Prognose der EU-Kommission: Corona-Impfstoff kommt später

Die EU-Kommission rechnet erst Anfang 2021 mit einem hierzulande zugelassenen Corona-Impfstoff. Die Staaten sollten jetzt die Verteilung vorbereiten.

Eine Hand mit Handschuh hält eine Spritze.

Es dauert noch: Der Impfstoff der Tübinger Firma Curevac wird noch getestet Foto: Christoph Schmidt/dpa

BRÜSSEL taz | Die EU-Kommission hat die Hoffnung auf einen schnell verfügbaren Corona-Impfstoff gedämpft. Erst Anfang nächsten Jahres sei mit einem von der Europäischen Union zugelassenen Impfstoff zu rechnen, sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Donnerstag in Brüssel. Zudem werde es wohl nicht für alle reichen. „Die Anzahl verfügbarer Impfstoffdosen wird in der ersten Zeit begrenzt sein“, warnte Kyriakides.

Dennoch sollen sich die EU-Staaten schon jetzt vorbereiten. Die 27 Länder müssten sich bei der Produktion und Verteilung eines Impfstoff sowie bei den Prioritäten absprechen. „Wir werden nicht in der Lage sein, das Blatt von einem Tag auf den anderen zu wenden“, so Kyriakides. „Aber alle müssen bereit sein.“ Die nötigen Strukturen und Systeme müssten schnell aufgebaut werden.

Dahinter steht die Sorge, dass ein ähnlicher „Run“ auf den Corona-Impfstoff einsetzen könnte wie derzeit auf Grippe-Medikamente. In einigen Ländern wie Belgien ist der Grippe-Impfstoff bereits vergriffen – dabei hat die Impfsaison gerade erst begonnen. Zudem haben potenzielle Produzenten wie Johnson & Johnson Probleme bei der Entwicklung eines Corona-Mittels. Die US-Firma musste eine Testreihe unterbrechen, die Aktie brach ein.

Weltweit forschen Dutzende Unternehmen an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Russland verfügt nach eigenen Angaben bereits über zwei Wirkstoffe, die USA haben einen Impfstoff für den Herbst angekündigt. Die EU-Kommission hat sich bereits mehr als eine Milliarde Impfdosen gesichert und Vorverträge mit drei Herstellern abgeschlossen – darunter auch Johnson & Johnson.

Warnungen vor Chaos bei der Verteilung

Auf Nachfrage der taz wollte sich die Brüsseler Behörde jedoch weiter nicht zu Details äußern. Man habe mit den Pharmalaboren Vertraulichkeit vereinbart, so Kyriakides. Auch ein Brief des Europaparlaments, in dem die Abgeordneten mehr Transparenz fordern, wurde noch nicht beantwortet. „Wir stehen in engem Kontakt mit dem Parlament und haben nichts zu verbergen“, so die Kommissarin.

Es geht um bis zu 2,7 Milliarden Euro, die die EU-Behörde für so genannte „Advance Purchase Agreements“ – also Vorverträge – und den Erwerb eines Impfstoffs bereit gestellt hat. „Die Impfstoffmilliarden dürfen nicht einfach in den Pharmakonzernen verschwinden, deshalb brauchen wir Transparenz über die Vertragsbestimmungen“, sagte der grüne Europaabgeordnete Rasmus Andresen der taz.

Die Abgeordneten teilen die Sorge der Kommission, dass es zu Chaos und Streit zwischen den EU-Staaten kommen könnte, wenn der erste Impfstoff in der EU zugelassen wird. Zudem ist unklar, wer für mögliche Probleme mit dem neuen Medikament haftet. Auch deshalb fordern die Parlamentarier mehr Transparenz.

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