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Siedlergewalt im WestjordanlandPalästinensischer Aktivist erschossen

Im Westjordanland tötet ein Siedler einen Mit­arbeiter des Films „No Other Land“. Der Siedler stand bis vor Kurzem auf der US-Sanktionsliste.

Judith Poppe

Aus Berlin

Judith Poppe

Im Schatten des Gazakrieges spitzt sich die Situation im Westjordanland täglich zu. Am Montagabend wurde im südlichen Teil des Westjordanlandes der palästinensische Aktivist Odeh Hadalin Augenzeugen und Medienberichten zufolge von einem israelischen Siedler angeschossen und schwer am Oberkörper verletzt. Im Krankenhaus im israelischen Beer­sheva erlag er seinen Verletzungen.

Der Fall ereignete sich im Dorf Umm al-Kheir im Gebiet Massafer Yatta. Er ruft auch deswegen einen internationalen Aufschrei hervor, weil Odeh Hadalin bei den Dreharbeiten zum Dokumentarfilm „No Other Land“ mitgearbeitet hatte, der 2024 einen Oscar gewann.

Hadalin war ein Freund des Co-Regisseurs Basel Adra, der im Mittelpunkt der Handlung steht. Das jüdisch-palästinensische Regieteam zeigt in der Dokumentation den Versuch von Adra und anderen Dorfbewohner*innen, die Zerstörung ihrer Community in Massafer Yatta durch das israelische Militär und israelische Siedler abzuwenden. Das Gebiet wurde Anfang der 1980er Jahre zur israelischen Sperrzone erklärt, seitdem versucht das israelische Militär, die Be­woh­ne­r*in­nen zwangsumzusiedeln.

„Odeh ist gestorben. Er wurde ermordet“, schreibt der jüdisch-israelische Co-Regisseur von „No Other Land“, Yuval Abraham, am Montag auf X. Dazu postete er ein Video, das mit einer Handykamera aufgezeichnet wurde und mutmaßlich die Situation zeigt, die dem Mord voranging.

Angriffe stehen auf Tagesordnung

In der Aufzeichnung ist zu sehen, wie der Siedler Yinon Levi mit einer Schusswaffe auf Menschen zielt und schießt. Er wurde am Montag von der israelischen Polizei zum Verhör festgenommen. Levi ist ein bekannter rechtsextremer Siedler, der auf der EU-Sanktionsliste steht. Unter US-Präsident Joe Biden wurde er auch auf die US-Sanktionsliste gestellt. Der amtierende US-Präsident Donald Trump hat die Sanktionen jedoch aufgehoben.

Angriffe von Siedlern stehen in Massafer Yatta auf der Tagesordnung. Die Nichtregierungsorganisation B'tselem beobachtet und dokumentiert die Menschenrechtsverstöße dort und in anderen Teilen des Westjordanlandes. Seit dem 7. Oktober sind die Angriffe brutaler und häufiger geworden, sagt der Sprecher von B’tselem, Yair Dvir, gegenüber der taz.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Militär werde immer offensichtlicher. So würden die Siedler mitunter auch mit Waffen und in Uniformen der israelischen Armee in die palästinensischen Dörfer eindringen und die Menschen dort bedrohen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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