Neue Musik aus Berlin: Die Seuchen-Synthese

Das Berliner Duo Isolationsgemeinschaft hat ein dunkles Wave-Album aufgenommen, das man für die nächste Quarantäne schon mal einpacken sollte.

Bandfoto Isolationsgemeinschaft

Reise durch den Wahnsinn: Isolationsgemeinschaft Foto: Isolationsgemeinschaft

Tanz die Pandemie, tanz den Inzidenzwert! Hört man der Band mit dem sprechenden Namen Isolationsgemeinschaft eine Weile zu, so ist es, als seien DAF zurück und hätten einen synthetischen Seuchen-Soundtrack aufgenommen. Den zackigen Stechschritt-Beat, wie man ihn von den Düsseldorfer Wavegöttern kennt, hat das Berliner Duo jedenfalls auch ganz gut drauf – und singt dazu über FFP-2-Masken, pandemische Apathie und Aussichtslosigkeit.

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„Reise durch den Wahnsinn/ und die Angst läuft hinterher/ Reise durch den Wahnsinn/ Isolation im Sperrgebiet/ kein Land in Sicht“, heißt es etwa in „Blindflug“, dem Auftaktrack des selbst betitelten Debütalbums. Und mit „FFP“ widmen sie dem wichtigsten Accessoire unserer Tage ein eigenes Stück („Bleib zuhaus'/zieh dich zurück (…) Schutzmaske FFP“).

Hinter Isolationsgemeinschaft verbergen sich zwei Berliner Musiker namens Christoph und Jan, die bislang schon bei Hyäne zusammen Musik gemacht haben.

Isolationsgemeinschaft: „I.G.“ (Phantom Records)

Wie bei Hyäne sind die wavigen Frühachtziger eine wichtige Referenz, allerdings orientiert man sich beim neuen Projekt nun vor allem an der elektronischen Musik jener Ära.

Als Infektions- und Isolationsgemeinschaft fanden sie in der frühen Coronazeit zusammen, die acht Stücke haben sie im Wohnzimmerstudio mit analogen Synthesizern, Drumcomputer, Mikro und einigen anderen Instrumenten auf einem 8-Spur-Kasettengerät aufgenommen. Das Debüt, auf dessen Cover sie wie weiland Hanns-Martin Schleyer in Gefangenschaft abgebildet sind, ist bereits vergangenes Jahr auf Bandcamp und als Kassette veröffentlicht worden, nun erscheint es bei Phantom Records auch als LP.

Ein echter kleiner Hit darauf ist der Song „Gelände“. Darin sind eingängige Gitarrentonfolgen, Klackerbeats, ein Synthieteppich und eine Grabesstimme zu hören – und fertig ist der Hit für die Dark-Wave-Disco. In ihren Lyrics behandeln Isolationsgemeinschaft bei weitem nicht nur die Pandemiesituation, in einem der gelungensten Texte wird etwa die Hochstapelei, der Geltungsdrang und der Narzissmus unserer Tage besungen („König“). Muss mit in die nächste Quarantäne, dieses Album.

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ist freier Journalist und Autor. Er schreibt vor allem über Musik, Literatur, Sport, Gesellschaftsthemen. Arbeitet seit 2011 für die taz, derzeit auch als Redakteur im Wochenend-Ressort.

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