitiative“ und fordert, „dass die politische Elite die Ersetzungsmigration“ stoppt, „unsere Grenzen sichert und die ethno-kulturelle Kontinuität der europäischen Nationen schützt“.
Ganz in der Logik des Ethnopluralismus, demzufolge jede Ethnie eine homogene Identität und Biologie aufweise, greift sie das Narrativ des „großen Austausches“ auf, demzufolge die „Eliten“ in Wirtschaft und Politik die einheimische Bevölkerung austauschen wollten. Einer der Fans der Kampagne ist der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke.
Ziel der Kampagne ist, mit Bildern aus vielen europäischen Bildern für die sogenannte „Remigration“ zu werben. In Hamburg ist sie damit erst mal gescheitert.
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