Nahverkehr: FDP fordert Nulltarif-Experiment
Die FDP will einen Freifahrttarif wissenschaftlich untersuchen. Ab Montag fährt die S-Bahn wieder auf allen Linien.
Bild: ap, Miguel Villagran
Mit einem überraschenden Vorschlag hat sich die FDP in die Debatte um die Entschädigung der S-Bahn-Fahrgäste eingemischt. Die Liberalen haben am Dienstag gefordert, den bereits geplanten Freifahrmonat von Dezember auf April zu verlegen. Bis dahin solle nicht nur festgelegt werden, dass von Entschädigungsregelungen nicht nur Stammkunden der S-Bahn, sondern tatsächlich alle Berliner profitieren.
Zusätzlich solle aber die "einmalige Chance" genutzt werden, die Auswirkungen eines einmonatigen Nulltarifs in einer Großstadt wie Berlin in der Realität zu beobachten und wissenschaftlich zu untersuchen, heißt es in einem Antrag der FDP-Fraktion an das Abgeordnetenhaus.
Konkret fordert der Fraktionsvorsitzende Christoph Meyer, dass im April 2010 alle Busse, Trams, U- und S-Bahnen kostenlos fahren - nicht nur in Berlin, sondern im gesamten Tarifgebiet ABC. Währenddessen sollten alle Auswirkungen auf Tourismus, Einzelhandel, Fahrgastzahlen, Umwelt und Autoverkehr untersucht werden. Die dauerhafte Einführung eines Nulltarifs hält Meyer für nicht finanzierbar. "Doch eine Reduzierung der Fahrpreisangebote an einigen ausgewählten Tagen im Jahr könnte interessant sein", sagt Meyer der taz. Dabei könne der Tarif "auch ganz auf null" gesenkt werden.
Unterdessen kommt die S-Bahn langsam wieder in Gang. Ab Montag werden Züge auch wieder bis Spandau, Wartenberg und Strausberg Nord fahren. Damit werde das gesamte Streckennetz wieder bedient, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Außerdem werde Potsdam tagsüber wieder im 10-Minuten-Takt mit der S-Bahn erreichbar sein. Nach Spandau geht es im 20-Minuten-Takt, die in den vergangenen Wochen eingesetzten zusätzlichen Regionalbahnzüge in die Innenstadt fallen teilweise weg.
Von Montag an sind damit 680 S-Bahn-Wagen im Einsatz. Von einem Rückkehr zum regulären Standard kann allerdings bei weitem noch keine Rede sein.
Vor Beginn der S-Bahn-Krise im Juni waren werktags 1.100 Wagen unterwegs, also fast doppelt so viele. Das reguläre Fahrplanangebot will die S-Bahn erst im Dezember wieder erreichen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert