Olympia-Zuschlag für München: Jetzt ist der Osten komplett raus
Nach dem Ausstieg Berlins hatten zumindest Rostock und Markkleeberg noch auf Olympia hoffen können: Sie gehörten zur Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region.
Foto: Marijan Murat/dpa
Eines steht fest, lange bevor das Internationale Olympische Komitee 2029 über die Standorte der Olympischen Spiele 2036, 2040 und die deutsche Bewerbung darüber entscheidet: In Ostdeutschland werden dann auf keinen Fall Medaillen vergeben. Denn die erfolgreiche Bewerbung von München sieht, anders als das Konzept der unterlegenen Rhein-Ruhr-Region, dort keine Wettkämpfe vor. Zur kurzfristig zurückgezogenen Berliner Bewerbung gehörten noch mehr ostdeutsche Standorte.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte am Samstag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden entschieden, mit der Münchner Bewerbung ins Rennen zu gehen. Die sieht fast alle Wettkämpfe im Raum München vor. Ausnahmen sind die für Kiel in Schleswig-Holstein geplanten Segelwettbewerbe und Fußballspiele in Stuttgart und Karlsruhe in Baden-Württemberg.
Die Rhein-Ruhr-Bewerbung hingegen plante die Segelwettbewerbe vor Rostock-Warnenünde. In Markkleeberg gleich südlich der Leipziger Stadtgrenze waren die Wildwasserkanu-Wettkämpfe vorgesehen. Die Bewerbung sah sich als „einziges gesamtdeutsches Konzept“, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hatte die Bewerbung ein „starkes Zeichen für ein vereintes Deutschland“ genannt.
Nach der Nichtberücksichtigung durch den DOSB zeigte sich Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger enttäuscht. Die Linkspartei-Politikerin hatte, anders als ihre Parteifreunde in Berlin, München und Hamburg, eine Olympiabewerbung begrüßt. „Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland hätten aus meiner Sicht eine besondere Chance geboten, ein gesamtdeutsches Projekt auch durch die Wahl der Austragungsorte sichtbar zu machen“, äußerte sich Kröger. „Diese Chance wird nun nicht genutzt.“
Berlins Konzept sah Wettkämpfe in vier Bundesländern vor
Der auch nach der Abgeordnetenhauswahl vorerst weiter von CDU und SPD getragene Berliner Senat hatte seine Bewerbung drei Tage vor der DOSB-Entscheidung in Baden-Baden gekippt. Sie sah neben Rostock und Merkkleeberg auch Leipzig, Brandenburg an der Havel und Bad Saarow als Wettkampforte vor, hätte also die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen beteiligt.
Laut Regierungschef Kai Wegner und dem Olympia-Beauftragten Kaweh Niroomand hatten mehrere Sportverbände, die vorher angeblich Berlin favorisierten, ihre Unterstützung wegen einer möglichen neuen Landesregierung unter Führung der Linkspartei zurückgezogen. „Wir wollten nicht in Baden-Baden mit einer einstelligen Stimmenanzahl aus der Runde gehen. Das hat Berlin nicht verdient“, hatte der Olympia-Beauftragte am Donnerstag die Absage begründet.
Der Stimmungswechsel soll Wegner und Niroomand zufolge nicht an der kurz zuvor veröffentlichten Bewertung durch eine DOSB-Kommission gelegen habe. Die hatte die Berliner Bewertung deutlich schwächer eingestuft als die aus München und aus der Rhein-Ruhr-Region.
Für Wegner ist der Zuschlag für die bayerische Landeshauptstadt ein weiterer Rückschlag. Er mochte nach dem Rückzug Berlins zwar keine Präferenz für eine der beiden verbliebenen Bewerbungen äußern. Ließ aber Sympathien für die Rhein-Ruhr-Region erkennen, weil dort auch Ostdeutschland beteiligt sei.
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