Podcast „Brennpunkt“: Unter linken Freunden
Können Laberpodcasts politisieren? Im Fall vom Duisburger „Brennpunkt“-Podcast schaffen es die Hosts, unterhaltsam, aber informativ zu bleiben.
„Ich habe 'Fick die Polizei’ ernst genommen“, scherzt Abdul Kader Chahin sarkastisch, als er in Folge 89 des Podcasts Brennpunkt von einer Dating-Erfahrung mit einer Polizistin erzählt. Brennpunkt ist der Podcast aus Duisburg-Marxloh. Wöchentlich stehen rund eine Stunde Humor, Politik und Fitna, wie Chahin seine temperamentvollen Rants zu nennen pflegt, auf dem Menü. Gemeinsam mit dem Sozialarbeiter Malte Küppers und dem Autor Burak Yilmaz hostet Chahin den Podcast.
Die drei reden frei drauflos, fallen einander ins Wort und brechen in Gelächter aus. So schimpfen Küppers und Yilmaz etwa auf Nagelsmanns mangelhafte Entscheidungen („Deniz Undav fehlte auf dem Spielfeld!“). Oder sie besprechen, was bei ihnen im Privatleben ansteht, wie es etwa beim Dating aussieht.
Doch es bleibt nicht beim Banalen, ihre Gespräche nehmen häufig eine politische Wendung. Denn Chahins Rendezvous bleibt nicht beiläufig, die Story geht noch weiter. Er habe ja so oft versucht, bei ihren Treffen über strukturelle Probleme bei der Polizei zu sprechen. „Aber die verstehen es nicht,“ resümiert er schließlich. So wird aus einer persönlichen Anekdote ein subtiler Verweis auf systemische Probleme bei den Ordnungshüter*innen, die sich individuellen Lösungen entziehen.
Dieser Ablauf ist typisch für das Format. Brennpunkt verbindet die seichte Unterhaltung eines Laberpodcasts mit politischer Haltung. Trotz der ständigen Wechsel zwischen Leichtigkeit und Ernst bleibt der Podcast gut zugänglich, weil die Interaktionen spontan und nicht inszeniert wirken. Der Austausch erinnert an einen Grillabend mit Freund*innen: spontan, direkt, manchmal patzig und ungelenk. Gerade das macht ihn so authentisch.
Der Podcast fängt sich selbst ein
Mitunter stößt der nonchalante Begriffscocktail an kritische Grenzen. In der ersten Folge etwa geht es um Verschwörungstheorien rund um 9/11. „Digga, es wäre ja so geil, wenn das wahr wäre,“ flachst Chahin. Klar, das stinkt nach gefährlicher Vereinfachung. Aber der Podcast fängt solche Momente gekonnt wieder ein. Da übernimmt Yilmaz die Rolle der Einordnung, plädiert für Vorsicht und Reflexion im Umgang mit diesen Ideologien. Im versöhnlichen Ausgang der Situation dröseln sie die Mythen schließlich gemeinsam auf.
Solche Formate haben Potenzial, sagt zumindest eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu linken Podcasts. Die Autor*innen der Studie erkennen in ihnen Chancen der Politisierung: Yilmaz, Küppers und Chahin ordnen Themen in einen klaren politischen Kontext ein und können ihr Publikum so zum Umdenken bewegen.
Ob Podcast-Fans vom Hören in die politische Beteiligung kommen, ist offen. Wie nachhaltig sie sich mit den Inhalten auseinandersetzen, auch. In linken Podcasts allein eine große politische Wende zu vermuten, ist wenig mehr als eine Fantasievorstellung.
So oder so ist der Podcast aber ehrlich, lustig und herzlich. Chahins Entschuldigungen am Ende einer Folge, „zu viel Fitna“ geschoben zu haben, sind entbehrlich. Denn die Stärke von Brennpunkt liegt in der Unverfälschtheit. Die Diskussionskultur von Küppers, Yilmaz und Chahin könnte so manche dazu bewegen, Konflikte gelassener auszutragen.
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