Pressesprecher der Revolutionsgarden tot: Iran verliert seinen wichtigsten Propagandisten
Ein israelischer Angriff tötet Ali Mohammed Naini, Pressesprecher der Islamischen Revolutionsgarden. Für dieses Amt auserwählt hatte ihn einst Chamenei selbst.
Es ist ein „gewaltiger Rückschlag“ für die Revolutionsgarden, schreibt Irananalyst Kasra Aarabi. Ali Mohammed Naini, der Sprecher der Revolutionsgarden, ist tot. Ein Militärschlag Israels in der Nacht zum Freitag, vermeldeten die Garden.
Naini, so Aarabi, sei der „Gründervater der psychologischen Kriegsführung und der Propagandastrategie der Islamischen Republik gewesen. Im Jahr 2024 wurde Naini auf das Amt des Sprechers der Garden berufen – laut Aarabi direkt auf Befehl des Obersten Führers Ali Chamenei. Dieser wurde gleich zu Beginn des Kriegs in Iran durch einen Angriff von USA und Israel getötet.
Das zeige, welch hohen Stellenwert Propaganda in der Strategie Irans einnehme: Der Sprecher der Garden untersteht seit 1989 dem Obersten Führer. Der Sprecher selbst ist für alle Veröffentlichungen der Garden zuständig, sowie für die Koordination mit Medien, darunter auch der staatliche Rundfunk Irans, oder die den Garden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim sowie die Agentur Fars News.
Dass Naini 2024 berufen wurde, stand wohl im Zusammenhang mit dem Tod von Ismail Hanijeh, Leiter des Politbüros der Hamas, berichtet das New Lines Magazine. Er kam bei einem gezielten israelischen Angriff in Teheran um. Damals zeigte sich, wie tief die Infiltration des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad innerhalb der Revolutionsgarden wohl reichte.
Naini stand unter Sanktionen
Kein gutes Bild, das die Garden da abgaben. Also musste Abhilfe her. Das New Lines Magazine schrieb damals, seine Ernennung sei ein deutliches Zeichen dafür, „dass das Büro des Obersten Führers sich darauf vorbereitet, die Operationen der IRGC im Bereich der psychologischen Kriegsführung zu intensivieren, und es beabsichtigt, die Kontrolle über deren Propaganda-, Kommunikations- und PR-Maßnahmen besser zu koordinieren“.
Dass Naini dafür auserwählt wurde, ist kein Wunder. Er gilt als Architekt des „Soft War“ der Revolutionsgarden – also der Kriegsführung abseits tatsächlicher Kämpfe. Eben beispielsweise durch Propaganda. Und Teil dieser ist, das Bild einer Islamischen Republik zu zeichnen, die trotz aller wirtschaftlichen Probleme, Proteste und Unzufriedenheit im Land eben doch eine starke Nation ist. Oder sich als Alternative zur US-geführten Welt zu präsentieren.
Zum Thema Propaganda hatte er auch zwei Bücher verfasst, und er lehrte nach Medienberichten als Professor für Sozialwissenschaften an der Imam-Hossein-Universität in Teheran, die von den Revolutionsgarden betrieben wird. Er stand außerdem unter Sanktionen seitens Großbritanniens.
Auch Israels Militär bezeichnete ihn als „wichtigsten Propagandisten“ der Garden. Er habe Terroranschläge gegen den Staat Israel gefördert. Israel erklärte zudem, man werde weiterhin gegen Kommandeure und wichtige Vertreter der iranischen Führung vorgehen.
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