Palästinensische Terrororganisation PFLP: Mehrere Kilo Sprengstoff, mit Nägeln gespickt
Nach seinem Auftritt bei der Linken in Berlin-Neukölln beteuert Dahabflex, nie zu Gewalt aufgerufen zu haben. Doch was heißt „Intifada wie die PFLP“?
Foto: Murad Sezer/AP
„Yalla yalla Intifada“, sang der Musiker Dahabflex vor wenigen Tagen auf der Bühne einer Wahlkampfveranstaltung der Linken in Berlin-Neukölln. „Entsetzt“ sei sie, sagte die Berliner Spitzenkandidatin Elif Eralp. Warum denn, fragen nun manche aus dem Umfeld der Neuköllner Linken und der palästinasolidarischen Szene – „Intifada“ heiße schließlich lediglich „Aufstand“ und der könne ja auch friedlich sein. Und Dahabflex selbst erklärte, er habe keineswegs zu Gewalt gegen Zivilist*innen aufgerufen.
Eine Aussage, die sein eigener Liedtext Lügen straft. Dahabflex beschreibt sehr genau, welche Art von Intifada er meint. Er singt von „Intifada wie die PFLP“, also wie die marxistisch-leninistische Volksfront zur Befreiung Palästinas. Er singt von „Leila-Khaled-Style“. Er singt „Georges Abdallah is’ jetz’ frei“.
Ein kurzer (und unvollständiger) Überblick über das, was hinter diesen Zeilen steckt:
„Intifada wie die PFLP“
Februar 2002: In einem Einkaufszentrum in der Siedlung Karnei Shomron im Westjordanland sprengt ein Selbstmordattentäter sich in einer Pizzeria in die Luft. Er trägt eine mehrere Kilogramm schwere und mit Nägeln gespickte Bombe am Körper. Drei Teenager sterben, 27 Menschen werden verletzt.
März 2002: In der Lobby eines Hotels in der Siedlung Ariel sprengt sich ein Attentäter in die Luft. 15 Menschen werden verletzt.
Mai 2002: Ein als IDF-Soldat verkleideter Attentäter sprengt sich auf einem Markt in der israelischen Stadt Netanya in die Luft. Sein Bombengürtel ist mit Nägeln und Schrauben gespickt. Neun Menschen sterben, rund 60 werden verletzt.
April 2003: Vor der belebten Bahnstation der Stadt Kfar Saba im Zentrum Israels sprengt ein Selbstmordattentäter sich in die Luft. Ein Sicherheitsmann versucht, ihn zu stoppen. Er kommt ums Leben – ihm ist es zu verdanken, dass es darüber hinaus nur 13 Verletzte gibt.
Dezember 2003: An einer Bushaltestelle am Stadtrand von Tel Aviv sprengt sich ein Attentäter in die Luft. Vier Menschen sterben, 16 weitere werden verletzt.
Mai 2004: Ein Selbstmordattentäter verübt einen Anschlag auf einen Militärkontrollpunkt nahe der Siedlung Bekaot im Norden des Westjordanlands. Fünf Menschen werden verletzt – ein israelischer Soldat und vier Palästinenser.
November 2004: Auf dem belebten Carmel-Markt im Zentrum von Tel Aviv sprengt sich kurz vor Mittag ein Selbstmordattentäter an einem Käsestand in die Luft. Er trägt 5 Kilo Sprengstoff am Körper. Drei Menschen sterben, rund 30 werden verletzt.
„Leila-Khaled-Style“
August 1968: Die PFLP-Mitglieder Leila Khaled und Salim Isaawi entführen ein Flugzeug, das von Rom eigentlich nach Israel fliegen sollte, ins syrische Damaskus. Die syrischen Behörden halten zunächst sechs Israelis fest, die letzten beiden werden erst im Dezember im Austausch gegen über 70 ägyptische und syrische Soldaten freigelassen.
September 1970: Leila Khaled schlägt gemeinsam mit anderen PFLP-Mitgliedern erneut zu; mehrere Passagierflugzeuge werden in einer konzertierten Aktion innerhalb kurzer Zeit angegriffen. Während drei Entführungen erfolgreich sind, scheitert die einer El-Al-Maschine unter Beteiligung Khaleds. Ihr Partner wird erschossen, sie zunächst verhaftet. Kurze Zeit später wird sie gegen bei den anderen Entführungen genommene Geiseln eingetauscht und nach Ägypten ausgeflogen.
Die beiden Entführungen sind Teil einer Reihe solcher Angriffe: Zwischen 1968 und 1972 begeht die PFLP mindestens acht versuchte oder vollzogene Flugzeugentführungen.
„Georges Abdallah is’ jetz’ frei“:
1982: Im Laufe des Jahres werden zwei Diplomaten – ein US-Amerikaner und ein Israeli – in Frankreich erschossen. Zwei Jahre später wird Georges Abdallah, gebürtiger Libanese und PFLP-Mitglied, verhaftet. In Abdallahs Wohnung war die Tatwaffe gefunden worden, er wird schließlich als Komplize bei der Ermordung der beiden verurteilt. 41 Jahre lang sitzt er in Haft, bevor er 2025 entlassen und in den Libanon abgeschoben wird.
Die Liste der durch die PFLP begangenen Terrortaten ließe sich weiter verlängern. Um die Erschießung des Tourismusministers Rehavam Ze’evi 2001 in Jerusalem. Um zwei Teenager, die 1969 durch eine Bombe in einem Supermarkt ums Leben kamen. Um 28 Tote am Ben-Gurion-Flughafen, die der PFLP-Terrorist Waddie Haddad 1972 zusammen mit Mitgliedern der japanischen Terrororganisation „Japanische Rote Armee“ niederschoss. Um einen Angriff mit Messern und Äxten auf eine Synagoge in Westjerusalem im Jahr 2014 mit vier Toten.
Und letztlich um die Rolle der PFLP am 7. Oktober 2023. Hauptverantwortlich war die Hamas für das Massaker an 1.200 und die Geiselnahme von 251 Menschen in Israel – doch weitere palästinensische Gruppen beteiligten sich, darunter die PFLP. Sie hielt den 41-Jährigen Tal Haimi aus dem Kibbutz Nir Yitzhak in Gaza fest, erst im Oktober 2025 wurde sein Leichnam zurück nach Israel gebracht und konnte bestattet werden.
Georges Abdallah nannte den 7. Oktober später eine „wichtige Operation“, „hinsichtlich des Zeitpunkts und der Wirksamkeit sehr gut“. Leila Khaled sprach ebenfalls von einer „historischen Operation“ und sagte, der 7. Oktober „musste sein“. Auch das ist also „Leila-Khaled-Style“.
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