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Pogačar und La VueltaAuf der Jagd nach den letzten Zielen

Nach seinem Tour-Sieg zeigt sich Tadej Pogačar frisch und unternehmungslustig. Ziel bei der Spanienrundfahrt ist nun, das Grand Tour-Triple zu holen.

Tadej Pogačar ist für immer neue Schreckmomente gut. Gerade noch gewann er seine fünfte Tour de France so leicht, als handele es sich um einen Abendspaziergang am Seine-Ufer. Er war so wenig gestresst dabei, dass er in der letzten Tourwoche schon ans Kräftesparen im Hinblick auf die Spanienrundfahrt denken konnte, wie Menschen aus seinem Umfeld versicherten. Und kurz bevor er in seiner Wahlheimat Monaco die Vuelta a España unter seine Pedalen nimmt, ließ sein Agent Alex Carrera durchblicken, dass noch schnell Vertragsverhandlungen unter Dach und Fach gebracht werden sollen.

Eine Verlängerung bis 2032 steht im Raum. Pogačar selbst hatte in den vergangenen Monaten immer mal wieder Radsportmüdigkeit angedeutet und als letztes großes Ziel den Olympiasieg 2028 ins Auge gefasst. Mancher Rivale frohlockte schon, sah Siegeschancen für sich selbst am Horizont heraufdämmern.

Jetzt muss man sich im Straßenradsport noch länger auf Verhältnisse wie in der Bundesliga einstellen. Pogačar und sein Team UAE Emirates sind das Radsport-Bayern, nur eben nicht auf nationaler, sondern auf globaler Ebene.

Das Drehbuch für die am Samstag in Monaco beginnende Spanienrundfahrt ist daher schnell geschrieben. Pogačar wird den Stadtkurs in seiner Wahlheimat vielleicht nicht gleich gewinnen. Aber er hat hübschen Heimvorteil und dürfte als Schnellster der Gesamtklassement-Anwärter über den weißen Strich rasen, der sonst den Formel-1-Piloten vorbehalten ist. Das erste Mal wird er schon am dritten Tag, beim Anstieg nach Font Romeu, seine Kräfte so richtig spielen lassen. Und spätestens beim Bergspektakel in Andorra am vierten Renntag wird er für deutliche Konturen im Klassement gesorgt haben.

Heimvorteil für den Slowenen

Früh Furcht und Schrecken verbreiten und danach den Vorsprung verwalten – so lautet seit einigen Jahren seine Strategie für Grand Tours. Das spart Kräfte. Und es gibt Gelegenheit, auch Teamkollegen mal siegen zu lassen und so für gute Stimmung im weißen UAE-Bus zu sorgen.

Gut, Pogačars Trainer Jeroen Swart warnte. „Die Vuelta ist lang und hart, selbst für so jemanden wie Tadej“, meinte der Südafrikaner. Aber dass Pogačar ausgerechnet in diesem Jahr das fehlende Schmuckstück zu seiner Grand Tour-Kollektion aus fünf Tour-Siegen und einem beim Giro d’Italia holen will, hat auch mit einigen begünstigenden Konditionen zu tun.

So fällt etwa die Anreise zum Grand Départ sehr kurz aus. Pogačar wohnt in Monaco. Den Zeitfahrkurs zum Auftakt dürfte er vom Kaffee trinken her kennen. Reisestrapazen gleich null. Dann war die Tour de France zuvor auch weniger herausfordernd als gedacht. Hauptrivale Jonas Vingegaard war früh in die Schranken gewiesen und fiel durch Sturz schließlich komplett aus. Pogačar konnte seine Belastungen ganz wie gewollt steuern und setzte in der letzten Woche seinen Ehrgeiz vor allem darein, seinen Teamkollegen und Superbuddy Isaac Del Toro mit aufs Podium zu hieven.

Ein möglicher Vuelta-Start war ohnehin ins Jahresprogramm eingespeist. „Der Rennkalender war so geplant, dass er noch genug mentale Frische nach der Tour haben sollte, um die Vuelta, wenn er das wirklich wollte, fahren zu können“, erklärte Swart dem Branchendienst Cyclingnews.

Abseits vom Rad ein Edelfan

Und Pogačar wollte. Ganz im Unterschied zum letzten Jahr, als diese Option ebenfalls offen war, er aber auf dem Siegerpodium in Paris so ausgelaugt wirkte, dass manche sogar von einem vorzeitigen Karriereende munkelten.

Nein, anno 2026 wirkt Pogačar wieder frisch und unternehmungslustig. Die Freundschaft mit Youngster Del Toro mag eine Rolle dabei spielen. Der Slowene genießt aber auch die Zeit abseits vom Rad. Bei der Tour de France Femmes feuerte er bei mehreren Etappen seine Verlobte Urška Žigart an. Er ließ sich sogar als Edelfan vom belgischen Sportportal Sporza filmen.

Das Team gewährte ihm diese Auszeit – wohl wissend, dass es bei Pogačars Leistungsklasse verstärkt auf Motivation und mentale Frische ankommt. „Deshalb verzichteten wir auch auf ein Höhentrainingslager. Seine physische Leistungsfähigkeit ist unvergleichlich. Für ihn kommt es darauf an, interessiert und motiviert zu bleiben“, meinte Swart. Erst fröhlich entspannt als Urška-Fan und dann motiviert genug, um in den Klub der Grand Tour-Triplesieger zu gelangen, es Größen wie Eddy Merckx und Bernard Hinault gleichzutun, aber auch dem Hauptrivalen Vingegaard diesen kleinen Vorteil zu rauben.

Der Däne machte im Frühjahr mit seinem Giro-Sieg den Rundfahrt Grand Slam perfekt, tritt nach seinem Tour-Sturz in diesem Jahr aber zu keinem Rennen mehr an und kann deshalb auch seinen Vuelta-Titel nicht verteidigen. Alles andere als ein Durchmarsch von Pogačar wäre eine Riesenüberraschung.

Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz ist lediglich, dass die Helferriege des Slowenen bei dieser Vuelta so schwach besetzt ist wie wohl noch nie bei einer Rundfahrt, die Pogačar gewinnen wollte. Die Kölner Hügellokomotive Nils Politt fehlt, ebenso Bergspezialisten der Güteklasse Del Toro und Adam Yates. Aber all das münzt der slowenische Kapitän wahrscheinlich in Extramotivation für sich selbst um.

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