Neue Musik aus Berlin: Unerhört im Club
Sich beim Tanz blamieren war noch nie so schön: Impérieux setzt auf seinem Album „Rezil“ Casio-Synthesizer und den ein oder anderen schrägen Ton ein.
S chändlich. Das nennt einem das Wörterbuch als eine mögliche Übersetzung des türkischen Worts „rezil“. So nennt der Berliner Produzent Alper Durmush alias Impérieux auch sein Debütalbum. Doch „Rezil“ hat nichts Schändliches oder Blamables, wie sich der Ausdruck ebenfalls verstehen lässt. Was der im bulgarischen Kardschali geborene Durmush bietet, lässt im Club vielmehr aufhorchen. Mindestens.
Impérieux mag rollende Breakbeats, die er mit leicht schrägen Tönen aufraut. Manche Frequenzen klingen für an die hierzulande übliche gleichschwebende Stimmung gewohnte Ohren vielleicht sogar schief. Doch das ist alles eine Frage des Kontexts.
Bei Impérieux könnte man vermuten, dass er auf Skalen zurückgreift, die im Raum um Kardschali, in der Nähe zur Türkei wie Griechenlands gelegen und laut Presseankündigung seit Alters her ein Zentrum für „mythische Musik“, verbreitet sind und eine längere Tradition haben.
Impérieux: „Rezil“ (Macro/Alive)
Gerade im Titelstück bekommen seine Melodien einen markant mediterranen Einschlag. Doch nicht als Klischee, sondern als etwas Unerhörtes, wie gesagt, abhängig davon, wen man gerade fragt. Durch den Einsatz eines Casio-Synthesizers klingt das Ergebnis zudem schön plärrig. Ähnlich unerhört der Hochgeschwindigkeitseinsatz der Daira-Trommel im Stück „Imana“, dessen Beatfundament unterdessen heftig synkopiert nach vollem Körpereinsatz verlangt. Da kann man sich im Zweifel als Publikum entgrenzt im Club blamieren. Und es wird gut so sein.
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