Özdemir plant Tierhaltungskennzeichnung: Ferkelchen bleibt außen vor

Gut, dass Agrarminister Özdemir die neue Tierhaltungskennzeichnung vorschreiben will. Aber sie wird das Leben nur weniger Tiere wirklich verbessern.

Ein Ferkel schaut in die Kamera

Die Kennzeichnung soll sich nur auf Schweine und auf den letzten Abschnitt ihres Lebens beziehen Foto: Bernd Thissen/dpa

Bundesagrarminister Cem Özdemirs Plan für eine Tierhaltungskennzeichnung ist nur ein kleiner, erster Schritt in die richtige Richtung. Das staatliche Siegel für Fleisch wird vorerst das Leben lediglich weniger Tiere bedeutend verbessern.

Positiv ist, dass die Eckpunkte, die der Grünen-Politiker nun vorgestellt hat, eine Pflicht zur Kennzeichnung vorsehen. Auch Fleisch aus schlechteren Haltungsformen soll nach dem Willen des Ministers für die VerbraucherInnen erkennbar sein. So können sich die KäuferInnen gegen diese Produkte und für tierfreundlichere entscheiden. Das könnte dazu führen, dass die Nachfrage nach dem „besseren“ Fleisch steigt, sodass die Bauern auch mehr Tiere artgerechter halten. Die Kennzeichnungspflicht hatten CDU und CSU jahrelang blockiert, sie wollten nur ein freiwilliges Label, das die weniger tierfreundlichen Betriebe natürlich nicht genutzt hätten. Deshalb ist Özdemirs Vorstoß besser als das Nichts, das die ehemalige Große Koalition bei dem Thema zustande gebracht hat.

Doch der Plan des schwäbischen Vegetariers hat vor allem ein Manko: Seine Kennzeichnung soll sich nur auf Schweine und auf den letzten Abschnitt ihres Lebens beziehen. Es geht also lediglich um die laut Statistischem Bundesamt rund 11 Millionen Mastschweine. Die anderen 13 Millionen Schweine, wie zum Beispiel Ferkel, die 11 Millionen Rinder und 159 Millionen Hühner bleiben außen vor. Ob Özdemir es während dieser Legislaturperiode schafft, auch diese Tiere einzubeziehen, steht in den Sternen.

Die Kriterien der fünf geplanten Stufen sind zudem sehr beschränkt und teils zu lasch. Die Kategorie „Stall“ entspricht dem gesetzlichen Standard. Aber die höheren Stufen „Stall + Platz“, „Frischluftstall“ und „Auslauf/Freiland“ verlangen im Wesentlichen nur mehr Platz, Kontakt zum Außenklima oder Auslauf. Keine Rolle spielt etwa, ob der Stall mit Stroh eingestreut wird, obwohl das sehr wichtig ist, damit sich Schweine artgerecht beschäftigen können und nicht aus Langeweile gegenseitig verletzen.

Egal ist auch, ob den Tieren die Ringelschwänze abgeschnitten werden. Lediglich in der Stufe „Bio“ ist das ausgeschlossen. Doch selbst konventionelle Landwirte mit vorbildlicher Tierhaltung erreichen diese Stufe nicht, weil sie kein Ökofutter verfüttern. Wie gesund die Tiere sind, soll ebenso wenig Kriterium sein. Dabei sind durch die Haltung bedingte Gesundheitsschäden auch bei Bio ein Problem. Die Art der Transporte und der Schlachtung ist bei den Ökos umstritten. Doch auch diese Bereiche sind nicht von der Kennzeichnung erfasst.

Das sind erhebliche Defizite. Die Ampel sollte sie bei den Beratungen im Bundestag abbauen und sicherstellen, dass viel mehr Tiere viel artgerechter gehalten werden.

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Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik, Pestizide, Verbraucherschutz und die Lebensmittelindustrie. 2018, 2017 und 2014 Journalistenpreis "Grüne Reportage". 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2013 nominiert für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.

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