Petition fordert bundesweiten Feiertag: Ein Gedenktag reicht nicht
Mit einer Petition fordern 175.000 Unterzeichnende, den 8. Mai als bundesweiten Feiertag einzuführen. Der Bundestag lehnte das zuletzt ab.
Es sind 175.000 Unterschriften, welche die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) am Donnerstag an Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) übergab, der derzeit Bundesratspräsident ist. Die Forderung: Der 8. Mai, der Tag der Befreiung von der NS-Diktatur, müsse bundesweit gesetzlicher Feiertag werden.
„Die militärische Zerschlagung des Faschismus durch die Alliierten, Partisan*innen und Widerstandskämpfer*innen als Befreiung zu begreifen, bedeutet die richtigen Schlüsse zu ziehen und auch so zu handeln“, heißt es in der Petition. Sonntagsreden reichten im Kampf gegen Rechtsextremismus nicht aus. Ein offizieller bundesweiter Feiertag wäre dagegen eine „regelmäßige Verpflichtung“.
Die Forderung hatte ursprünglich die 2021 verstorbene Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano erhoben, die zuletzt Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Ehrenpräsidentin der VVN-BdA war. Die Petition verleiht diesem Vorstoß nun noch einmal Nachdruck.
Ramelow nahm diese am Donnerstagmorgen in Erfurt entgegen. Er habe sich dazu „sehr gerne“ bereit erklärt und werde die Petition an die anderen Bundesländer übermitteln, erklärte der Linken-Politiker. Ramelow verwies darauf, dass Thüringen den 8. Mai bereits 2015 als Gedenktag einführte. Anders als an einem Feiertag muss an einem solchen Tag dennoch gearbeitet werden – dieses Jahr fällt der Tag aber ohnehin auf einen Sonntag.
Auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist der 8. Mai ein offizieller Gedenktag. Berlin beging das Datum 2020 einmalig als Feiertag – anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung. Zuletzt hatte auch der DGB gefordert, den 8. Mai zum bundesweiten Feiertag zu machen. Der 8. Mai sollte ein „Tag gegen Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung werden, der die Erinnerung an die Schrecken der Vergangenheit wach hält“. Zudem sei der Tag „ständige Mahnung, dass die Idee der Ungleichwertigkeit von Menschen längst kein Relikt der Vergangenheit ist“.
Auch die Linke hatte zuletzt im Bundestag beantragt, den 8. Mai zum bundesweiten Gedenktag zu machen. „Ein Datum von so herausragender historischer Bedeutung sollte angemessen gewürdigt werden“, erklärte die Partei. „Der 8. Mai 1945 war für Millionen Menschen ein Tag der Hoffnung und Zuversicht.“ Ein entsprechender Antrag der Linken im Bundestag scheiterte aber vor wenigen Tagen.
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