Neuer Berliner Flughafen BER: Kaum eröffnet, schon blockiert

Am Samstag eröffnet mit neun Jahren Verspätung der neue Berliner Flughafen. KlimaaktivistInnen finden, er könne gleich wieder schließen.

Flugzeuge der Linie Easyjet strehen vor dem Flughafengebäude

Passagierflugzeuge auf dem Vorfeld von Terminal 1 des neuen Berliner Flughafens Foto: Patrick Pleul/dpa

BERLIN taz | Mit neun Jahren Verzögerung soll der neue Berliner Flughafen am Samstag endlich eröffnet werden – doch Klima-Aktivist*innen und Bürgerinitiativen fordern, dass der BER gleich wieder geschlossen und umgewidmet wird. Ein neuer Flughafen sei „in Zeiten der Klimakrise absoluter Wahnsinn“, sagte Lena Tucnak von der Gruppe „Am Boden bleiben“ am Freitag.

Man wolle niemandem das Fliegen verbieten, sondern eine Diskussion anstoßen: „Unsere Botschaft ist es nicht, Leute persönlich verantwortlich zu machen, sondern das System zu kritisieren, das den Flugverkehr systematisch bevorteilt. Wenn es legal ist, die Klimakrise durch unnötigen Flugverkehr zu befeuern, ist es mehr als legitim, dass wir blockieren“, erklärte Lena Tucnak. Corona habe gezeigt, dass es möglich sei, vor allem Inlandsflüge und geschäftliche Flüge drastisch zu reduzieren.

Die Politökonomin Maja Göpel hat mit „Unsere Welt neu denken“ einen Besteller geschrieben. Wir haben mit ihr über mögliche Zukünfte, das Befreiende von Verboten und eine Kindheit unter Hippies gesprochen – in der taz am wochenende vom 31. Oktober/1. November. Außerdem: Ein Blick auf die letzten Tage vor der US-Präsidentschaftswahl. Und: Das Wichtigste zum Corona-Teil-Lockdown. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und rund um die Uhr bei Facebook und Twitter.

Clara Dilger von Extinction Rebellion Berlin ergänzt: „Wir fordern eine drastische Reduktion der Luftfahrt, die Einstellung von Inlandsflügen, ein Ende der Subventionen für die Flugindustrie sowie den Ausbau von klimagerechten Alternativen.“ Welche das sein könnten, zählt Charlie Reinhardt von BUNDjugend Berlin auf: funktionierender und bezahlbarer Zugverkehr in Europa, sichere Rad-Infrastruktur in urbanen Räumen und flächendeckender ÖPNV, vor allem auf dem Land.

Der als „Pannenflughafen“ berüchtigte BER wurde bereits in den 1990er Jahren geplant. Der erste Spatenstich erfolgte 2006, anstatt der ursprünglich geplanten 2 kostete der Flughafen fast 6 Milliarden Euro. Die zuletzt für den Juni 2012 geplante Eröffnung wurde vier Wochen vorher abgesagt – die Brandschutztüren öffneten sich nicht zuverlässig. In den Folgejahren gab es zu kurze Rolltreppen, Probleme beim Schallschutz und mit der Entrauchungsanlage. Architekturbüros, Chefs und Aufsichtsräte wurden ausgewechselt. Jetzt soll der BER am 31. Oktober eröffnet werden, ausgerechnet zwei Tage vor dem erneuten Teil-Lockdown – unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Feierlichkeiten, dafür aber begleitet von Demonstrationen und Blockaden.

Hunderte als Pinguine verkleidete Aktivisten

Die Initiative „Am Boden bleiben“ hat angekündigt, die Eröffnung „massiv zu stören“. Hunderte Aktivist*innen wollen am Samstag als Pinguine verkleidet „entschlossen, ungehorsam und kreativ“ die BER-Eröffnung blockieren. Die Initiative will trotz der Corona-Pandemie nicht auf Protest verzichten, hat aber ein Hygienekonzept erstellt, dass feste Bezugsgruppen, Abstand, einen „Schnabelschutz“ und ein Rückverfolgungskonzept vorsieht.

Darüber hinaus planen Fridays for Future Berlin, Extinction Rebellion, BUND Jugend Berlin und Brandenburg sowie weitere Initiativen ab 10 Uhr einen Protestmarsch ab S-Bahnhof Schönefeld und eine Fahrraddemo ab Platz der Luftbrücke in Tempelhof. Bürgerinitiativen wollen außerdem zwei Mahnwachen vor dem Haupteingang des neuen Terminals 1 durchführen.

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