Nazi-Verbrechen an Sinti und Roma: Zentralratsvorsitzender warnt vor neuer Gewalt
Droht die Geschichte sich zu wiederholen? Zum europäischen Gedenktag für die ermordeten Sinti und Roma warnt der Zentralratsvorsitzende Romani Rose vor neuer Gewalt.
Foto: Kay Nietfeld/dpa
kna/epd | Anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma hat der Antiziganismus-Beauftragte der Bundesregierung, Michael Brand (CDU), an die rund 500.000 Opfer des nationalsozialistischen Genozids erinnert. „Es waren Menschen, die ihr eigenes Leben, Familie, Freunde, Hoffnungen und Träume hatten – und die Opfer eines barbarischen Regimes wurden“, erklärte Brand am Sonntag. Bei einer Gedenkveranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau im polnischen Oświęcim rief er dazu auf, das Gedenken wachzuhalten und Antiziganismus entschieden entgegenzutreten.
Der Gedenktag erinnert jährlich am 2. August an die Opfer des sogenannten Porajmos, des Völkermords an den europäischen Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 ermordete die SS im sogenannten Zigeunerfamilienlager des KZ Auschwitz-Birkenau die insgesamt 4.300 dort verbliebenen Sinti und Roma in Gaskammern, darunter zahlreiche Frauen, Kinder und Ältere. Zwischen 1933 und 1945 wurden insgesamt bis zu 500.000 Sinti und Roma von den Nationalsozialisten ermordet.
Mit Blick auf die schwindende Zahl der Überlebenden nach über 80 Jahren werde die Verantwortung für das Gedenken umso größter, betonte Brand: „Es liegt jetzt an uns allen, die Erinnerung wachzuhalten, die Geschichte weiterzutragen“, so der CDU-Politiker. Der Holocaust und Terror des Nazi-Terrors habe gezeigt, „wohin es führen kann, wenn Menschen brutal verfolgt und zu einer Bedrohung stilisiert werden“. Gemeinsam müsse jeder Form von Antiziganismus, Rassismus und Menschenverachtung entschieden bekämpft werden.
Romani Rose: „Nichts aus der Geschichte gelernt“
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma, warnte bei der Gedenkveranstaltung vor wachsender Bedrohung und Gewalt: „Mit Schrecken sieht unsere Minderheit das Erstarken eines wiedererwachten und gewaltbereiten Antiziganismus in Deutschland, aber auch in anderen Ländern Europas“ sagte er mit Bezug auf aktuelle Angaben der unabhängigen Melde- und Informationsstelle Antiziganismus.
Diese Entwicklung vollziehe sich nicht „im luftleeren Raum“, so Rose weiter. „In ganz Europa erleben wir Wahlerfolge rechtsextremer und nationalistischer Parteien, die Hass und Hetze wieder salonfähig machen.“ Auch der deutsche Staat würde sich daran beteiligen. So dürften in Niedersachsen die Polizeibehörden in ihren Kriminalberichten mutmaßliche Täter einer ethnischen Zugehörigkeit zuordnen. „Ich erwarte, dass der deutsche Rechtsstaat diese skandalöse Praxis – 82 Jahre nach Auschwitz – beendet“, betonte Rose.
„Wenn ich heute in die Welt blicke, fehlen mir die Worte, um meine Verzweiflung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass wir Menschen nichts aus der Geschichte gelernt haben“, erklärte Rose. „Denn auch heute wird wieder gegen das Völkerrecht verstoßen: in der Ukraine, im Nahen Osten und an vielen anderen Orten dieser Welt.“
Der Zentralratsvorsitzende appellierte an die Mitgliedstaaten der EU, zur Prävention mittels Bildung und Aufklärung beizutragen. So müsse in den Schulbüchern der Heimatländer der Minderheit auch auf deren Beiträge zu Kunst, Musik und Kultur hingewiesen werden.
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