piwik no script img

Neue Musik aus BerlinIn feinstem Stoff

Organza Ray haben ihrer neuen Single den wärmenden Namen „I Wear Your Coat Inside Me“ gegeben. Am Sonntag sind sie bei „biegungen“ im ausland zu hören.

W enn ein eben noch fremder Mantel von innen wärmt, dann ist Liebe im Spiel: „I Wear Your Coat Inside Me“ sprechsingt Eleni Poulou im dreiminütigen Song gleichen Titels, der mit einem für Popmusik ungewöhnlichen Instrumentarium eingespielt wurde: Poulou am Bass und Hilary Jeffery an Posaune und Computer. Das Duo firmiert unter dem Namen Organza Ray.

Der Hymnus an die Zuneigung ist im September auf Bandcamp erschienen, wäre allerdings auch die perfekte A-Seite einer Vinyl-Single. Auf die B-Seite käme „Flimmer“, das 12-minütige Instrumental, aus dem Organza Ray den Mantel geschnitten haben. Posaune und Synthesizer, Glocken und Atmosphäre haben da mehr Platz, und fertig wäre eine Maxi-Single im alten Stil.

Beide Titel markieren die Pole, zwischen denen sich Organza Ray bewegen: Poulou hat viele Jahre Keyboard bei The Fall gespielt, jener Rockband, in der ein offenes Ohr für die Avantgarde und Händchen für Melodien gefragt waren. Jeffery kennt man in Berlin als Mitglied von Zeitkratzer, jenem Ensemble, das unter anderem das Frühwerk von Kraftwerk mit E-Musik-Instrumentarium interpretiert.

Die Single

Organza Ray: „I Wear Your Coat Inside Me“ (bandcamp); Live: Organza Ray + Brique, 8. Dezember, 20:30 Uhr zur „biegungen“-Reihe im ausland, Lychener Str. 60

Unlängst beteiligte er sich an einem Abend für den stilistisch unerschrockenen Jazzkomponisten Manfred Schulze. Poulou wiederum hat 2022 ein ganzes Album eingespielt, auf dem sie traditionelle pontisch-griechische Tanzmusik mit aktuellen Clubsounds kurzschließt. Schaltkreis und Schwof gehören bei Organza Ray, die sich gerne auch Gäste wie Wolfgang Seidel und Hayden Chisholm einladen, zusammen wie Experiment und Entertainment.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Robert Mießner

Robert Mießner

Robert Mießner, geboren 1973 in Ost-Berlin. Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Philosophie und Bibliothekswissenschaft. Flaniert und notiert, hört zu und schreibt auf. Herausgeber (mit Alexander Pehlemann und Ronald Galenza) von „Magnetizdat DDR. Magnetbanduntergrund Ost 1979–1990“, Buch und LP, Berlin, Leipzig und Barreiro 2023.
Mehr zum Thema

0 Kommentare