Neurologische Dysfunktion bei Musiala: Die kurzen Aussetzer des Jamal Musiala
Der Nationalspieler ist innerhalb weniger Tage zweimal auf dem Platz zusammengebrochen. Nun hat er öffentlich gemacht, dass er an sogenannten Absencen leidet.
Foto: Frank Hoermann/Sven Simon/imago
Mehr als 1,2 Millionen Herzen sind Jamal Musiala auf seinem Instagram-Account von Dienstagabend an bis zum Mittwochvormittag zugeflogen. Die Anteilnahme ist groß. Der deutsche Nationalspieler und Profi des FC Bayern München hat sich seinen Followern mit einem Foto präsentiert, auf dem er von hinten beifallklatschend zu sehen ist. „Ich bin besonders dankbar für eure Nachrichten und euren Support“, schrieb er in seinem ausführlichen Post und offenbarte erstmals, dass er an Absencen leidet – einer neurologischen Dysfunktion. Absencen sind eine Form von Epilepsie, die vor allem bei Kindern auftritt. Dabei setzt das Bewusstsein für wenige Sekunden aus.
Die kollektive Sorge um den Gesundheitszustand von Musiala nahm am Samstag bei einem Freundschaftsspiel gegen RB Leipzig seinen Anfang. Nur 17 Minuten nach seiner Einwechslung brach er ohne erkennbaren Grund zusammen und verließ den Platz erst nach mehrminütiger Behandlung. Die erste Diagnose lautete Hitzschlag – bei 33 Grad Celsius eine plausible Erklärung.
Dass dies eine Schutzbehauptung war, um die Privatsphäre von Musiala so gut wie möglich zu wahren, fiel dann am Dienstagabend auf. Beim Freundschaftsspiel in Heidenheim wiederholte sich das Szenario – diesmal bei Temperaturen unter 20 Grad. Dieses Mal nach nur vier Minuten auf dem Feld sackte Musiala erneut ohne Fremdeinwirkung zusammen. Nach ärztlicher Versorgung verließ er den Platz selbstständig.
Spätestens jetzt war klar, dass sein Gesundheitszustand öffentlich diskutiert werden würde. Musiala entschied sich, die Initiative zu ergreifen, und erklärte auf Instagram: Bei ihm seien „gut behandelbare Absencen“ diagnostiziert worden, „welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind“. In Absprache mit seinen Ärzten habe er dennoch gespielt, da abgesehen von den Absencen kein gesundheitliches Risiko bestehe. Diese könnten zwar „scary“ wirken, doch er sei in bester medizinischer Betreuung und optimistisch. Gleichzeitig bat er darum, das Thema im Kreis seiner engsten Vertrauten, des Vereins und der Experten zu belassen.
Der Verein wusste schon vorher Bescheid
So verbieten sich auch an dieser Stelle weitergehende Spekulationen über das Veröffentlichte hinaus. Den Verein konnte die Absencen von Jamal Musiala nicht überraschen. „Wir wussten und wissen Bescheid“, bekannte Sportvorstand Max Eberl. Der Verein überließ es Musiala, die Informationen selbst zu veröffentlichen.
In den meisten Fällen sind Absencen mithilfe von Medikamenten gut kontrollierbar. Stress zu vermeiden, senkt das Risiko zusätzlich. Der FC Bayern geht davon aus, dass Musiala seine Karriere fortsetzen kann. Was die beiden Vorfälle für seine unmittelbare Zukunft bedeuten, bleibt jedoch unklar. Nach seiner schweren Sprunggelenksverletzung bei der Klub-WM im Juli 2025 hatte er sich erst mühsam zurückgekämpft. Bis zur WM im Sommer fand er jedoch noch nicht zu alter Form.
Ob Trainer Vincent Kompany den 23-Jährigen bereits am Samstag beim Supercup gegen Borussia Dortmund oder beim Ligastart gegen den VfB Stuttgart einsetzen wird, scheint angesichts der gegenwärtigen Aufregung eher unwahrscheinlich. Die Verantwortlichen müssen angesichts der immensen öffentlichen Aufmerksamkeit die nächsten Wochen mit viel Feingefühl agieren. Das ist keine einfache Angelegenheit. Selbst wenn die Ärzte grünes Licht geben, könnten erneute Bilder von Musialas Absencen auf die Öffentlichkeit weiterhin „scary“ wirken. Es wird ein Lernprozess sein – auch für das Publikum.
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