Pläne der Bundesregierung: Ökonom*innen kritisieren Abkehr vom Verbrenner-Aus scharf
Bundesregierung und Auto-Lobby wollen nach 2035 weiter neue Verbrenner zulassen. Namhafte Ökonom*innen halten das für gefährlich.
Foto: Daniel Vogl/dpa
afp | Führende Ökonom*innen haben die absehbare Lockerung der CO2-Vorgaben für Neuwagen in der EU scharf kritisiert. Die Abkehr vom sogenannten Verbrenner-Aus löse weder die aktuellen Probleme der Hersteller, noch sichere sie Industriejobs in Deutschland, sagte die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, die Volkswirtin Monika Schnitzer, der Süddeutschen Zeitung. „Würde man diese Arbeitsplätze retten, wenn man das Verbrenner-Aus jetzt verschiebt? Ich fürchte, das Gegenteil ist der Fall.“
Voraussichtlich am Dienstag sollen in Brüssel die Pläne vorgestellt werden, welche Autos ab 2035 noch in der EU zugelassen werden können. Dass das Komplettverbot für Verbrenner fallen dürfte, ist schon seit Monaten absehbar, die Bundesregierung hatte sich dafür eingesetzt. Gleichzeitig setzte sich die EU vergangene Woche ein neues Klimaziel.
Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise
Schnitzer kritisiert, wie widersprüchlich die Signale aus Brüssel und Berlin sind, zumal viele Unternehmen längst investiert hätten. Wenn von einem deutschen Konkurrenzvorteil beim Verbrenner die Rede sei, „kann ich nur sagen: kurzfristig vielleicht“, sagte Schnitzer. „Aber heute nutzt auch niemand mehr ein Tastenhandy.“
Auch die Ökonomen vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen IMK und Anita Wölfl vom Ifo-Institut äußerten sich skeptisch. „Ich halte das alles vor allem für eine Symboldebatte: E-Autos und Plug-in-Hybride werden bis 2035 für die allermeisten Anwendungen sowieso das bessere Produkt sein“, sagte Puls.
Welches Interesse verfolgen die Manager?
Das Problem der deutschen Hersteller sei weniger das Verbrenner-Aus, sondern eher der technische Rückstand, zum Beispiel bei den Batteriezellen, fügte Dullien an. „Deshalb kann man sich schon die Frage stellen, welches Interesse die Manager in den Autokonzernen verfolgen: Wollen sie kurzfristig möglichst hohe Gewinne machen oder arbeiten sie im langfristigen Interesse der Industrie und der Beschäftigten?“
Eine zweigleisige Strategie zwischen E- und Verbrenner-Fahrzeugen hätten Konzerne schon zu lange gefahren, kritisierte Wölfl. „Das lohnt sich aber auf Dauer nicht.“ Die meisten Hersteller investierten deshalb schon jetzt nicht mehr in Benziner und Diesel. „Woher sollten also in den nächsten Jahren plötzlich neue Verbrenner-Modelle kommen?“
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