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Pläne für den Neustart des ICCUnlauteres Spiel über Bande

Uwe Rada

Kommentar von

Uwe Rada

Mit Spannung wurden die Pläne des Senats für die Neunutzung des ICC erwartet. Doch dann die Enttäuschung: Nicht einmal die Finanzierung steht.

W arum ein Fass ohne Boden stopfen, wenn man es auch verschenken kann? Dann stopfen andere das Loch, und auch nach anderen Regeln. Keine überforderten Ingenieure wie am BER, sondern Enthusiasten. Kulturleute. Alternative Projektentwickler. Dann hält das Fass wieder. Und mit ihm kommt so manches ins Rollen.

Vielleicht war das ja die Ausgangsidee, als Franziska Giffey, damals noch Regierende Bürgermeisterin, im Januar 2023 die vielleicht letzte Rettungsinitiative für das zum Lost Place verkommene Internationale Congress Centrum ICC verkündet hatte. Sie wolle ein „modernes Centre Pompidou für Berlin“, sagte Giffey.

Nach Protesten, unter anderem aus der Kulturszene, war der Senat unter Druck geraten, einen Neustart am ICC zu wagen. Wenn schon Sanierung des 2014 stillgelegten und arg maroden Kolosses, so die Idee, dann nicht durch die landeseigene Berliner Immobilien Management GmbH BIM. Sondern durch die, die einmal das neue ICC bespielen wollen: Akteure aus Kunst, Kultur, Tourismus, Gastronomie.

Am Mittwoch wurde nun das Ergebnis eines Konzeptverfahrens vorgestellt, das im Grunde auch eine Art Interessenbekundungsverfahren war. Und das ist, um es gleich vorwegzunehmen, ambivalent.

Positiv ist, dass neben klassischen Projektentwicklern wie der MIB AG Immobilien auch Entwickler am Start sind, die ein Gefühl haben für einen Ort und seine möglichen Nutzerinnen und Nutzer. In Leipzig hat die Coloured Fields GmbH mit der Sanierung der Baumwollspinnerei einen Ort mit Mehrwert geschaffen. Aber ist das auch am ICC möglich?

Auch was für TU, Philharmonie und ZLB?

Ganz so sicher sind sich die Projektentwickler, die am Mittwoch ihre Pläne vorstellen durften, auch nicht. Bevor das Grundstück in Erbpacht an sie vergeben wird, sollen weitere zwei Jahre ins Land gehen. Da hört man in Berlin schon wieder die Nachtigall trapsen.

Und selbst wenn Franziska Giffey versichert, dass keine öffentlichen Mittel aus dem Landeshaushalt in die Sanierung des ICC fließen sollen, reichen die Bordmittel der Investoren und die zu erwartende Rendite offenbar nicht aus. Also will man sich um Fördermittel bemühen. Hätte man sich das nicht schon eher überlegen können?

Das Loch, das im Fass ohne Boden namens ICC zu stopfen ist, ist nicht kleiner geworden in der Zwischenzeit. Von 200 Millionen Euro Sanierungskosten hat der Senat im Januar 2023 gesprochen. Nun ist von mehr als 400 Millionen die Rede.

Kein Wunder, dass da auch allerlei Akteure ins Spiel gebracht werden, für die in einem sanierten ICC Platz wäre. Für die Philharmoniker etwa, deren Stammhaus ab 2032 saniert werden muss. 354 Millionen Euro sind für einen Alternativstandort eingeplant, berichtet der Tagesspiegel.

Und auch von der Zentral- und Landesbibliothek und der TU ist die Rede, deren marodes Hauptgebäude weiter geschlossen ist. Sollen also nicht die alternativen Projektentwickler das Loch stopfen, sondern Berliner Kultureinrichtungen? Es wäre eine Subvention durch die Hintertür, ein unlauteres Spiel über Bande. Von wegen kein Cent aus dem Haushalt.

Jede Menge Fragezeichen

All das sind schon genügend Fragezeichen, die an den Neustart gehängt sind. Das größte ist aber der Bau zweier Hotels, mit denen aus dem Lost Place ein Living Place werden soll. Um die Rentabilität der beiden Neubauten, die mit jeweils 150 bis 200 Millionen Euro veranschlagt werden, muss sich keiner Sorgen machen. Um die der Sanierung des ICC dagegen schon.

Kein Wunder, dass die Berliner Grünen beklagen, dass der Senat die Zukunft des ICC einmal mehr vertagt habe. „Wünschen allein reicht nicht“, meint deshalb der grüne Stadtentwicklungsexperte Julian Schwarze. „Eine gute Idee muss auch realisierbar sein und auf einer soliden Finanzierung stehen.“

Vielleicht kommt es aber noch schlimmer. Was ist, wenn die Subventionierung durch die Hintertür scheitert und das ICC ein Lost Place bleibt? Mit dem Unterschied nur, dass drum herum dann zwei Hotelhochhäuser stehen. Können sich die Investoren dann die Hände reiben, und Franziska Giffey muss den Nächsten suchen, der das Fass ohne Boden stopft?

Oder abreißt?

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Uwe Rada

Uwe Rada Redakteur taz.Berlin

Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Weitere Schwerpunkte sind Osteuropa und Brandenburg. Zuletzt erschien bei Bebra sein Buch "Morgenland Brandenburg. Zukunft zwischen Spree und Oder". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow und in Grunow im Schlaubetal.
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