Pro & Contra Auswärts­torregel

Der Treffer auf dem fremden Platz

Die Uefa diskutiert, ob bei Gleichstand in Wettbewerben weiterhin das Team mit den meisten Auswärtstoren gewinnen soll. Eine Debatte.

Loris Karius schaut hinter sich ins Tor, in das gerade ein Fußball einschlägt

Soll die Auswärtstorregel auch in Champions- und Europa-League abgeschafft werden? Foto: dpa

*** Pro Auswärtstorregel ***

Der Heimvorteil existiert nicht mehr. Das zumindest wäre die Botschaft, wenn die Auswärtstorregel auch in Champions- und Europa-League abgeschafft würde. Vielleicht sollte jemand den Fans in Barcelona oder Dortmund Bescheid sagen, dass sie ihre Gesänge in Zukunft sein lassen können. Anscheinend haben diese ja keinen Einfluss auf Spiel und Ergebnis.

Das wäre eine deprimierende Nachricht für die europäische Fankultur, aber auch für die Spiele in ebenjenen Wettbewerben. Denn ohne die Regel fehlt ein Teil der Attraktivität. Das Auswärtsteam könnte sich 90 Minuten hinten reinstellen, es müsste keinen Mehraufwand betreiben, um unbedingt das wichtige Auswärtstor zu erzielen, das einem selbst bei einer knappen Niederlage noch den Hals retten kann. Stattdessen würde es reichen, das Spiel zu Hause deutlich zu gewinnen oder sich in die Verlängerung zu retten. Von diesen dürfte es dann ohnehin deutlich mehr geben.

Das mag für die eigenen Fans zwar auch spannend sein, aber noch schöner ist doch attraktiver Fußball, in dem beide Mannschaften alles geben – offensiv und defensiv, und als Fan hat man das Gefühl, Teil des Spiels zu sein.

Die Macht der Stadien und der Heimfans sollte man nicht kleinreden, auch nicht zu Zeiten der Sitzplatzstadien mit teuren Tickets. In den größten Stadien Europas wird nicht 11 gegen 11 gespielt, sondern gerne mal 11 gegen 80.000. Dafür steht die Auswärtstorregel. Und dabei sollte es auch bleiben. Carlotta Rust

*** Contra Auswärtstorregel ***

Da kennt sich doch kein Mensch mehr aus: In der Champions League, also der südamerikanischen, wird die Auswärtstorregel nach einer Verlängerung nicht angewendet. Bizarr! Oder schauen wir auf die Halb-Finals im englischen Ligapokal. Da gibt es in der Vorschlussrunde ja üblicherweise ein Hin- und Rückspiel. Und jetzt kommt’s: In diesen Partien wird die Auswärtstorregel nur nach einer Verlängerung, nicht aber nach der regulären Spielzeit angewendet. Es kann also sein, dass sich der Spielstand nach der Verlängerung nicht ändert, aber dennoch kein Elfmeterschießen nötig wird. Hä?

Mit diesem irrsinnigen Kuddelmuddel muss endlich Schluss sein. Der Fußballfan hat ein Recht auf glasklare Verhältnisse. Die Auswärtstorregel, diese riesenhaft klaffende Gerechtigkeitslücke, muss weg. Künftig müssen wir wieder Fußballspiele nach den klaren Regeln der Mathematik auswerten dürfen: Wer in der Summe mehr Tore erzielt hat, ist der Sieger. Punkt. 2 plus 2 ist 4 und nicht 4,5 – alles andere ist Scholastik. Weiche Wissenschaft. Wir müssen wieder zu den harten Fakten zurückkommen, gerade in diesen Zeiten.

Warum so eine Regel nicht nur gegen die hehren Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit, sondern auch gegen die der Regelgerechtigkeit verstößt – Friedrich August von Hayek lässt grüßen –, ist jedem klar, der nicht an die Weisheiten der Fußballfunktionäre glaubt. Sie haben seit 1965 diese absurde Regel etabliert, und erst jetzt wagen es ein paar Revoluzzer, sich gegen diese bis dato legale Schummelei zur Wehr zu setzen.

Schluss auch mit dem lächerlichen Opfermythos, auf den sich Auswärtsteams bis jetzt beriefen: Ach, sie seien ja so benachteiligt im lauten, fremden, feindseligen Stadion. Alles Mumpitz. Wer gewinnen will, muss so ein bisschen Gesinge aushalten. Markus Völker

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben