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Organisatorin über Liebe via Powerpoint„Wir schaffen nicht nur einen Ort zum Daten“

Bessere Quote als Bumble: Flinta* stellen Single-Friends mit einem Pitch vor. Wieso es dabei auch um Safe Spaces geht, erklärt Nina Weßling.

Interview von

Linn Bertelsmeier

taz: Nina Weßling, Sie veranstalten seit vergangenem Herbst immer wieder Dating-Events in Hamburg. Dabei stellen Flinta* ihre single Freun­d:in­nen mit Powerpoint-Präsentationen einem Publikum vor. Warum stehen die Singles bei „Pitch Me, Baby!“ nicht selbst auf der Bühne?

Nina Weßling: Ich fände es total komisch, mich selbst vorzustellen und zu sagen: Hello, ich bin toll und single! Obwohl das bei den Online-Dating-Profilen eigentlich genau so funktioniert. Aber auf einer Bühne ist das nochmal eine andere Überwindung. Da tendieren viele dazu, sich selbst ein bisschen herunterzuspielen.

taz: Was ist anders, wenn Freun­d:in­nen einen beschreiben?

Weßling: Freun­d:in­nen können viel besser erkennen, was einen ausmacht. Und warum es toll ist, mit der Person eine Beziehung zu führen, egal auf welcher Ebene. So wertschätzend, wie sie über einen sprechen, würde man selber wahrscheinlich nie über sich reden. Und als zuschauende Person bekommt man auch direkt einen Einblick: Mit was für Menschen umgibt sich die Person und wie gehen die miteinander um? Das gibt es beim Online-Dating nicht.

Im Interview: Nina Weßling

27, arbeitet im Haus 73. Dort veranstaltet sie Veranstaltungen für Flinta*, weil ihr Safe Spaces in Hamburg fehlten.

taz: Hat die Vorstellung durch Freun­d:in­nen nicht auch das Potenzial, dass es peinlich werden kann?

Weßling: Nee. Alle, die hier jemanden vorstellen, wünschen der Person schließlich ein Match. Tatsächlich habe ich mich beim letzten Mal auch vorstellen lassen. Zu sehen, wie meine Freun­d:in­nen mich wahrnehmen, das war überhaupt nicht peinlich, sondern einfach nur toll.

taz: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie auf der Bühne die Präsentation über sich selbst gesehen haben?

Weßling: Vorab habe ich mir Gedanken gemacht, ob das nicht komisch aussieht, wenn ich das Event veranstalte und selber gepitcht werde. Aber als ich da saß und gesehen habe, wie viel Mühe meine Freun­d:in­nen sich gegeben haben, war ich richtig berührt. Ich habe nur noch gedacht: Oh Gott, ist das süß!

Flinta*-Dating

„Pitch Me, Baby! Oops, I did it again“, Sonntag, 29.3, Einlass ab 19 Uhr, Haus 73, Schulterblatt 73, Hamburg. Eintritt auf Spendenbasis, Anmeldung ist nicht nötig, nur wer jemanden pitchen möchte, schreibe eine Mail an flintastica.hh@gmail.com

taz: Und hat sich danach jemand bei Ihnen gemeldet?

Weßling: Ja, danach kam jemand auf mich zu. Wir haben dann unsere Nummern ausgetauscht und daten aktuell.

taz: Wissen Sie auch von anderen Teilnehmenden, bei denen aus einem Powerpoint-Pitch mehr geworden ist?

Weßling: Beim letzten Dating-Event wurden zehn Singles vorgestellt. Acht von ihnen haben nach der Veranstaltung jemanden gedated. Meine beste Freundin hat so tatsächlich ihre Partnerin gefunden! Beim ersten Powerpoint-Dating habe ich sie als Single vorgestellt. Nach dem Pitch haben die beiden sich kennengelernt und sind seitdem ein Paar.

taz: Was hat Sie dazu bewegt, ein Dating-Event nur für Flinta* zu machen?

Weßling: Räume nur für Flinta* fehlen in Hamburg komplett. Soweit ich weiß, gibt es keine einzige Lesbenbar. Deswegen habe ich den Instagram-Account Flin­ta*Sti­ca ins Leben gerufen. Erst waren das nur einzelne Veranstaltungen für Flinta*, mittlerweile organisiere ich regelmäßig Treffen. Damit schaffen wir nicht nur einen Ort zum Daten. Hier können Leute aus der Community sich generell kennenlernen und austauschen.

taz: Und wie nimmt die Community das an?

Weßling: Das Dating-Event läuft seit Beginn richtig gut. Beim ersten Mal sind über 180 Menschen gekommen, der Saal war komplett voll. Beim letzten Mal musste ich leider sogar ein paar nach Hause schicken. Es ist auch okay, wenn nicht je­de:r von ihnen glaubt, die große Liebe über Powerpoint zu finden. Manche freuen sich einfach auf einen schönen Abend mit ihren Freund:innen.

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