Nordkoreas Diktatorenschwester: Kim Yo Jong macht die Hardlinerin

Das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea kühlt zunehmend ab. Jetzt droht die Schwester von Machthaber Kim Jong Un mit Vergeltungsmaßnahmen.

Portraitfoto von Kim Yo Jong.

Kim Yo Jong, 30 oder 32 Jahre alt, ging in Bern zur Schule Foto: Jorge Silva/reuters

BERLIN taz | „Ich spüre, dass es an der Zeit ist, mit der südkoreanischen Regierung zu brechen.“ Mit diesen Worten zitierten Nordkoreas Staatsmedien am Wochenende Kim Yo Jong, die jüngere Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un. „Das Recht, die nächste Aktion gegen den Feind zu unternehmen, wird dem Generalstab unserer Armee anvertraut“, erklärte sie. Es sei besser, eine Reihe von Vergeltungsmaß­nahmen zu ergreifen, als Erklärungen abzugeben. Wie das aussehen könnte, sagte sie nicht, doch wurden ihre Drohungen in Südkorea ernst genommen.

Anlass für ihren Zorn sind Ballons mit antikommunistischen Flugblättern, die Aktivisten vom Süden in den Norden geschickt haben. Pjöngjang nutzt die Ballons, um so Druck auf die Regierungen in Seoul und Washington zu wirtschaftlichen wie diplomatischen Zugeständnissen zu machen.

Dabei fällt auf, dass die Drohungen eben nicht aus dem Mund des Diktators selbst kommen, sondern dem seiner Schwester. Die war bisher als seine wichtigste Beraterin für sein propagandistisches Erscheinungsbild zuständig. Doch seit einiger Zeit steht sie selbst stärker im Rampenlicht. Als ihr Bruder im April fast drei Wochen nicht mehr öffentlich gesehen wurde und Gerüchte über eine Erkrankung kursierten, sahen Medienspekulationen sie bereits als Nachfolgerin. Die Kim-Dynastie beherrscht Nordkorea seit drei Generationen.

Doch inzwischen ist Machthaber Kim wiederaufgetaucht. Jetzt wird spekuliert, dass er seine Schwester mit den Drohungen vorschiebt, um den Druck auf Donald Trump wie Südkoreas Präsidenten Moon Jae In zu erhöhen, ohne selbst die Brücken zu diesen abzubrechen. Die beiden hatten mit viel persönlichem Einsatz versucht, ein freundschaftliches Verhältnis mit ihm aufzubauen, um ihn zu atomarer Abrüstung zu bewegen.

Großer Auftritt zum Auftakt der Olympischen Winterspiele

Kim Yo Jong, die 30 oder 32 Jahre alt sein soll, ging einst mit ihrem Bruder streng abgeschirmt unter falschem Namen im schweizerischen Bern zur Schule. Sie hat ihn bereits zu wichtigen Treffen wie denen mit Trump oder Moon begleitet. Weil das Kim-Trump-Treffen 2019 in Hanoi mangels US-Zugeständnissen von Pjöngjang als Fehlschlag gewertet wurde, soll Kim Yo Jong zeitweise ihren Sitz im Politbüro verloren haben.

Die frühere Informatikstudentin, die mit einem Sohn von Nordkoreas nominellem nordkoreanischen Staatsoberhaupt verheiratet sein soll, hatte ihren eigenen großen Auftritt bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang. Dort vertrat die gelegentlich als Nordkoreas Ivanka Trump Bezeichnete mit einer Charme­offensive ihren Bruder. Zugleich war sie das erste Mitglied der Kim-Dynastie seit Ende des Koreakriegs 1953, das den Süden besuchte.

Von ihrem Charme merkt Südkorea seit März nichts mehr, als sie erstmals gegen ­Seoul polterte, das Raketentests des Nordens kritisiert hatte. Die USA hatten sich von ihr weniger einlullen lassen und sie schon 2017 wegen ­schwerer Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea auf eine schwarze Liste gesetzt.

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