piwik no script img

Niedersachsens AfD-ChefHampel bläst Parteitag ab

Der niedersächsische AfD-Vorsitzende Hampel hat den Sonderparteitag in Hannover nun doch abgesagt. Seine Kritiker sprechen von „historischem Tiefpunkt“.

Andreas Speit

Aus Hamburg

Andreas Speit

Die Landtagsfraktion der AfD in Niedersachsen führt Dana Guth bereits an. Den Landverband will sie anführen und eigentlich wollte am Wochenende gegen den bisherigen Landesparteichef Armin-Paul Hampel antreten. Das wird nun aber nichts, denn Hampel sagte den Sonderparteitag in Hannover-Misburg per E-Mail ab.

Bereits im Dezember hatte Hampel den Parteitag abgesagt, dann setzte er ihn wieder an und nun wieder ab. Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Streit über den Landesparteichef: Hampels Kritiker werfen ihm seine Nähe zum Bundesvorsitzenden Alexander Gauland und diktatorisches Verhalten vor. Für den Parteitag im Bürgerhaus in Hannover-Miesburg lagen Anträge für Hampels Abwahl bereit.

Die endgültige Absage habe der Landesvorstand mehrheitlich beschlossen, sagt Hampel. Als Grund führt er an, dass das AfD-Landesschiedsgericht die vom Landesvize Jörn König ergangene Einladung aus formalen Gründen für nicht rechtsgültig halte. Es bestünde „das Risiko, dass das Landesschiedsgericht gezwungen sein könnte, die Ergebnisse eines Landesparteitages am 13./14. Januar 2018 für null und nichtig zu erklären“, sagt Hampel.

Die Nachricht verstimmt König, der auch den Landesvorsitz übernehmen möchte und seit Monaten versucht, im Vorstand Mehrheiten gegen Hampel zu finden. König und weitere Hampel-Gegner haben nun auch eine E-Mail an die Mitglieder versendet, in der sie Hampels Absage als „einen erneuten historischen Tiefpunkt“ der Landesverbandsgeschichte bezeichnen. Und König, der mit Hampel in der Bundestagsfraktion sitzt, kündigte an, alles daran setzen zu wollen, dass der Landesparteitag am Wochenende stattfinden könne. Der AfD-Landtagsabgeordnete Peer Lilienthal sagt, dass sich wohl am heutigen Samstag entscheide, ob sich die Tür zum Parteitagsort öffnet oder nicht.

Guth hofft indes, dass „die tiefen Gräben innerhalb“ des Landesverbandes geschlossen werden und „die bestehende Lagerbildung“ überwunden werde.

Parteitag oder nicht, Protest ist auf jeden Fall angekündigt. „Auch wenn die AfD nicht kommen sollte, wollen wir ein Zeichen gegen rechte Hetze setzen“, sagt Mariel Reichard, Sprecherin der grünen Jugend Hannover.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

0 Kommentare