Panama Papers und die Banken

Sprachrohr der Sünderbranche

Michael Kemmer vom Bankenverband hält für die Geldhäuser den Kopf hin. Wie er nun Briefkastenfirmen entschuldigt, überrascht aber doch.

Panama-Flagge an einem Containerschiff

Die Enthüllungen haben so einiges ins Wanken gebracht Foto: dpa

Dieser Job ist bestimmt kein Spaß. Michael Kemmer ist seit über fünf Jahren oberstes Sprachrohr des Bundesverbandes der Deutschen Banken (BdB) – spielt also für viele in einer Symphatieliga mit Inkassofirmen, Mafia und Beulenpest.

Als Hauptgeschäftsführer des BdB muss Kemmer derzeit fast schon rituell viel Trauerflor um seine Statements flechten: Der Branche geht es mau. Filialen schließen, Belegschaften schmelzen. Das bisschen Regulierung nach der Krise buchstabieren einige Geldhäuser wie Strangulierung. Die Niedrig-, Null- und Strafzinspolitik der EZB ist zudem Gift für ihre Bilanzen: An Zinsen haben sich viele Banken jahrzehntelang gesundgestoßen.

Außerdem muss Kemmer qua Amt für die Vergehen geradestehen, die seine über 200 Mitgliedsbanken ausgeheckt haben. Und diese Liste ist verdammt lang. Kemmers oberster Boss, der Präsident des BdB, ist immerhin Jürgen Fitschen, Ko-Chef der Deutschen Bank. Deren Sündenregister ließe sich auf einer gesamten taz-Doppelseite kaum abdrucken.

Dass Kemmer nun die Panama Papers als „Riesenskandalisierungsmaschine“ verurteilte und sich sogar für Offshorefirmen starkmachte, ist eigentlich wenig verwunderlich. Seltsam nur, wie der gebürtige Bayer sein Plädoyer begründete: Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen wie Panama seien unabdingbar, um dort Schiffe ausflaggen zu können.

Ergo: Reeder brauchen eine Firma vor Ort, um ihre Schiffe unter Billigflaggen fahren lassen zu können und so Geld bei der Crew zu sparen. Also keine Sozialversicherungsbeiträge, keine Tariflöhne. Seltsam nur: Laut den Papers gibt es 214.488 Briefkästen allein bei der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama – allerdings fährt kein einziges deutsches Handelsschiff unter panamaischer Flagge.

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