BER und klimafreundliches Fliegen : Alle fliegen jetzt auf Öko
Der BER ist in Betrieb. Es gab Proteste von Klimaaktivist*innen – und Sonntagsreden vom klimafreundlichen Fliegen. Aber geht das überhaupt?
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S ie haben es nicht geschafft: Die angekündigte Blockade der Eröffnung des Pannenflughafens BER am vergangenen Samstag kam nicht zustande. Die Ehrengäste redeten, die ersten Flugzeuge landeten, der BER ist nun wirklich in Betrieb. 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich.
Aber die Proteste der Klimaaktivist*innen im Terminal 1, davor und rund um den BER waren nicht umsonst. Denn tatsächlich war die Klimakrise neben Corona das zentrale Thema des Eröffnungswochenendes. Fast jeder, der glaubte, etwas zur Eröffnung zu sagen zu haben (es waren tatsächlich nur Männer), betonte die Problematik – und nannte andere Lösungsansätze.
Der Chef von Easyjet glaubte zwar an eine schnelle Erholung der wegen der Pandemie wichtigsten Airline am BER, erklärte aber zugleich, dass die Luftfahrtindustrie die CO2-Emissionen deutlich reduzieren müsse. Sein Lufthansa-Kollege berichtete, man habe aus diesem Grund extra klimafreundlichen Sprit in die Eröffnungsmaschine getankt.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wiederum nahm sogar direkt Bezug auf die Demonstrationen am BER: „Wir stehen unter immensem Druck.“ Seine Lösung: Nicht weniger fliegen – „wir brauchen den Flugverkehr“ –, sondern die Versorgung des BER mit umweltfreundlicher Energie aus Brandenburg. Da sei das Land bundesweit Vorreiter.
Tickets teurer machen
Berlins mitregierende Grüne sehen das ein bisschen anders. Es müsse weniger geflogen werden, hatte ihre Fraktionschefin Antje Kapek im taz Talk vor der Eröffnung gesagt. Eine Möglichkeit dafür: Die Tickets teurer machen. „Fliegen ist bisher zu günstig, das muss einen angemessenen Preis haben.“ Als Land und Miteigentümer habe man darauf Einfluss, indem man etwa die Entgelte für Abflüge und Landungen erhöhe.
Wo viele Positionen zusammenkommen wie in diesem Fall, besteht die Gefahr, dass statt eines Kompromisses – ein bisschen teurer, technische Aufrüstung der Flugzeuge, mehr Ökoenergie – der problematische Status quo dauerhaft erhalten bleibt, weil niemand von sich aus Zugeständnisse machen möchte. Zudem haben alle drei Eigentümer, also der Bund, Berlin und Brandenburg, ein ökonomisches Interesse, dass der BER viel Geld bringt, schließlich ist die Flughafengesellschaft in argen finanziellen Schwierigkeiten, nicht nur durch Corona.
Im Rückblick könnten die ganzen Reden zur Eröffnung als Paradebeispiel für Greenwashing gelten, also das Vortäuschen eines ökologischen Verhaltens oder Vorhabens. Das darf aber nicht passieren. Ein Grund ist die Begrenzung der Erderhitzung, wozu Flugverkehr viel beiträgt.
Ein anderer, den meisten Politiker*innen im wahrsten Sinne des Wortes naheliegenderer, ist, dass man nach den vielen Verzögerungen beim Bau des BER auf jeden Fall darauf verzichten sollte, den Flughafen zu erweitern. Eine Pannengeschichte dieser Dimension reicht für mehrere Generationen.
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