Pride Parade in Berlin-Marzahn: „Sichtbarkeit ist Widerstand“
Letztes Jahr hatten Rechtsextreme gegen sie mobilisiert: Die Marzahn-Pride findet nun zum siebten Mal statt, bislang ohne angekündigten Gegenprotest.
Eine Woche mit Filmabenden, Diskussionsrunden und gemeinsamen Plakataktionen – die Marzahn-Pride-Week findet am Samstag ihren Höhepunkt: Zum siebten Mal zieht die Marzahn-Pride durch den Bezirk. Organisiert wird sie, wie auch in den vergangenen Jahren, von Quarteera e. V., einem Verein, der sich für queere Menschen aus Osteuropa, Zentralasien und dem Kaukasus einsetzt.
Die Aufklärung über Mehrfachdiskriminierung von queeren Geflüchteten und Migrant:innen ist gerade in einem Bezirk von Bedeutung, in dem viele Menschen mit Migrationsgeschichte, insbesondere Russlanddeutsche, leben. Marginalisierte Menschen sind in Marzahn einer besonderen Bedrohungslage ausgesetzt, verrät ein Blick ins Berliner Register: die Meldestelle für diskriminierende, darunter zum Beispiel rassistisch- oder queerfeindlichmotivierte Vorfälle verzeichnete zuletzt einen „Anstieg körperlicher Angriffe sowie die weiterhin starke Präsenz extrem rechter Propaganda und Akteure im Bezirk“. Erst im März dieses Jahres marschierte die rechtsextreme Kleinstpartei III Weg auf.
Als eine von vielen Pride-Veranstaltungen wurde die Marzahn-Pride im vergangenen Jahr Ziel rechter Bedrohung. Die rechtsextreme Gruppe „Deutsche Jugend Voran“ (DJV) hatte im Vorfeld zu einem „Gegenprotest“ mobilisiert. Fast jeder zweite CSD war 2025 Angriffen, Störungen oder Einschüchterungsversuchen rechter Gruppierungen ausgesetzt. Hinter den Aktionen standen zunehmend junge, teilweise gewaltbereite Neonazis.
Stand jetzt gebe es dieses Jahr keine konkrete Mobilisierung gegen die Marzahn-Pride seitens der rechtsextremen Szene, sagt die Queerbeauftragte Vanessa Krah gegenüber der taz. Auch bei dem bereits stattgefundenen CSD in Eberswalde am 13. Juni zeigte sich ein nur mäßiger Mobilisierungserfolg der rechten Szene – nicht einmal 50 Teilnehmende fanden sich auf der Gegenseite zusammen. Ein Zeichen, dass dieses Jahr mit einer geringeren Bedrohungslage zu rechnen ist?
Keine Entwarnung
Diese Sicherheit gebe es nicht, so Vanessa Krah. Im vergangenen Jahr sei der Neonaziaufmarsch gegen die Marzahn-Pride ebenfalls erst kurzfristig angekündigt worden. Und auch ohne eine konkrete Mobilisierung würden gezielte Einschüchterungsversuche bleiben. Ein bekanntes Muster aus vergangenen Jahren: In der Nacht vor der Pride würden jedes Mal entlang der Route Sticker mit rechter Ideologie angebracht, so die Queerbeauftragte von Marzahn-Hellersdorf.
Umso wichtiger, auch in diesem Jahr auf die Straße zu gehen: sichtbar, laut und solidarisch. Die Parade beginnt um 12 Uhr an der Allee der Kosmonauten und wird von der Queerbeauftragten Vanessa Krah sowie Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit Gordon Lemm eröffnet. Ab 14.30 Uhr folgt ein queeres Nachbarschaftsfest mit Konzerten, DJs, Streetfood und weiteren Programmpunkten. „Sichtbarkeit ist Widerstand“, so lautet das Motto der Veranstaltung.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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